Stadtkinder über ihre Stadt: Horst Krick

Die einen nennen ihn den netten tätowierten Mann von nebenan, manche kennen ihn auch als Mickey und andere machen ihn instantly zum Galeristen, fest steht: Horst Krick liebt die Bühne, das Connecten und Tattoos all-over. Alles unter einen Hut bekommt der 40-Jährige bei Bloody Colors, wo am Samstag Zweijähriges gefeiert wird.

Stuttgart – Ja, Horst Krick ist ein umtriebiges Kerlchen – er hat eben schon viel gemacht, liebt es vernetzt zu sein und gibt selbst zu: „Ich connecte gerne.“ Durch seine Kontakte fand das Bloody Colors Custom Tattoostudio, das es bereits in Berlin gab, vor zwei Jahren auch im Kessel ein Zuhause. Und mindestens genauso lang kümmert sich der 40-Jährige um alles, was mit der dazugehörigen Bloody Colors Gallery zu tun hat. Es sei immer was los. „Und ich muss nicht stundenlang an einer Sache sitzen. Die Abwechslung ist da.“ Und diese Tatsache verrät es auch schon, sich auf eine Sache zu konzentrieren ist halt nicht sein Ding. Horst mag Action – und Tattoos. Aber er ist kein Tätowierer, sondern Shop-Manager. So steht’s zumindest auf seiner Visitenkarte.

Volksfeste, Freestyle-Rap, Burlesque-Shows

Die Geschichte von Horst geht unter die Haut. Und das nicht nur, weil er fast von Kopf bis Fuß tätowiert ist. Der 40-Jährige stammt aus einer Schausteller-Familie, wuchs dort auf, wo sich unsereins – wenn es hochkommt –  zweimal im Jahr blicken lässt. Und zwar auf dem guten alten Rummelplatz – ihr wisst ja: Wasen ist nur zweimal im Jahr. Aber das nur am Rande.

Große Fahrgeschäfte waren das daily Business seiner Familie. Und Horst war eben auch so lange dabei bis er fest in die Schule musste. Mit zwölf Jahren sei er schließlich mit seiner Mutter nach Stuttgart gekommen. Als seine Ma später wieder weiter- beziehungsweise wegzog – damals war Horst knapp 18 Jahre alt – entschied er: Ich bleibe hier. Und seitdem ist er Stuttgart troy.

Es folgten wilde Jahre, prall gefüllt mit jeder Menge Skateboarding, Hip-Hop, Graffiti, später ging dann auch das Artistengen mit ihm durch. „Es kam der Moment, da wollte ich wieder auf eine Bühne“, erinnert er sich. Den Anfang machten Freestyle-Rap-Battles, Varieté-Auftritte, Burlesque-Shows – das alles aber nur nebenbei. Horst hatte eigentlich Illustration studiert, war später im Shop-Management für Sportmarken, dann im Vertrieb von Tattoo-Produkten tätig. „Mir macht es eben Spaß, Dinge einfach mal zu machen.“ Was in fünf Jahren ist, wisse er selbst nicht. Gerade ist er auf alle Fälle Shop-Manager bei Bloody Colors und das mit Herzblut.

Stuttgart war sowas wie meine erste wirkliche Heimat.

Dein Beruf in Eigendefinition… Studio-/Galerie-Manager steht auf meiner Karte. Gefühlt: Helikopter-Mom!

Hast du ein Tattoo mit Stuttgart-Bezug? Nicht direkt – also nichts Motivisches wie eine Brezel oder den Fernsehturm. Dafür einige Tattoos aus Stuttgart, zum Beispiel von meinem alten Freund Alex Wild, der auch mein erstes Tattoo gestochen hat.

Seit wann lebst du in Stuttgart? Seitdem ich zwölf bin.

Wo wohnst du heute? Mittlerweile im Lehenviertel in Stuttgart-Süd.

Was gefällt dir an dieser Ecke besonders? Ich hab es da super erwischt. Ich wohne mehr oder weniger zentral in der Stadt, habe aber trotzdem, wenn ich aus dem Fenster schaue, nur Natur um mich herum. Ich höre öfter Vögel zwitschern als Autos vorbeifahren!

Wann und wo hast du dich in Stuttgart verliebt? Das ging sehr schnell, spätestens Mitte der Neunziger. Da ist sehr viel passiert hier. Hip-Hop war irgendwie allgegenwärtig, das Jugendhaus Mitte, Radio-Barth-Gebäude, das „Prag“, zum Skaten an die Freitreppe. Alles magische Orte in meiner Erinnerung.

Was verbindet dich mit Stuttgart? Hört sich zwar kitschig an aber ein echtes Gefühl von „zu Hause sein“. Stuttgart war sowas wie meine erste wirkliche Heimat.

Ein idealer Tag in Stuttgart: Mit Freunden im Grünen. Egal, ob Stuttgart oder woanders. „Es ist nicht wo du bist – es ist was du machst!“ – Shoutout an die Massiven!

Der schönste Ort der Stadt: Meine Terrasse.

Die abgefuckteste Ecke der Stadt: Wirklich „abgefuckte“ Ecken gibt es hier, im Vergleich zu anderen Städten, nicht wirklich. Der Hauptbahnhof vielleicht?

Was fehlt Stuttgart am meisten? Bezahlbare Mieten.

Wo gibt‘s nachts das beste Essen? Immer bei Mama! Aber die sehe ich leider viel zu selten. Wirklich spät nachts gilt sonst höchstens „Feuer mit Feuer bekämpfen“. In solch einem Notfall: Brunnenwirt!

Ein Geheimtipp mit Stuttgart-Bezug, den du ausnahmsweise mit uns teilst: Sei vorsichtig wem du was erzählst. In Stuttgart bleibt nichts lange geheim!

Wo kann man am besten abstürzen? Ich bin mittlerweile nicht mehr so oft nachts in den Clubs unterwegs und habe grad eher Daytime-Partys für mich entdeckt. Mit Freunden beim Grillen, da geht’s halt nicht von nachts bis morgens, sondern eher von mittags bis abends. Das Ergebnis kann manchmal trotzdem ähnlich ausfallen (lacht). Sonst kenne ich glaube ich keinen, der nicht schon mal im Oblomow gestrandet ist.

Wo im Kessel kann man den Frühling am besten genießen? Auf meiner Terrasse – again!

Was wolltest du in Stuttgart immer schon mal machen, hast es aber noch nie geschafft? Mist, hab hier glaub schon alles durch. Keine Ahnung! Den Blaustrümpflerweg laufen vielleicht?

Bloody Colors (Gallery)

Die Bloody Colors Gallery ist eine Non-Profit-Galerie. Manchmal kuratiert Horst die Ausstellungen mit. Er stehe beratend zur Seite, helfe ein Konzept zu erstellen und Texte zu schreiben, die die Meta-Ebene der Kunst erklären. „An der Vernissage richte ich auch mal ein paar Worte an die Gäste, da helfe ich gerne.“ Das wichtigste ist: Hier fließt kein Geld – den Künstlern werde kostenfrei und wohlwollend Raum geboten. „Aber es sind eben auch Quadratmeter, die wir bezahlen. Da müssen wir langfristig gucken: Wie geht es weiter?“ Die Idee dahinter: In Stuttgart gebe es zu wenig Raum wie diesen, deshalb war schnell klar: „Wir bespielen die Fläche auf diese Art.“ Trotzdem oder gerade deshalb würde sich die Bloody Colors-Crew freuen, wenn sich Unterstützer finden. Bei Interesse einfach unter: kontakt@bc-tattoo.de melden.

Side-Fact: Hinter Bloody Colors stehen zwei der Gründungsmitglieder von Berlin Crime. Berlin Crime wurde 1997 unter anderem von Frauenarzt und DJ Manny Marc gegründet. Die Gruppe Bass Crew dagegen zusätzlich von MC Basstard, MC Bogy und weiteren Personen. Die mit dem gleichen Kürzel lautende Bass Crew besteht aus folgenden Mitgliedern der Berlin Crime: DJ Manny Marc, Frauenarzt, MC Bogy und MC Basstard. Alle mit dem gleichen Kürzel BC.

Bloody Colors Block Party

Beim Zweijährigen geht es nicht nur darum, die Tattoo-Begeisterten der Stadt zusammenzutrommeln, sondern eben auch um das Viertel. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass es eine Block-Party ist. Die Nachbarschaft ist eingeladen und willkommen“, freut sich Horst. Es sei auch als Austausch von Alt und Jung gedacht. Man komme zusammen, ohne Berührungsängste. „Wir sind freundlich und ordentlich, machen genauso wie jeder andere auch unsere Kehrwoche“, sagt der 40-Jährige lachend.

Facts zum Fest: 

Wann? Samstag, 27. April von 13 – 21 Uhr

Wo? Bei Bloody Colors im Hinterhof, Hölderlinstraße 53

Was ist geboten? Coole Drinks, heißes BBQ, fresher Hiphop von DJ Crypt, genauso wie Tattoo-Dart, Graffiti Action mit der legendären TPM-Crew, bunte Menschen und geile Stimmung.

Weitere Infos zur Block Party findet ihr hier >>>

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