Stadtkinder über ihre Stadt: Schauspieler Jörg Pauly

Stuttgart, für immer erste Liebe? In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City lieben – und was sie richtig nervt. Dieses Mal mit Jörg Pauly, Schauspieler, Familienmensch und Schlossplatz-Fan.

Stuttgart – Seit knapp 13 Jahren ist Jörg Pauly schon ausgebildeter Schauspieler, Moderator und unter anderem Sprecher für den SWR und ARTE. Seine Leidenschaft Leute zu unterhalten begann ganz früh im Kindergarten. Mit fünf gründete er eine eigene Band und imitierte sein Kindheitsidol Elvis Presley.  In der Schule spielte er in der Theater AG und in einer Band. Und trotzdem: bis zum Zivieldienst in Köln hatte er noch nicht daran gedacht, sich auch beruflich für die Bühne zu entscheiden.

Eine Vorliebe für die Bühne

Dass er doch auf die Bühne muss, bemerkte er während seines Studiums. “Studieren war nichts für mich. Ich habe es gehasst über Büchern zu sitzen und, naja zu studieren, ich wollte etwas Praxisorientiertes und Dinge für die Bühne einstudieren.“

Der Schauspielerberuf war schnell die logische Konsequenz.Er sprach an fünf Schauspielschulen vor und entschied sich nach zwei Zusagen für die Theaterakademie Köln. Nach und nach begriff er, was der Beruf eigentlich wirklich bedeutete. “Ich hatte eine ganz andere Vorstellung von dem Beruf vor der Ausbildung als nach den vier Jahren. Durch viele Gespräche und Erfahrungen merkt man, was es eigentlich bedeutet, das wirklich als Beruf zu lernen.“

“Tratsch em Treppahaus“

Momentan ist der 39-Jährige im Theaterstück “Tratsch em Treppahaus“ in der Komödie im Marquardt zu sehen. Das aus den 60er Jahren stammende Stück spielt in einem deutschen Treppenhaus, in dem sich – ganz typisch – Gerüchte verbreiten und getratscht wird. Die Komödie kommt eigentlich aus dem Norden Deutschlands mit starkem nordischem Dialekt, der aber wurde durch Monika Hirschle ins Schwäbische umgeschrieben.

Das Stück kann noch bis zum 13.01.2019 in der Komödie besucht werden.

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Seit wann bist du wieder in Stuttgart? Seit letztem Sommer. Ich hatte immer öfter beruflich in Stuttgart zu tun, deswegen zogen meine Frau und ich von Heidelberg zurück nach Stuttgart. Meine Familie hat sich natürlich auch sehr darüber gefreut.

Wieso bist du aus Stuttgart raus? Mit 21 wollte ich nur noch weg von hier. Stuttgart hat mir nicht gefallen. Jetzt ist es anders, ich habe in mehreren anderen Städten gelebt und sehe die Dinge mit anderen Augen. Außerdem hat sich vieles hier verändert und meine Interessen auch.

 

Ein Stück, das mir bis heute nicht aus dem Kopf geht.

Lieber Film oder Theater? Gemacht habe ich mehr am Theater. Ich finde es irgendwie besonders, sich immer wieder in eine neue Geschichte zu stürzen. Film wäre auch toll, aber da muss es mit der Zeit und dem Geld passen.

Dein liebstes Theaterstück? Sehr schwierig. Man kann die einzelnen nicht miteinander vergleichen. Im Theater der Altstadt gab es aber eine Produktion, über die ich bis heute noch nachdenke. Bunbury, eine moderne Inszenierung nach Oscar Wilde.

Wie sieht denn so ein typischer Alltag eines Schauspielers aus?  Ganz unterschiedlich. Momentan probe ich von Vor- bis Nachmittag am Stück und spiele am Abend in der Vorstellung. Die Zukunftsplanung, wie Bewerbungen und das Portfolio, sind auch Bestandteil, wenn man keinen eigenen Agenten hat.

Du hast  schon mal moderiert und als Synchronsprecher gearbeitet, wie kam es dazu? Ich habe mich schon immer dafür interessiert und Spaß daran gehabt. Auch während meiner Ausbildung kam ich immer mal wieder dazu verschiedenste Dinge einzusprechen oder zu moderieren. Und es ist auch mal ganz schön, das Mikro nur für sich alleine zu haben. (lacht)

Der Wille ist entscheidend.

Gibt es Künstler, die du besonders findest?Charlie Chaplin. Er hat immer seinen Traum verfolgt, eine eigene Kultfigur erschaffen und unzählige Filme produziert. Aber es gibt natürlich viele viele andere Künstler.Michael “Bully“ Herbig finde ich auch sehr inspirierend und bewundernswert.

Wie lange probt ihr für gewöhnlich, sind die Zeiten vorgegeben? In der Regel werden fünf bis sechs Wochen an einem Theaterstück geprobt.In dieser Zeit muss man aber sehr flexibel sein, da man nie genau weiß, wie es voran geht und wann man am übernächsten Tag dran ist.

Was braucht man, um Schauspieler zu werden? Der Wille ist entscheidend. Und das Talent. Man sollte Menschen gerne unterhalten und ihnen Geschichten erzählen wollen. Dafür muss man brennen.

Muss man als Schauspieler sehr extrovertiert sein? Gar nicht! Wir haben ganz viele unterschiedliche Schauspieler, da sind auch einige etwas ruhigere Persönlichkeiten mit dabei. In der Regel trifft das aber nicht auf die Mehrheit zu, Schauspieler plaudern gerne und viel.

Trotz zahlreicher Umzüge immer ein Stuttgarter Stadtkind

Zu welchem Stadtteil Stuttgarts gehörst du? Bad Cannstatt

Was magst du in Cannstatt gerne? Den Kurpark, den Stadtstrand und die kleine aber süße Altstadt. Oh und die Strecke bis zum Max-Eyth-See am Neckar entlang. Perfekt zum Joggen und Rad fahren.

Was gefällt dir in Stuttgart? Stuttgart hat super viele Facetten. Dazu gehören die vielen Aussichtspunkte, wie das Teehaus oder die Karlshöhe zum Beispiel. Die großen Grünflächen und das Kunst- und Kultur-Angebot sind auch toll. Aber vor allem: der Schlossplatz!

Was nervt dich im Kessel? Die Baustelle am Bahnhof. Das Ganze teilt die Stadt und führt nur zu mehr Konfliktpotenzial. Das vegane und vegetarische Angebot ist leider auch sehr knapp.

Der perfekte Ort zum Durchatmen.

Das beste Essen gibt es wo? Wenn ich nicht gerade selber koche, liebe ich das Zom Schleggiga Egg und das Veggie.

Hast du vielleicht einen Geheimtipp für uns parat? Der schönste Ort ist sicherlich die Grabkapelle am Rotenberg oben! Da hab ich das Gefühl durchatmen zu können. Ansonsten wäre der Rössleweg vielleicht ein Geheimtipp. In 54 km einmal komplett um Stuttgart.

(Foto: Samra Hasanovic)

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