Stadtkinder über ihre Stadt: Joscha Brettschneider

Wenn Joscha Brettschneider nicht gerade einen Gig mit Gitarre hat, dann serviert er auch gern mal Pizza im L.A. Signorina oder legt – wie am Donnerstag – Soul plus seltsame Scheiben im Icecafé Adria auf. Wir haben den coolen Dude, den viele auch als Elvis kennen, auf einen Cortado in der Caffè-Bar getroffen.

Stuttgart – Ja, das mit der Musik zieht sich schon durch sein ganzes Leben: Joscha Brettschneider wuchs nicht nur in Korb, sondern auch in einer, wie einst betitelt, „schrecklich musikalischen Familie“ auf. Mit seinem Dad Stefan steht der 29-Jährige heute noch oft auf der Bühne (dann auch gern mal für beachtliche 80 Konzerte im Jahr). Er ist aber nicht nur ein Sohn, sondern auch ein BRTHR wie er im Buche steht. Die Rede ist natürlich – die Schreibweise lässt es vermuten – von einer weiteren Band, in der Joscha spielt. Man sieht ihn hier und da – und nicht nur auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Viele kennen Elvis, wie Joscha auch genannt wird, pizza-servierend im L.A. Signorina oder vorher aus dem Vegi. Apropos. Seine WG obendrüber (Nein, die Rede ist nicht vom 1. Stock! Ja, da geht’s noch weiter nach oben!), die er unter anderem mit seinem Kumpel und DJ Ringo aka Prince Bahadu bewohnte, war wohl auch die Wiege einer bekannten Stuttgarter Band (Stichwort: Proberaum) und wurde als 3. Stock zum neuen, heißen Scheiß unter den Clubs im Kessel gehandelt. „Als sich zwei Mädels am Palast irgendwann mal darüber unterhalten haben, dachte ich nur: Hey, Moment, das ist meine Wohnung.“

Elvis Brettschneider – der King of Gitarrenriff

Und wie fing das mit der Musik an? Ganz am Anfang hatte Joscha eigentlich mehr Bock auf Schlagzeug, was jedoch aus Platz- und Geldgründen nicht klappte. „Dann habe ich angefangen Gitarre zu spielen, ohne dass es mich wirklich interessiert hat.“ Doch schließlich habe es irgendwann den Schalter umgelegt. Wieso, weshalb, warum? Wahrscheinlich lag es an einem Film über Led Zepplin, spekuliert Joscha. Danach dachte er sich zumindest: „Fuck, das mache ich auch!“ Das Zocken wurde zweitrangig, der musikalische Dude griff stattdessen nach mehr als einem Riff. „Und plötzlich hat mich nichts anderes mehr interessiert.“ Mit 15 Jahren fing der 29-Jährige schließlich auch an, Platten zu kaufen – und zwar mit Bff Ringo. Immer wieder samstags seien die beiden mit dem Bus nach Stuttgart gegurkt, um routiniert ihre Runden im Kessel zu drehen und in den Plattenläden der Stadt ordentlich zu diggen. So kamen über die Jahre einige, auch seltsame, Scheiben zusammen, die natürlich aufgelegt werden wollen.

Was wollen die Party-People hören?

Das mit dem Auflegen macht Joscha übrigens einfach aus Spaß an der Freude und findet selbst: „Ich sollte mich da einfach locker machen.“ Aber dann packt den Musiker halt doch jedes Mal der Ehrgeiz und er will die Party-Peopz tanzen sehen. Das Problem dabei: Was wollen die Leute hören? Und: Trauen sich die DJs nicht, mal aus dem gewohnten Gedudel auszubrechen oder hat das Publikum tatsächlich Bock auf Einheitsbrei?! Man weiß es nicht.

„Du kannst ja echt die tanzbarste Mucke laufen lassen und trotzdem kommen noch Leute zu dir und fragen: Hey, kannst du mal was Tanzbares spielen?“ Nur zur Info: Beyoncé hat Joscha leider nicht im Gepäck – auf Vinyl gepresst, versteht sich – genauso wenig wie Elektro.

Mit der Stuttgarter Musikszene rechnet niemand!

Dein Beruf in Eigendefinition…Musiker und Pizzaschubser

Seit wann lebst du in Stuttgart? Bin hier geboren und im Remstal aufgewachsen, seit 2010 wohne ich wieder in der Stadt.

Wenn Stuttgart ein Songtitel wäre, welcher? Fade To Grey

Wo wohnst du heute? Am Mozartplatz

Was gefällt dir an dieser Ecke besonders? Sehr zentral, aber ruhig gelegen – und es gibt Bäume.

Wann und wo hast du dich in Stuttgart verliebt? Mit 15, immer wenn Ringo und ich samstags zum Plattenkauf in die große Stadt gefahren sind.

Ein idealer Tag im Kessel: Ausschlafen, Kaffee trinken, Plattenladen/spazieren, Mittagessen, Mittagsschlaf, ein Bierle trinken und/oder auf ein Konzert gehen, Ende.

Der schönste Ort der Stadt ist…der Villa Berg-Park.

Und die hässlichste Ecke ist…Och, da gibt’s einige.

Was fehlt Stuttgart am meisten? Bezahlbarer Wohnraum und Platz für Subkultur

Viele ziehen aus Stuttgart weg. Wieso bist du noch hier? Warum in die Ferne schweifen, wenn ich auch hier nichts hinbekommen kann?!

Womit kann die Stuttgarter Musikszene glänzen? Mit uns rechnet niemand!

Wo kann man am besten abstürzen? Überall, wo die richtigen/falschen Leute sind.

Ein Geheimtipp, den du ausnahmsweise mit uns teilst: Bei Axel im Plattenbau am Marienplatz findet man immer wieder gute Platten.

Was wolltest du in Stuttgart immer schon mal machen, hast es aber noch nie geschafft? Im Hotel übernachten.

Elvis im Adria: Tanzen erwünscht!

Am Donnerstag, 2. Mai, kann ab 21 Uhr zu der Musik von Joscha aka Elvis Brettschneider im Ice Café Adria getanzt werden. Was darf man erwarten? Safe 60s und 70s – und den ein oder anderen seltsamen Track, der die Bar ein bisschen aufmischen und die Feiermeute irritieren soll. Ob es dann ähnlich verrückt zugehen wird wie beim Gig von Lars Eidinger im Kupfi? Könnte sein. Joscha will sich an dem Abend auf jeden Fall richtig locker machen – und ihr wisst ja: Ohne Spaß kein Fun! Also lasst euch einfach drauf ein.

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