#stadtkindontour in…Südkorea

Der letzte Gegner in der Gruppenphase der Deutschen heißt Südkorea. Es geht um den Einzug ins Achtelfinale. Wir haben mit der Südkoreanerin Ara über ihre Heimat gesprochen und wie sie die Chancen ihres Teams einschätzt.

Stuttgart – Es war das Studium, das Ara Jo vor sechs Jahren nach Deutschland brachte. An der Filmakademie in Ludwigsburg studierte die gebürtige Südkoreanerin Animation. „Die Dozenten an der Filmakademie haben einen exzellenten Ruf. Mir gefallen deutsche Animationsfilme und szenische Filme. Generell hatte ich das Gefühl, dass Deutschland zu mir passt“, erzählt sie.

Neue Heimat: Deutschland

Mittlerweile hat Ara ihr Studium beendet und arbeitet bei Studio Soi. Das in Ludwigsburg ansässige Unternehmen produziert die erfolgreiche Serie „Die fantastische Welt von Gumball“ und war an der Produktion des Oscar nominierten Kurzfilms „Der Grüffelo“ beteiligt.

In Deutschland hat Ara sich gut eingelebt, es ist zu ihrer neuen Heimat geworden. Daher schaut sie sich das Spiel am Mittwoch als neutrale Beobachterin an. „Ich glaube nicht, dass Korea gegen Deutschland gewinnt. Dafür ist das Team nicht gut genug“, vermutet sie.

Der Lauteste gewinnt

An ihrer neuen Heimat schätzt die Animatorin, dass die Menschen rational sind. „Die Südkoreaner sind sehr emotional. Es gibt bei uns das Sprichwort: Der Lauteste gewinnt. Bei einem Streit gewinnt nicht derjenige mit den besten Argumenten, sondern die Person, die am lautesten geschrien hat“, erzählt Ara. Auch beim Fußball bemerkt sie den Unterschied. „Die deutschen Fußballkommentatoren moderieren sehr sachlich. Das ist in Südkorea anders“, sagt die Künstlerin.

Ein Blick auf den WM-Kader der Südkoreaner verrät: Hier tragen viele Menschen den selben Nachnamen. Allein in der Nationalmannschaft gibt es drei Lees, zwei Fußballer hören auf den Namen Jung und stolze fünf Sportler tragen den Namen Kim auf ihrem Trikot. Ganz schön schwer, da den Durchblick zu behalten! „In Südkorea gibt es wenige Nachnamen. Deshalb tragen wir alle verschiedene Vornamen, damit man uns auseinanderhalten kann“, erklärt Ara.

Millionenmetropole Seoul

Aufgewachsen ist Ara in Suwon. Die Stadt befindet sich 48 Kilometer südlich von der Hauptstadt Seoul. In Südkorea sind die Städte größer als in Deutschland, in Suwon leben über eine Millionen Menschen, Seoul zählt knapp zehn Millionen Einwohner. Die Hälfte der 51 Millionen Südkoreaner lebt im Großraum Seoul. Da die meisten Menschen in den Städten wohnen, werden auch die Mieten immer teurer.

„Korea ist hügelig. Hier gibt es viele Berge, die sind nicht so groß wie in Deutschland, ungefähr 500 bis 1000 Meter hoch. Das ist das Schöne an den Städten, man hat einerseits die vielen Hochhäuser und Wolkenkratzer, aber man sieht auch die Berge“, erzählt Ara. In dem asiatischen Land ist es üblich in einem Hochhaus zu wohnen, es gilt sogar als Luxus.

Zwischen Laufsteg und Partykultur

Die Koreaner legen viel Wert auf das Aussehen. Vor allem von Frauen wird erwartet, dass sie sich schminken und stylisch kleiden. Wer keine schicken Klamotten trägt, wird als arm abgestempelt. Ganz nach dem Motto: Kleider machen Leute! Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Koreaner in Sachen Schönheitsoperationen ganz vorne mitspielen. Ein Trend, den auch Ara kritisch sieht. „Diese Oberflächlichkeit, das hat mich schon gestört“, sagt sie.

Ebenso sind die Südkoreaner ein trinkfreudiges Volk. Es ist dort nicht ungewöhnlich, nach einem Arbeitstag mit seinen Kollegen die Nacht durchzufeiern und am nächsten Tag pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Frei nach dem Motto: Wer trinken kann, der kann auch arbeiten! Besonders beliebt ist Reiswein, der aus dem beliebten Nahrungsmittel hergestellt wird.

Korea-Feeling im Kessel

Und wo erinnert Ara Stuttgart an Südkorea? „Das klingt erst mal komisch, aber der Starbucks in Stuttgart hat mich an Korea erinnert. Bei uns gibt es sehr viele Starbucks und die meisten Cafés sind ähnlich konstruiert“, sagt Ara. Allgemein herrscht in Korea eine ganz andere Cafékultur. „Man trinkt nicht nur seinen Kaffee, sondern man lernt und arbeitet dort“, sagt Ara. Sie wollte das in Deutschland fortsetzten, aber das fiel ihr schwer.„Die Stühle sind meistens unbequem und die Tische zu klein. In Korea sind die Cafés für Homeoffices eingerichtet, es gibt große Tische und immer W-Lan“. Vielleicht hilft ihr ein Blick auf unsere Homeoffice-Liste, in der wir die besten Orte zum Arbeiten in Stuttgart aufgelistet haben.

Auch die Wasserfälle in Bad Urach sorgten für Heimatgefühle bei Ara. „Der Wasserfall mit den steinigen Felsen hat mich an die Berge in Südkorea erinnert“, findet sie. Das Naturspektakel befindet sich circa 50 Kilometer von Stuttgart entfernt am Fuße der Schwäbischen Alb.

Gefallen hat der Animatorin das koreanische Restaurant Mandu am Berliner-Platz (Fritz-Elsas-Straße 60). Privat kocht Ara auch koreanisch. Die Zutaten dafür kauft sie im Asia Markt in Stuttgart oder bestellt sie im Internet.

Die Deutschen genießen in Südkorea übrigens einen guten Ruf. Daher werden es die Südkoreaner verkraften, wenn wir sie heute Abend aus dem Turnier kicken!

Wer sich von Aras künstlerischen Fähigkeiten überzeugen möchte, der kann sich ihre Website anschauen.

Tipps für einen Trip nach Südkorea

Festung Hwaseong

Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Festung auf Befehl des Königs Jeongjo erbaut. Heute zählt sie zum Weltkulturerbe der UNESCO. Während des Koreakriegs wurde die Festung beschädigt und später wieder aufgebaut.

Hwaseong Palast

In dieses Schloss hat sich die köngliche Familie begeben, wenn sie gereist ist oder während eines Krieges Schutz brauchte. Das Gebäude zeigt den Glanz einer vergangenen Zeit.

Hangang

497,5 Kilometer misst der Hangang und ist der zweitlängste Fluss in Südkorea. Auch durch Seoul fließt er und verschönert das Stadtbild.

Grenze zu Nordkorea

Südkoreaner dürfen nur mit einer Genehmigung an die streng geschütze Grenze zum Norden. Touristen können ohne weiteres den Grenzübergang zum kommunistischen Nachbarn besuchen, der knapp eine Stunde von Seoul entfernt ist.

Burkhansan-Nationalpark

Wer der Hektik in Seoul entfliehen möchte, der ist im Nationalpark richtig. Hier befinden sich mehr als 1300 Tier-und Pflanzenarten.

Mungyeong Saejae Park

In dem Park stößt man auf wunderschöne Natur und ausgefallene Statuen.

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