Stadtkinder über ihre Stadt: Yaw Kyeremeh

Was bei unseren Stadtkindern eigentlich immer der Fall ist, trifft bei ihm in besonderem Maße zu: Wer Yaw Kyeremeh nicht kennt, hat so richtig was verpennt. Der leidenschaftliche Sneakerhead managet nicht nur den Skate-Shop Arrow & Beast 1A, er legt auch auf, skatet und organisiert Events wie am Samstag im 1. Stock – aber mal ganz locker aus der Hüfte.

Stuttgart – Es ist schon krass, in Ruhe einen Kaffee mit Yaw zu trinken, ist fast unmöglich. Hier ein „Hallo“, da ein „Was geht?“, dort ein „Man sieht sich!“ – der Store-Manager ist kein unbeschriebenes Blatt, man kennt sich, man grüßt sich. Zwischen Shop, Events und Fußball-Dates quetscht der 30-Jährige gekonnt Gespräche wie dieses, berichtet gern vom nächsten Podcast-Gast und der coolen Neu-Eröffnung, auf der er sich abends noch blicken lässt. Yaw hat Stuttgarter Skatern mit dem Shop „Arrow & Beast“ ein zweites Zuhause gegeben und Sneakerfans eine Plattform mit der Messe „Kicks’n’Coffee“ – selbstverständlich darf da Kumpel Danijel Balasevic nicht unerwähnt bleiben. Was er anpackt hat Hand und Fuß, ungern sitzt er im guten, alten Glashaus, will das, was er macht, auch im Kern verstanden haben.

Yaw Kyeremeh – ein Macher

Yaw ist ein Macher, Däumchen drehen nicht sein Ding. „Und wenn du was gestartet hast und es läuft, dann kann es schnell langweilig werden. Und dann juckt es mich in den Fingern und ich will was Neues machen.“ Das Gerede der Leute wird ihm dann auch gern mal zu viel. Leben und leben lassen – eigentlich ganz einfach. „Wenn die Möglichkeit da ist, etwas umsetzen zu können, dann will ich sie auch nutzen.“ Mehr als verständlich.

Damals wie heute – immer schön selber machen

In Ghana geboren, kam der sportliche dude im Alter von sieben Jahren mit seiner Family in den Kessel. Seitdem ist er Stuttgart treu. „Es hat sich nie ergeben hier wegzuziehen – und wenn, dann hätte es irgendeine Stadt im Ausland sein müssen“, betont er. Mit 13 Jahren habe Yaw angefangen zu skaten, sei an der Hall Eleven abgehangen, man habe immer mehr Leute kennengelernt und sei immer tiefer in die Szene eingetaucht.

„Irgendwie sind alle geskatet, die dann auch was anderes in der Stadt gemacht haben. Und dann kannte man sich halt und ist auch mal easy in eine Bar reingekommen usw.“, erinnert sich der Store-Manager. Die Skate-Community im Kessel ist – damals wie heute – keine kleine. Und sie ist präsent. Warum? „Wenn man skatet, dann geht das Hand in Hand mit selber machen.“

Man wurde zur Crew, schmiss Partys, bedruckte T-Shirts, wollte Follower. „Eigentlich alles wie heute, nur analog.“ Von der Mono Bar bis zur alten Schräglage machte man fix von sich reden. „Wenn du ein, zwei Partys machst, kennst du schnell ganz Stuttgart.“

It’s all coming back

„Was ich an Stuttgart ganz schön finde, ist, dass alles zurückkommt.“ Yaw spielt damit auf „tu ich dir einen Gefallen, tust du mir einen“ an – es ist ein Geben und Nehmen hier im Kessel, das gut zu funktionieren scheint. Hach.

Und so fing das dann auch mit dem Auflegen an – vor vier Jahren, genauer am 2. Januar im Bergamo. Ein Abend, an dem man nicht unbedingt mit viel Publikum gerechnet habe – klar, nach Silvester und Co. Yaw machte die Bude aber voll – die Kumpels kamen, vielleicht auch um sich über ihn lustig zu machen, feierten ordentlich, auch weil es einfach authentisch ist, was der 30-Jährige so macht und tut und auflegt. Mit guten Hip-Hop-Tunes kann man im Kessel aber halt auch einfach nichts falsch machen.

Ich mag Stuttgart sehr!

Aber wie bereits oben erwähnt, blieb es für Yaw nicht nur dabei. Ende 2016 startete er mit Liya den Podcast „Er Sie & Ich“. Und über was wird geredet? Themen, die einem auf der Seele brennen, Erlebnisse, Beobachtung – ganz spontan, wie es sich eben ergibt. Geschichten, die das Leben schreibt. Und gar nicht mal so stadtbezogen. Aber man lasse die Kessel-Vibes schon mit einfließen. „Was Stuttgart angeht, versuchen wir positiv zu sein und über die coolen Sachen, die hier passieren, zu reden.“

Wir zeigen mit unserem Podcast auch, dass Stuttgart mehr zu bieten hat, als viele denken.

Stuttgart einfach nur hässlich zu finden, kann Yaw nicht nachvollziehen. „Das, was Leute hier abfuckt, hast du in jeder anderen Stadt auch. Klar, die Gastroszene könnte größer und vielfältiger sein, aber du kannst das hier auch nicht mit irgendwelchen Metropolen vergleichen.“

In Stuttgart könne man Sachen starten, die das Potential haben größer zu werden, findet Yaw. Wahrscheinlich spielt er darauf an, dass „Arrow & Beast“ 2018 „Shop of the Year“ war – und das europaweit. Was für ihn auch ein Grund ist, warum er der Stadt am Neckar die Treue hält. „Lieber bin ich ein großer Fisch in einem kleinen Teich, als ein kleiner Fisch in einem großen Teich.“ Klingt logisch.

Immer wieder muss Yaw trotzdem raus aus dem Kessel. Da reicht auch einfach eine S-Bahn-Fahrt nach Esslingen, beispielsweise. Und wie sieht ein perfekter Tag in Stuttgart für ihn aus? „Der hat viel mit Menschen zu tun.“ Aufgestanden wird früh, aber dann erstmal easy und gemütlich ein paar Serien schauen, gut Essen gehen (wichtig!), Sport machen (Yaw hat dafür drei WhatsApp-Gruppen!), ein Feierabend-Bier (weil isotonisch). „Viele gute Leute – und Geschenke mag ich auch“, scherzt er. Wenn der Postmann wieder Pakete bringt, dann ist die Freude groß. Vielleicht ist ja ein cooler neuer Sneaker drin. Ja, davon hat Yaw so einige, auch wenn er immer wieder auch gern ein Paar abgibt.

Yaw & friends im 1. Stock

Und das wären wir auch schon beim Thema und bei Samstag. Dort findet ein kleiner Flohmarkt von Yaw und seinen Freunden statt. Von 11 bis 18 Uhr verkaufen die friends ihre neuen, getragenen, zu klein und zu groß gewordenen Lieblings-Jacken, T-Shirts, Hosen, Caps, Mützen, Accessoires und Schuhe. Ein cooles, kleines Event im 1. Stock – mehr Infos gibt’s hier >>> 

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