Stadtkinder über ihre Stadt: Blogger Thomas Lotter

Stuttgart, für immer erste Liebe? In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City so lieben – und was sie gerne ändern würden. Wir haben den Stuttgarter Blogger Thomas Lotter auf einen Kaffee getroffen und ihm Fragen zu Stuttgart, seinen Fotografien und dem neuen Blog gestellt.

Stuttgart – Ein Blogger, drei Accounts – dass Thomas Lotter nicht an einer Persönlichkeitsstörung leidet, kann er manchmal selbst nicht ganz glauben. Auf @lotter_live postet er hauptsächlich Naturfotografien, bei @diningdaily geht’s kulinarisch zu und unter @lotter_cars widmet sich der gebürtige Tübinger seiner Liebe zu Autos. Insgesamt hat er über 50.000 Follower auf allen drei Kanälen. Im August kommt jetzt noch ein Blog dazu, der das Ganze bündeln soll: „Auf dem Blog kann ich zu den einzelnen Themen auch mehr schreiben und ihnen allgemein mehr Raum geben“, sagt der 24-Jährige.

Der Eibsee entfachte die Leidenschaft

Als Blogger begonnen hat Thomas vor ungefähr eineinhalb Jahren – mit @lotter_live, seinem damals noch ganz privaten Instagram-Profil. Bei einem Trip zum Eibsee nahe der Zugspitze entdeckte er die Naturfotografie für sich: „Vorher war ich nicht so der Naturbursche, aber es hat mich dann gepackt.“ Anfangs noch mit dem Handy, später dann mit der Kamera schoss er immer mehr und immer bessere Fotos von den unterschiedlichsten Natur-Spots in ganz Europa. „Am Anfang schaut man sich noch viel von den anderen großen Instagram-Naturfotografen ab, kopiert ihren Stil. Erst mit der Zeit entwickelt man da etwas Eigenes.“

Die Community hat einen kritischen Blick

Dieses „Eigene“ hält Thomas auf seinem Account auch streng bei: Mystische Landschaften, Nebel, viele Grün-, Grau- und Blautöne. Das muss auch so sein, meint er: „Die Community ist sehr streng mit einem, wenn etwas aus dem gewohnten Rahmen fällt. Außerdem ist mir aufgefallen: Je stärker man sich in einer Nische bewegt und dort konstant bleibt, desto zahlreicher sind die Interaktionen.“ Ein No-Go, wenn da plötzlich ein Bild von Essen oder Autos im Feed auftauchen würde. Da der gebürtige Tübinger aber auch diese Themen spannend findet, mussten noch zwei Accounts her.

Seit einem Jahr lebt der Blogger in Stuttgart und hat gerade seine Masterarbeit in Unternehmenskommunikation beendet. Wie es jetzt weitergeht? „Mal sehen, aber das Bloggen soll auf jeden Fall ein Nebenberuf und ein Hobby bleiben, zumindest vorerst.“ Ein Hobby, das viel Zeit in Anspruch nimmt: Allein die Sichtung aller Fotos nach einem Trip kostet ihn einen ganzen Tag. Obwohl durch seine Fotos deutlich wird, dass Europa viele schöne Ecken hat, kommt der Blogger immer wieder gerne in seine Wahlheimat Stuttgart zurück. Gut integriert hat er sich auch schon und kann als Stadtkind so einiges über den Kessel sagen:

Lokalpatriotismus und Liebe zum Detail

Wann haben sich die Wege von dir und dieser Stadt das erste Mal gekreuzt? Die ersten Anknüpfungspunkte – das ist jetzt ein bisschen peinlich – waren Emo-Treffs hier in Stuttgart. Die größten Treffen fanden da immer auf dem Schlossplatz statt und damals war ich noch voll in der Szene drin, mit schulterlangen, geglätteten Haaren. Nein, davon gibt’s jetzt keine Fotos.

Wo ist deine Hood? Mitte. Ich wohne am Charlottenplatz.

Stuttgarter sind… Lokalpatrioten. Man mag seinen Kessel.

Wo kann man die besten Fotografien in Stuttgart machen? Überall, wo man auf de Stadt runterschauen kann: Eugensplatz, Karlshöhe, Teehaus… Die Aussichten sind toll. Außerdem gibt es viele tolle Cafés. Stuttgart lebt von viel Liebe zum Detail, die Leute geben sich Mühe, alles schön aussehen zu lassen.

Wie reagierst du, wenn jemand sagt, dass Stuttgart hässlich ist? Ich kann die Leute schon verstehen, aber ich würde ihnen sagen, dass sie der Stadt ein bisschen Zeit geben sollen. Man findet auch viele schöne Ecken.

Wo ist Stuttgart am hässlichsten? Die Frage ist eher wann. Nämlich dann, wenn man im Stau steht.

Wann hast du dich in die Stadt verliebt? Schön ist es, morgens früh aufzustehen und durch die erwachende Stadt zu laufen. Das ist so ein toller Kompromiss aus Großstadt und heimeligem Gefühl.

Die Gretchenfrage, weil du Autos liebst: Daimler oder Porsche? Daimler.

Das Instagram-würdigste Essen gibt’s wo? Ich muss mich entscheiden? Ohje… Frühstück im Lumen, Snack im Claus und Abendessen in L.A. Signorina. (Die Entscheidung fiel ihm sehr schwer.)

Was fehlt Stuttgart fürs perfekte Shooting?
Eindeutig die Berge, also eine Bergkulisse.

Was braucht Stuttgart noch, um absoluter Blogger-Hotspot zu werden? Niedrigere Preise und Lebenshaltungskosten. Stuttgart zwingt einen, arbeiten zu gehen.

Dein Lieblings-Stuttgart-Blogger?
Mojo from the Blog, weil er das urbane Schwaben-Feeling so schön rüberbringt.

Dein Geheimtipp in 0711? Das Consafos. Ein nettes, kleines Café in der Nähe der Königsstraße. Einmal um die Ecke und schon hat man Hipster-Feeling direkt an Stuttgarts überlaufener Einkaufsstraße.

Was wolltest du in Stuttgart schon immer einmal machen, hast es aber noch nie geschafft? Ich war noch nie auf dem Fernsehturm.