#stadtkindontour in…Zagreb

Kommt mit uns auf Weltreise. Ab sofort entlocken wir Stuttgartern Tipps für angesagte Metropolen. Den Anfang macht Stadtkind-Autorin Tanne, die Zagreb regelmäßig bereist und bestens kennt.

Stuttgart – Zagreb, tak te imam rad! (Zagreb, ich habe dich so gern!) Warum das so ist? Zum einen, weil dort meine Wurzeln liegen – meine Mama ist in der Nähe geboren und aufgewachsen. Zum anderen hat mich die kroatische Hauptstadt vor ein paar Jahren mit ihrem besonderen Charme um den Finger gewickelt.

Deshalb bereise ich die Stadt an der Save mindestens einmal im Jahr. Das beste daran: Zagreb ist von Stuttgart aus super schnell zu erreichen. Kaum ist das Flugzeug gestartet, landet man auch schon wieder (Flugzeit etwa eine Stunde). Gleich danach geht’s mit einem Slanac (salziges Gebäck – love it!) in der Hand Richtung Stadtzentrum. Dort versuche ich immer wieder – neben den zahlreichen Verwandtschaftsbesuchen – neue Ecken zu entdecken. Macht euch also bereit für meine Tipps:

Zagreb für …

Fußgänger

Ja, Zagreb überrascht mich immer wieder von Neuem. Eine Sache, die ich aber jedes Mal mache, wenn ich dort angekommen bin – vom Hauptbahnhof (Glavni Kolodvor) zum Hauptplatz Trg Bana Jelačić laufen. Die Strecke entlang des „Zrinjevac“ Parks führt vorbei am Kunstpavillon Zagreb mit seiner schönen gelben Farbe. Side Fact: Die Farbe wird auch Schönbrunner Gelb genannt. An Österreich besonders Wien erinnern übrigens sehr viele Gebäude in der Innenstadt, schließlich gehörte Kroatien lange Zeit zum Kaiserreich. Schaut auch zum Dolac Markt (Marktplatz, oberhalb vom Ban-Jelačić-Platz), da ist immer was los.

Coffee-Junkies

Erst bei meinem letzten Besuch habe ich die Entdeckung schlechthin für mich gemacht. Zagreb kann nicht nur klassischen Kaffee – wie man ihn dort an jeder Ecke bekommt – sondern auch selbstgerösteten. Die Cogito Coffee Roasters haben drei Cafés in der Stadt (prilaz Gjure Deželića 40 und Varšavska ul. 11), das Headquarter ist in meinem Lieblingscafé, dem Café u Dvorištu (s. Foto, Ul. Jura Žerjavića).

Streetart-Fans

Ja, ich liebe Streetart und mache es mir eigentlich in jeder Stadt zur Aufgabe, diese Art von Kunst im Freilichtmuseum namens Straße zu entdecken. Auch Zagreb hat davon jede Menge zu bieten, gerade sieht man überall „Fuck Wars“-Pieces.

In der Oberstadt, genauer Gradec, befindet sich nicht nur eine großartige Terrasse mit bestem Blick auf Zagreb, nein, dort ist auch ein Straßen-Kunstwerk, wie man es selten sieht, verewigt – ein gigantischer Wal. Es heißt „Anamorphosis“ und wurde von dem französischen Künstler Etien im Rahmen des  Rendez-Vous-Festivals im Jahr 2015 gemalt.

Auch nicht unerwähnt bleiben dürfen in Sachen Streetart das Jugend-Kulturzentrum Medika (s. Foto, Pierottijeva Ul. 11) und der Art-Park (Strossmayerovo šetalište 99), zu dem man übrigens durch den Grič Tunnel (mehrere Eingänge, unter anderem auf der Ilica) gelangt – auch absolut sehenswert.

Trendsetter

Als kroatische Hauptstadt versucht natürlich auch Zagreb am Puls der Zeit zu bleiben. Wenn ich wieder mal in der Stadt bin, frage ich als erstes meine Cousine Iva nach Dingen, die man dort gerade so macht. Beim letzten Besuch meinte sie, es sei zur Zeit total angesagt, bunten Kaffee zu trinken. Gesagt, getan – wir waren im Café Sjedi 5 (Ul. Ivana Tkalčića 84) und gönnten uns „Unicorn Glitter Coffee“. Alle Süßteilchen-Fans sollten unbedingt auch das Korica (Preradovićeva ul. 39) ansteuern und sich einen Cruffin (Croissant + Muffin) gönnen – mit Matcha-Füllung ein Traum.

Hipster

Instagram-tauglich ist in Zagreb auch so einiges – vom tollen Blick über die Stadt bis hin zu Locations, bei denen das Handy besser in der Hand als auf dem Tisch liegt. Zwei Neuentdeckungen, die ich bei meinem letzten Besuch gemacht habe, sind das Greenery Procaffe (Ul. grade Vukovara 52e) und das Bistro Gluten (s. Foto, Sesvetska ul. 3). Während das eine mit Matcha-Latte und Schaukeln als Sitzmöglichkeiten lockt, kann das andere guten Gewissens als Traum in Pink mit jeder Menge gluten-haltiger Lebensmittel bezeichnet werden. Achtung: nichts für Glutenfree-Jünger. Beim Gluten-Bistro befindet sich übrigens auch der Zoo Maksimir und das Stadion von Dinamo Zagreb.

Gebrochene Herzen

Weiter geht’s in der Oberstadt. Dort hin gelangt ihr am besten und schnellsten mit der Seilbahn „Uspinjača“ (s.u.). Ihr könnt aber auch laufen, diverse „Schleichwege“ führen ebenso nach oben. Dort angekommen solltet ihr mal ins Museum of broken Relationships (Ćirilometodska ul. 2) schauen. Geschichten und Überbleibsel gescheiterter Beziehungen sind dort zu finden. Nicht gerade ein Stimmungsaufheller, aber schön und detailverliebt gestaltet, kann man dort ein paar nette Stunden verbringen – top Tipp bei Regen.

Illusionisten

„You won’t believe your eyes“, heißt es beim Museum der Illusionen (Muzej Iluzija, Ilica 72). Wir waren dort an einem regnerischen Tag und fanden es ganz nett. Außerdem befindet es sich direkt im Stadtzentrum und kann mit einem Bummel oder einer kleinen Shoppingtour auf der Ilica verbunden werden. Museumsmäßig kann ich in Zagreb ansonsten noch das Museum of Contemporary Art (Avenija Dubrovnik 17) empfehlen.

Liebhaber der einheimischen Küche

Kein Kroatien- bzw. Zagreb-Besuch ohne Čevapcici – das ist ja wohl klar. Da weiß man auch gar nicht, wo man anfangen soll, denn Grill-Restaurants und -Buden gibt es wirklich an jeder Ecke. Zuletzt hatte ich die Grill-Köstlichkeiten in der Budweiser-Brauerei (Pivnica) (s. Foto, Heinzelova ul. 17) getestet und muss sagen „jako dobro“ (sehr lecker)!

Pflanzen-Freunde

Als alte Pflanzen-Freundin will ich die ganzen tollen Parks in Zagreb nicht unerwähnt lassen. Besonders gut gefallen hat es mir immer im Botanischen Garten (Botanički vrt), der 4,7 Hektar groß ist und sich auch sehr zentral befindet. Nehmt euch einfach mal Zeit dafür und lasst euch treiben – ihr werdet es nicht bereuen – Monet-Momente inklusive.

Weihnachtsmarkt-Fans

Und natürlich geht es auch in Zagreb zur Weihnachtszeit besonders besinnlich zur Sache. Ein außergewöhnlicher Weihnachtsmarkt, der umgangssprachlich auch „Adventič“ genannt wird, lockt mit vielen bunten Buden und Beleuchtung ohne Ende in das Stadtzentrum. Die Zagreber sprechen, wie könnte es auch anders sein, vom schönsten Weihnachtsmarkt Europas. Aber das sagen wir über unseren in Stuttgart ja auch. Ich würde sagen: Einfach mal hin und selber gucken.

Party-Animals

Party machen kann man wohl ganz gut in der Garden Brewery (Slavonska avenija 22f) und im Club Masters (Maksimirska cesta 132). Ansonsten einfach mal Richtung Oberstadt spazieren oder rund um den Cvjetni Trg, da findet sich bestimmt ein Lokal für Drinks und Feierei.

Special-Tipp: Sonnenuntergang an der Save

Bilder sprechen mehr als Worte.

Seilbahn „Uspinjača“

Sobald ich in Zagreb die „Uspinjača“ (in der Sackgasse Tomić-Straße, die von der Ilica-Fußgängerzone ausgeht) ansteuere, erlebe ich für mich persönlich einen kurzen Stuttgart-Moment. Es ist nicht unbedingt die Seilbahn an sich (seit 1893 in Betrieb), die wir im Kessel ja auch haben.

Nein, es ist mehr das, was die Bahn mit einem macht. Sie bringt den Fahrgast in luftige Höhen, indem sie die Unterstadt (Donji Grad) mit der Oberstadt (Gornji Grad) verbindet und lässt ihn nach nur 66 Metern auf die Stadt herabblicken. Ein Ausblick, der mich glücklich macht – ähnlich wie die Fahrt mit der „Zacke“ vom Marienplatz bis zur Haltestelle Haigst und dann der Blick in den Kessel vom Santiago-de-Chile-Platz.

Z A G R E B 💘 #city #love #from #above #zagreb #croatia #travel #travelgram

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Zagreb in Stuttgart

Ich würde mich dazu hinreißen lassen und behaupten, dass man sich in Stuttgart oft wie in Zagreb fühlen kann – und das liegt nicht nur an den vielen Kroaten, die im Kessel leben (etwa 15.000) – oder an den vielen Autos, obwohl alles fußläufig erreichbar ist.

„Dobro je“ verspricht der Blick vom Chinesischen Garten

Allein im Westen Stuttgarts, genauer in der Gutenbergstraße lässt die kroatische Hauptstadt grüßen. Auf dem Weg zum Feuersee gibt’s diese eine Kneipe, ihr kennt sie alle – das Gutenberg Pils Stüble (Gutenbergstr. 29), das mit einem „Dobro došli“ (Herzlich willkommen) und dem Zagreber Bier Ožujsko, von den Einheimischen einfach nur „Žuja“ genannt, ins Innere lockt. Und steht am Feuersee nicht eine kleine Zagreber Kathedrale? Beide verbindet die neugotische Architektur. 

Bleiben wir im Westen – denn dort geht es auch kulinarisch kroatisch zur Sache. Die Alte Wache (Hölderlinstr. 57) lockt nicht nur ab Herbst mit einer Special Peka (traditionelle Zubereitung von Kalbsbraten im offenen Kamin), sondern auch täglich mit Balkan-Leckereien wie Čevapcici (Hackfleischröllchen), Raznjici (Schweinehals-Spieße) und der Pljeskavica (Hacksteak, pikant gewürzt). Die kroatischen Kokoswürfel „Čupavci“ gibt’s übrigens immer wieder im Süßholz (Wilhelmspl. 3) – liebevoll gebacken von Adrijana, die selbst kroatische Wurzeln hat. Bier von der „The Garden Brewery“ aus Zagreb kann unter anderem im Paul & George (Weberstr. 3) probiert werden. Der Kulinarik-Klassiker ist und bleibt wohl das kroatische Spezialitäten-Restaurant Bacchus-Croatia (Kappelbergstr. 1) in Fellbach.

Ansonsten gibt es in der Markthalle (Dorotheenstr. 4) einen Balkan-Stand, der unter anderem Vegeta (Gewürzmischung) in allen Varianten und Süßes von Kraš (ich liebe Bajadera) anbietet. Die Magnolien in der Wilhelma blühen mindestens so schön wie die im Park „Zrinjevac“ in Zagreb. Und der Blick vom Chinesischen Garten in den Kessel verspricht „Dobro je“ (frei übersetzt: Hier lässt es sich aushalten).

Zagreb Facts

Auf einen Blick

Zagreb…
…ist die größte Stadt und Hauptstadt Kroatiens.
…liegt 122 Meter über dem Meeresspiegel.
…hat 17 Stadtbezirke.
…hat 790.017 Einwohner.
…hat wie ganz Kroatien die Währung Kuna (7 Kuna = 1 Euro).
…hat eine Standseilbahn. Außerdem sind viele Straßenbahnen – auch alte – und  Stadtbusse in ganz Zagreb unterwegs.
…und Mainz sind seit 1967 Partnerstädte.
….war auch schon Drehort. 1986 drehte Jackie Chan seinen Film Der rechte Arm der Götter (englisch: Armour of God) in der Altstadt von Zagreb.

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