Stadtkinder über ihre Stadt: Itchy-Sänger Daniel

Stuttgart, für immer erste Liebe? In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City so lieben – und was sie so richtig nervt. Heute mit Daniel Friedl, Tischtennis-Crack, VfB-Fan und Sänger/Bassist bei der Punkrock-Hausnummer Itchy.

Stuttgart – Als Jugendlicher, so erinnert sich Daniel Friedl, hatte er eigentlich nur zwei Interessen: Punkrock und Fußball. „Also hab ich versucht, eins von beidem zum Beruf zu machen“, erzählt er. „Nach elf Jahren im Jugendfußball-Amateuerbereich musste ich irgendwann verbittert einsehen, dass mein fatales Stellungsspiel nicht für die Bundesliga ausreichen wird. Bin ich eben Musiker geworden. Unterm Strich hätte es schlimmer laufen können.“

Itchy, oder: 900 Konzerte in 20 Ländern

Das hätte es. Daniel ist nämlich nicht irgendein Musiker. Er ist Sänger und Bassist (manchmal auch Gitarrist) der Punkrock-Band Itchy. Die hieß bis vor einiger Zeit noch Itchy Poopzkid und ist seit mittlerweile 18 Jahren ziemlich dick im Geschäft. „Mittlerweile haben wir bestimmt 900 Konzerte in über 20 verschiedenen Ländern gespielt“, unterstreicht er diese Aussage. „An die meisten kann ich mich sogar noch erinnern.“

Fiese Rückhand

Heute wohnt Daniel im Stuttgarter Westen. Das heißt, wenn er nicht mit dem Tourbus durch die Gegend gurkt „und mit fragwürdigen, selbst beigebrachten musikalischen Grundfähigkeiten, gepaart mit sehr viel Begeisterung Konzerte spielt und zusammen mit einem Publikum, das unsere Texte besser kennt als wir selbst, durchdreht und eine gute Zeit hat“, wie er selbst sagt. Klingt eigentlich ziemlich schön. Weil es Daniel aber eben auch im Westen ziemlich schön findet, haben wir uns mit ihm am Paul-Gerhard-Platz auf eine Runde Tischtennis verabredet. Unter uns: Das spielte Daniel schon, bevor es sich Casper und Marteria von ihm abgeschaut haben. Die Folge: Eine ziemlich fiese Rückhand.

Cornen mit den Besten: Daniel (links) mit seiner Band.

4:1 für Stuttgart!

Seit wann lebst du in Stuttgart? So richtig erst seit fünf Jahren. Aber eigentlich war ich auch vorher schon immer hier.

Wo wohnst du heute? Nur die Besten wohnen im Westen.

Was gefällt dir an dieser Ecke besonders? Dass es ein total lebendiger Stadtteil ist, der es gleichzeitig schafft, ziemlich entspannt zu sein.

Und was eher weniger? Dass man eigentlich jeden Monat mindestens einmal im Lotto gewinnen muss, um sich die Miete leisten zu können.

Wann und wo hast du dich in Stuttgart verliebt? Drei Ereignisse: Als kleiner Bub zum ersten Mal in der damaligen Lerche auf der Königstraße. Ich konnte als Kleinstadtjunge einfach nicht fassen, welch riesige Auswahl an Musik die da hatten. Kurze Zeit später stand ich dann zum ersten mal in der Cannstatter Kurve beim VfB. 4:1 gegen Kaiserslautern (Tore: Dubajic, Kastel, Buchwald, Gaudino). Und noch etwas später auf ersten Punkrock-Konzerten in der Röhre und im LKA. Da war‘s dann ganz um mich geschehen.

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Das Neckarstadion ist mein zweites Wohnzimmer.

Ein idealer Stuttgart-Tag in Kurzform: Tischtennis-Frühstücksmatch am Paul-Gehard-Platz. Danach abkühlen im Freibad Botnang oder Möhringen. Anschließend am Schlossplatz/Königsbau über amüsante Poser mit ihren tiefergelegten Mercedes schmunzeln und dabei Eis essen. Abends dann bei Freunden auf dem Balkon rumhängen und deren Kühlschrankinhalt reduzieren oder gegebenenfalls auch mal einer guten Kneipe eine Schneise ins Regal saufen.

Der schönste Ort der Stadt: Das Neckarstadion. Ist eben wirklich mein zweites Wohnzimmer.

Das Schönste an dieser Stadt ist…? Dass sie total bunt und vielfältig ist. Und dass Omas in der Bahn meistens höflich ein Sitzplatz angeboten wird.

Ein Daueraufreger in dieser Stadt ist…? Anscheinend immer noch der Bahnhof.

Ein Geheimtipp, den du ausnahmsweise mit uns teilst: Beirut Imbiss am Josef-Hirn-Platz. Best Falafel in town! Der relativ neue Kartoffelladen Grombier daneben ist auch voll gut. Das waren jetzt bestimmt alles, aber keine Geheimtipps.

Die Kunst, aufrecht aus dem Oblomow zu kommen

Dein Lieblingsrestaurant? Ganesha! Ich war mittlerweile weltweit in wirklich vielen indischen Restaurants, aber Ganesha ist eine Institution und das Essen ist grandios. Außerdem ist der Service immer fragwürdig amüsant. Gibt´s im Westen und Osten.

Wo bist du am öftesten abgestürzt? Oblomow. Ist aber auch echt schwer, da aufrecht wieder rauszukommen.

Gerne zwischen Bars und Bühnen zuhause: Itchy.

Wo darfst du anschreiben? Zum Glück nirgends bisher. Beim West-Treff hätte ich vielleicht Chancen. Denen habe ich mal eine VfB-Fahne geschenkt..

Wo hängst du im Sommer am liebsten ab? Am Paul-Gerhard-Platz. Das ist so schön unaufgeregt da. Zwei Tischtennisplatten, ein Tischkicker, gute Sonneneinstrahlung und die Christen von der Kirche nebenan meckern auch nie, wenn man dabei zu laut ist und zu viel Bier trinkt.

Wie bist du in der Stadt unterwegs? Zu Fuß und mit der Bahn. Manchmal auch mit einem der DB-Fahrräder. Da funktionieren aber die Bremsen so selten, dass es immer irre spannend ist, ob man überlebt.

Feinstaub-Sightseeing am Neckartor

Was fehlt dieser Stadt am meisten? Ein paar mehr Kneipen, in denen Gitarrenmusik läuft und generell ein großer Schwung mehr Subkultur.

Was würdest du sofort ändern, wenn du OB wärst? Ich würde umgehend kündigen und wieder Musiker bei Itchy werden.

Was wolltest du in Stuttgart immer schon mal machen, hast es aber noch nie geschafft? Eine Citytour mit dem Hop-On Hop-Off Bus! Das ist bestimmt total spannend, wo der so langfährt. Und an welchen Attraktionen hält der dann? Feinstaub-Sightseeing am Neckartor? Muss ich jedenfalls dringend mal machen.

Titelbild: Ilkay Karakurt

www.itchyofficial.com

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