Stadtkinder über ihre Stadt: Patrice „Patze“ Grad

Born and raised im Kessel und im Stuttgarter Nachtleben zu Hause: Patrice „Benztown Patze“ Grad ist ein echtes Kind dieser Stadt. Wir haben uns mit dem Booker getroffen und gemeinsam zurückgeblickt.

Stuttgart – Born and raised in Gablenberg, jetzt ist die Alexanderstraße seine Hood. Auch wenn Patrice kurzzeitig überlegte, nach Berlin zu ziehen – trennen wollte er sich von seinem Benztown nie. „Ich liebe Stuttgart und bin gerne hier.“ Und sind wir mal ehrlich: Ohne ihn würde auch ein (weiteres) Stück Stuttgarter Nachtleben fehlen. Knapp 25 Jahre lang arbeitet der Booker schon für Clubs und das Nightlife. Wohlfahrt, M1, Colibri und dann elf Jahre in der Romy – keine dieser Locations existiert heute noch. Doch Patrice wäre nicht Patrice, wenn ihn das jemals gestoppt hätte.

Patrice Grad: „2019 war ein gutes Jahr!“

Für uns blickt er noch einmal zurück. Angefangen habe alles mit DJ Thomilla und der Produktionsfirma Benztown. „Das war eine geile Zeit. Ich habe dort angefangen und war so’n bisschen das Mädchen für alles, habe Telefonate angenommen, Essen geholt, Webseiten gemacht für Künstler wie Turntablerocker, DJ Fricition oder Lexy and K-Paul.“ Auf einem ersten gemeinsamen Ibiza-Ausflug ist auch die Liebe zur elektronischen Musik herangewachsen. „Ich weiß noch, damals habe ich zum ersten Mal Richie Hawtin live gesehen und war hin und weg.“ Heute kann er nicht mehr ohne.

Aufs und Abs, die gibt es immer, doch vor allem das vergangene Jahr hat Patrice vor einige Herausforderungen gestellt. Immerhin ging eine Ära zu Ende – nämlich die vom Club Romy S. Klar, der Schock saß tief. Doch für den Nachtleben-Tausendsassa bedeutete das auch Freiheit. Er nutzte die Zwangsentschleunigung und stellte die neue Veranstaltungsreihe Herz und Seele auf die Beine.

„Ey, 2019 war ein gutes Jahr, trotz dem Aus in der Romy. Ich bin so vielen Locations dankbar, die mir danach die Chance gegeben haben, meine Veranstaltungen zu machen.“ Da ist er eben wieder – der Zusammenhalt im Kessel, der vor allem auch aktuell zu Zeiten von Corona eine wichtige Rolle spielt.

Ich finde es wichtig, dass man als Club oder Veranstalter die Leute auch mitnimmt durch die Krise – zum Beispiel durch Livestreams oder kleine Aktionen.

Schwerfallen tut es ihm schon, so ganz ohne Club. „Ich habe in 25 Jahren noch nie eine Veranstaltung abgesagt. Selbst als Clubs schließen mussten – innerhalb von einer Woche hat sich da immer eine Lösung gefunden. Das hat sich echt falsch angefühlt.“ Wie es weitergehen soll? Patrice plädiert für gemeinsame Konzepte, um Clubs kontrolliert wiederzueröffnen.

Umtriebig, wie erst ist, hat er für den Fall der Fälle natürlich alles vorbereitet: Sobald es in den Clubs dieser Stadt wieder losgehen kann, ist Patze „ready for take-off“. „Ich habe schon alles vorbereitet, Flyer und Co. Ich bin startklar!“

Besonders wichtig ist ihm auch der Benztown Artists Merch. „Ich lege echt großen Wert auf die Qualität der Taschen, Shirts und Co. Das spielt eine große Rolle, auch für die Umwelt.“

Ein paar Fragen hatten wir dann doch noch an Patze, so als echtes Stuttgarter-Original.

„Perfekt ist es eigentlich, wenn man sich nicht aufregen oder schimpfen muss.“

Was sind deine Lieblingsspots in der Stadt: In Zeiten von Corona habe ich jeden Tag meine 12.000 Schritte gemacht und dabei viele neue Orte entdeckt, von denen ich noch gar nichts wusste. Aber generell: Alles, was auf dem Berg oben ist. Und natürlich mein Balkon.

Welche drei Songs verbindest du mit Stuttgart:

Die Fantastischen Vier – Der Picknicker

Hausmarke – Turntablerocker

DJ Thomilla – Wenn der Beat flippt

Das war schon eine Zeit, die mich krass geprägt hat.

Wie sieht der perfekte Tag in Stuttgart für dich aus: Perfekt ist es eigentlich, wenn man sich nicht aufregen oder schimpfen muss.

Wenn du mal Oberbürgermeister spielen könntest, was würdest du beschließen: Boah… auf jeden Fall, dass die Stuttgarter besser auf ihre Umwelt achten müssen. Also höhere Bußgelder für das Liegenlassen von Müll. Ich finde das echt schrecklich, wenn ich morgens zum Teehaus laufe und dann liegen überall Flaschen rum. Nehmt eure Scheiße einfach mit!

Was muss man in Stuttgart mal probiert haben: Pizza bei Italo Disco und die Käsespätzle bei Weinstube Vetter sind auch amtlich!

Wo findet man dich, wenn jetzt nicht Corona wäre, samstags um zwei Uhr nachts: Am liebsten im White Noise oder in ’nem anderen Club am Lichtpult – sie lassen mich zwar nicht überall (lacht), aber es macht mir mega Spaß!

Warum willst du nicht nach Berlin: Damals war es so, dass es mir viel zu groß war und zu unübersichtlich. Und ich liebe das halt auch (meistens), wenn ich durch die Straßen laufe und Menschen treffe, die ich kenne.

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