Stadtkinder über ihre Stadt: Axel Aßfalg

Eventmanager, Wein-Enthusiast, Stadtentstauber: Axel Aßfalg hat Bock, den Kessel in Sachen Wein aufzumischen, ob mit dem Weingut der Stadt Stuttgart oder ab Samstag mit einer Auswahl an Weinen seines Labels Orange Originals im Café/Shop Silberknie. Was es damit auf sich hat und wer der motivierte Dude dahinter ist, haben wir heute Morgen bei einem groooooßen Kaffee für euch herausgefunden.

Stuttgart – Ja, der Axel isch motiviert. Termine morgens um 8 Uhr – kein Problem für den bärtigen Workaholic. Zwischen Weinreben in Rohracker, den Pop-up-Stores im Kessel und dem Shop in Bad Cannstatt springt der 31-Jährige aber mal ganz locker hin und her, checkt die Lage, plant gefühlt immer noch ein großes Ding. Schon irre, was ein Mensch alles gemacht haben kann. Bei Axel ist es tatsächlich fast unmöglich, den Überblick zu behalten. Ja okay, das klingt jetzt übertrieben, aber da war schon eine Menge los, im Leben des leidenschaftlichen Eventplaners – wir fassen zusammen: Agrarbiologie-Studium in Stuttgart, Jobs als Foodtruck-Manager und Restaurantleiter in München und Stuttgart, die Ausbildung zum Winzer, natürlich im Kessel und jetzt das eigene Business mit „Orange Originals“ und maische-vergorenen Weißweinen aus Slowenien, Österreich und Deutschland.

Axel Aßfalg: always on the run

Überblick verloren? Erstmal zurück auf Anfang! Ursprünglich im beschaulichen Oberschwaben, genauer Bad Waldsee, aufgewachsen, mit allem was dazu gehört: Schule, Jugend, Abitur, verschlug es Axel dank Studium 2008 nach Stuttgart. „Ich wollte irgendwas mit Biologie machen“, erinnert sich der 31-Jährige. Er habe sich ein bisschen spezialisieren wollen. Agrarbiologie an der Uni Hohenheim sollte es schließlich sein. Warum? „Klingt jetzt komisch, aber ich war schon immer ein großer Freund der Natur“, betont Axel, der während seiner Kindheit viel Zeit draußen, etwa beim Wandern in Österreich, verbrachte. Außerdem habe er sich intensiver mit Nahrungsmitteln beschäftigen wollen.

Er setzte schließlich den Master in Agrarwissenschaften obendrauf und arbeitete nebenbei in der Speisemeisterei, dem Sternelokal unter Frank Oehler. Wichtig, weil es später noch einmal eine große Rolle in Axels Leben spielen sollte. Nach dem abgeschlossenen Studium ging’s für den ersten Job im Bereich Pflanzenschutz nach München. Nicht so sein Ding, vor allem auch wegen Hemd, Aktenkoffer und Büro-Alltag.

Nach knapp sechs Monaten im 9-to-5-Job habe ich gemerkt: Ne, das ist nichts für mich. Ich will nicht mehr für den Lebenslauf arbeiten.

Und was jetzt? Damals sei die Foodtruck-Szene in München ziemlich groß gewesen, so Axel. Ein TV-Bericht machte ihn schließlich auf einen ganz bestimmten Foodtruck – Chivito – aufmerksam, bei dem er sich einfach mal spontan meldete und die zufällig einen Manager suchten. Eines führte zum anderen und Axel dachte sich: „Ja okay, dann werde ich halt Foodtruck-Manager.“

Nach einem knappen Jahr, beruflichen Veränderungen und privaten Schlussstrichen, ging’s zurück nach Stuttgart und damit – Achtung – auch zurück in die Speisemeisterei. Und dort arbeitete sich Axel hoch und wurde Restaurantleiter. „Ich war zur falschen Zeit am richtigen Ort oder zur richtigen Zeit am falschen Ort – und dann habe ich mich da reingestürzt, das war einen mega geile Zeit.“ Doch Sternegastronomie bedeutet eben auch Stress und 14-Stunden-Tage. „Ich war knapp 30 und dachte mir nur: Ne, lass mal lieber.“

Weil er als Restaurantleiter aber auch für die Weinauswahl verantwortlich war und „wahnsinnig gern regionalen Wein trinkt“, kam Axel ganz schnell eine Winzer-Ausbildung in den Sinn. Er bewarb sich beim Weingut Stuttgart, was (offensichtlich) klappte, durfte das erste Lehrjahr überspringen, ging mit dem Blaumann zur Arbeit und drückt wieder die (Berufs-)Schulbank.

Eine kreative, junge und urbane Weinkultur

Gemeinsam mit dem Weingut Stuttgart-Chef Timo Saier will Axel nun das städtische Weingut, das einzige übrigens unter kommunaler Regie in einer Landeshauptstadt, entstauben, und auch die Stuttgarter wieder an ihre Weinkultur heranführen. Und wie geht das am besten? Ganz genau, man mischt den Kessel auf – und zwar mit Präsenz. Ein Shop im Fluxus ging an den Start, genauso wie eine eigene Laube auf dem Weindorf und schließlich das Kronprinz-Pop-up. Bye bye Staubschicht, hello junge Zielgruppe.

Ich wollte schon immer einen Laden im Fluxus haben.

Ideen, Kursänderungen, Weinwechsel: Das geht mittlerweile soweit, dass sich die beiden Macher oder auch das, nach eigenen Angaben, „gefährliche Duo“ einen Ideenstopp auferlegte. „Wir kommen gar nicht mehr hinterher, alles, was wir uns vornehmen, umzusetzen.“ Fest steht: Sie wollen weg aus der elitären Ecke.

Wein kann so geil unkompliziert sein!

Stuttgart – deine Stadt?

Ich fühle mich hier wohl, weil es noch ruhige Ecken gibt. Man muss nicht immer Vollgas geben und trotzdem hat Stuttgart alles zu bieten, was man braucht.

Aber?

Stuttgart ist ein großes Dorf. Und ganz nach dem Motto: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht, haben es Trends im Kessel schwer. Es ist schon alles sehr langsam und mühselig hier. Stuttgart braucht definitiv einen Arschtritt.

Dein Geheimtipp im Kessel?

Die Taos Weinbar – eine mega gemütliche Location, gute Weine, check.

Wo kann man in Stuttgart am besten abstürzen?

Gepflegt abstürzen auf jeden Fall auch in der Taos Bar. Aber sonst auch gern im heimischen Wohnzimmer oder im Suessholz.

Was machst du, wenn Leute sagen, Stuttgart sei hässlich?

Man muss sich auf Stuttgart einlassen. Ein großes Dorf, aber das ist auch das Schöne, Gemütliche in und an dieser Stadt.

Was fehlt der Stadt?

Stuttgart braucht mehr Kreativität – vor allem im Gastrobereich. Eine kreative, junge und urbane Weinkultur. Und da bin ich gerade dran.

Bilder: Tanja Simoncev / Axel Aßfalg

Orange Originals X Silberknie

Und wie hat sich das jetzt mit dem Silberknie ergeben? Axel lernte Roya Fitz auf dem Weindorf kennen, noch bevor sie mit ihrem Vater das Café Silberknie eröffnete. Nun wollen die beiden gemeinsame Sache machen. Dafür bietet sich die Café-Shop-Kombi an der Moserstraße auch bestens an. Am Samstag, 19. Oktober, werden die Orange Originals-Weine willkommen geheißen. Es wird ein Weinregal mit 25 Weinen geben. Axel wird selbst immer mittwochs von 18 bis 20 Uhr da sein. Einmal im Monat ist eine Weinprobe der etwas anderen Art geplant. Stay tuned.

Café Silberknie

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