Stadtkinder über ihre Stadt: Steffen Geldner

Wer Steffen Geldner bei Instagram folgt, weiß von seinen einzigartigen Bildern – ob vom Stuttgarter Ballett, (ein)gefangenen Flugzeugen oder den „Pilz-Brüsten“ von Kim Hoss. Außerdem managet der 34-Jährige die heißeste musikalische Neuentdeckung namens Kaltenkirchen und feiert am Donnerstag sechsten Geburtstag mit seiner Partyreihe Beefcake. Puh, erstmal durchatmen.

Stuttgart – Es ist Freitagnachmittag, Steffen sitzt vor der Caffè-Bar und gönnt sich Weinchen in der Sonne. Das Wochenende naht, la dolce vita lässt grüßen. Alles wirkt easy, entspannt: Ach, Stuttgart, du machst es einem schon leicht, dich zu mögen. Ja, okay, liegt wahrscheinlich auch am goldenen Oktober, der uns zumindest letzte Woche noch gut gelaunt und relativ leicht bekleidet im Freien sitzen ließ. Wow, klingt ja fast schon poetisch – wie ein Songtext. „Apropos“, platzt es aus dem Kreativkopf heraus: „Wusstest du, dass ich Kaltenkirchen manage?!“

Steffen Geldner: „Das Leben ist zu kurz, um nicht konsequent zu sein.“

Und da wären wir auch schon beim Thema. Steffen ist vielseitig interessiert, das dürfte dem Leser spätestens beim Vorspann aufgefallen sein. Er managet, fotografiert und doziert im wilden Wechsel vor sich hin, zwischendurch legt er auch mal auf und schmeißt eine Party wie sie gay-freundlicher nicht sein könnte. Und dann wundert er sich auch noch, dass man über ihn schreiben will?! Also wirklich (Zwinkersmiley). Steffen macht, worauf er Bock hat und zieht das konsequent durch. Richtig so.

Kopfnicker, Kassetten und Kessel-Vibes

In Ludwigsburg geboren, in Marbach und zwischendurch mal an der amerikanischen Ostküste aufgewachsen, wollte der 34-Jährige eigentlich schon immer eines: „In Stuttgart wohnen! Massive Töne, DJ Emilio und Frankie Kubrick waren damals meine großen Vorbilder.“ Und da ist man eben nicht nur am Kleinen Schlossplatz rumgehangen, sondern am Wochenende auch in Emils Plattenladen um die Ecke.

„Donnerstags lief ja auch immer die Kopfnicker-Radioshow mit Massive Töne auf bigFM, die habe ich mir auf Kassette aufgenommen und dann bei Emilio die Platten gekauft“, erinnert sich der DJ, dem Fun auf seinen Feten wichtig ist – dazu später mehr.

Man muss außerdem wissen: Seit Steffen 15 Jahre alt ist, träumt er von einem Job in der Musikbranche. Fürs Studium ging’s schließlich nach Konstanz – und dann aber wieder ganz schnell zurück in den Kessel. Auf ein Praktikum bei bigFM – „dort war ich für die englischsprachigen Podcasts zuständig, das war echt cool“ – folgte ein weiteres Praktikum im Pop-Büro mit unerwartet schneller Festanstellung in der Kommuniktaion für sechs Jahre.

Und damit dem cross-media interessierten Tennis-Fan nicht langweilig wird, absolvierte er berufsbegleitend einen Master on top. Und entschied sich schließlich wieder an die Uni zu wechseln. „Ich wollte immer auch promovieren und eine Professur – dann war die Stelle an der Popakademie frei und ich hab sie einfach bekommen“, berichtet er als wäre es keine große Sache.

Mit der BahnCard 100 endet im April 2020 auch seine Arbeit an der Uni, zufällig spielt ihm das ganz gut in die Karten – wie so oft in Steffens Leben. Über die Kündigung habe er tatsächlich lange nachgedacht: „Ich liebe alles an meinem Job, aber ich kann einfach nicht mehr pendeln.“ Sidefact: Die Popakademie befindet sich in Mannheim.

„Ich bin aber echt happy mit der Entscheidung“, betont er. Und jetzt? „Mal schauen.“ Doch Steffen wäre nicht Steffen wenn er ab sofort einfach nur Däumchen drehen würde. Denn da wäre zum Beispiel sein Kumpel (und übrigens auch Stadtkind-Autor) Philip Stoeckenius, der gerade mit seinem Musik-Projekt Kaltenkirchen durchstartet. Und wer managet das Ganze – na, wer kommt drauf? Richtig, der blonde Tausendsassa aus Stuttgart-Ost. Dort wohnt er übrigens in einer Wohnung in einer alten Stadtvilla, aber das nur nebenbei.

Kenngelernt hatten sich Phil und Steffen btw zur Zeit der Raves am Neckarufer. Seitdem sei man gut befreundet und unterstütze sich wie und wo es geht. Und legt auch zusammen auf. Für die Beefcake. Einmal im Monat. Im letzten Jahr fing Phil an, Songs zu schreiben, eines führte zum anderen, Steffen mit seinen Kontakten in die Musikbranche beschloss: „Okay, ich manage dich jetzt und baue ein Label für dich auf.“ Auf einen Release folgte der nächste, Gigs im Merlin und am Österreichischen Platz begeisterten. „Und bald sind wir Support der Stuttgarter Band Rikas“, freut sich der stolze Manager, der die Fäden im Hintergrund zieht. Kommenden Sommer sollen Festival-Auftritte und Ende 2020 die eigene Headliner-Tour folgen. Bääämmm, geht ab, bei Kaltenkirchen. Kein Wunder spricht Steffen von einer besonderen und vor allem auch kreativen Partnerschaft.

6 Jahre Beefcake – good vibes only

Außerdem will sich der kreative Macher im kommenden Jahr auch eine Art Elternzeit oder, wie er es nennt, „Onkelzeit“ nehmen für die kleinen Kinder von Freunden und seinem Bruder. „Ich habe jetzt richtig Bock, mir Zeit für meine Familie und Freunde und mich selbst zu nehmen – und Stuttgart tut mir gut.“ Aufgrund von Stress und wenig Zeit habe er auch darüber nachgedacht, die Beefcake zu kicken. „Aber dann bin ich nochmal in mich gegangen und habe festgestellt: Die Beefcake ist ein ganz wichtiger Teil in meinem Leben.“ Auch weil er dann immer Philip trifft – und es einfach fantastisch läuft. Mehr Infos zum sechsten Geburtstag der Beefcake gibt’s hier >>>

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Steffens Fotografie: Flugzeug, Spiegel, Handy

Und wie ist das jetzt mit der Fotografie? „Die ist mein Hobby.“ Er reise viel und sei oft allein, berichtet Steffen. „In jeder Stadt treffe ich mich mit Fotografen, die ich auf Instagram angeschrieben habe, und lasse mich dort herumführen.“ Außerdem managet der 34-Jährige noch die digitalen Kanäle von einem Dirigenten und Organisten. „Mir macht es einfach Spaß, neue Leute kennenzulernen.“ Das geht über Instagram ganz gut, findet er. Seinen Channel hatte er übrigens im Rahmen seines Jobs ins Leben gerufen. „Ich fotografiere nur mit meinem Handy.“ Und das ziemlich erfolgreich. Zuletzt waren Bilder von seiner guten Freundin Kim Hoss zu sehen und auch vom Stuttgarter Ballett – gerne mit den Hilfsmitteln Spiegel und Flugzeug, „Sachen, die man mit dem Handy eben gut machen kann.“ In der Caffè-Bar läuft mittlerweile im Hintergrund „Last night a DJ saved my life“, wir bestellen noch einen Wein, sehen der Sonne beim Untergehen zu und fühlen die guten Vibes mitten in der Stadt. Apropos Vibes, auf der Beefcake stimmt die Stimmung. Bei uns werden die Leute mit einem Lächeln plus Umarmung begrüßt, es geht um Spaß und gute Musik, wer mit wem knutscht, ist egal. „What you see, is what you get.“ Easy, entspannt – und konsequent.

Im Freund & Kupferstecher

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