Stadtkinder über ihre Stadt: Anja Böhringer

Stuttgart, für immer erste Liebe? In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City lieben – und was sie richtig nervt. Diesmal mit Anja Böhringer, Zuckerwatten-Fee und Food-Bloggerin.

Stuttgart – Anja Böhringer kreiert seit 2017 – nicht nur auf Hochzeiten – bunte Zuckerwatten-Spektakel und hat sich diesen augenscheinlich angepasst – auch sie kommt locker leicht und zuckersüß daher. Mit einem Lächeln auf den Lippen berichtet der selbsternannte Girlboss von dem, was sie so tut und all ihren Jobs. Ja, es sind mehrere. Und tut so, als wäre all das noch nicht genug. „Da muss noch mehr kommen!“ Aha. Wahrscheinlich ist ihr der Zuckerschock zu Kopf gestiegen. Denn beim gemeinsamen Zurückblicken fällt eines auf: Die 30-Jährige hat wirklich schon überall mitgemischt: Mädchenflohmarkt, Blickfang, „Schöne Bescherung“, Flausch am Stiel und und und…

Durch Zufall zur Zuckerwatte

Die Hochzeitssaison ist gerade am Abklingen, Anja trotzdem oder gerade deshalb on fire. Die letzten Wochenenden war sie wegen ihrem Zuckerwatten-Business „Flausch am Stiel“ komplett ausgebucht, nun muss, kann und will sie schon an ihr zweites Baby die Weihnachtsmesse „Schöne Bescherung“ denken. Eines steht fest: Diese Frau hat offensichtlich ohne Ende Energie.

Nostalgiefieber

Doch wie kam es zum eigenen Zuckerwattenwagen? Durch Zufall. Denn eigentlich wollte sich die Projektleiterin als Weddingplanner versuchen. Durch eine kurzfristige Zusage auf einer Hochzeitsmesse bekam sie einen eigenen Stand, kreierte innerhalb einer Woche Branding, Homepage und Auftritt – und brachte als Goodie eine kleine Zuckerwatten-Maschine mit, die besser als alles andere ankam. „Die Leute wollte mich sofort buchen, also habe ich ein Business draus gemacht.“

Und heute steht Anja zum Sektempfang, meist direkt nach der Trauung, mit ihrem  Zuckerwatten-Wagen als buntes Bonbon der Marke „Nice-to-Have“ parat – und bespaßt die Hochzeitsgesellschaft. „Was ich an meinem Job wirklich liebe, ist dass du die Menschen mit so etwas Einfachem wie Zucker glücklich machen kannst“, freut sich die Jung-Unternehmerin. Die Leute fahren drauf ab, wahrscheinlich auch, weil die Zuckerwatte der 30-Jährigen anders, bunt und mit Geschmack daherkommt.

Der Plan für nächstes Jahr: Erweitern – mit mehreren Wägen und Aushilfen! Um neue Sorten will sie sich kümmern, mit dem Vater neue Wägen konzipieren – „und Papa wollte gleich in Serie gehen“, berichtet Anja lachend.

One-Woman-Show

Die Passion für ein eigenes Business und Events wurde übrigens durch den Mädchenflohmarkt im Jahr 2010 geweckt. „Ich liebe es, anderen Menschen eine schöne Zeit zu bescheren, egal in welcher Variante.“ Diese Erkenntnis habe sie dazu gebracht, ihren kaufmännischen Job an den Nagel zu hängen und bei der Messe Blickfang als Praktikantin anzufangen. „Dort bin ich dann relativ schnell in die Projektleitung mit eingestiegen.“ Nach zwei Jahren kam sie mit Blickfang-Boss und Mentor Dieter Hofmann auf die Idee, eine eigene Messe zu machen – „und dafür haben wir das Thema Weihnachten ausgewählt und die Schöne Bescherung ins Leben gerufen.“  Anja machte sich selbstständig und rockt die Messe – neben Flausch am Stiel – seit drei Jahren komplett alleine – in einer One-Woman-Show. Dem Blickfang-Kosmos blieb sie somit treu, auch weil man sich ein Büro in Marienplatz-Nähe teile.

Foto (oben): Ana Fernweh

Fotos (unten): Yessica Baur Fotografie

Hallo Winnenden!

Ja, der Süden ist Anjas Ding. Doch sie wohnt mittlerweile liebend gern in Winnenden. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden und ich genieße es total.“ Genauso freue sie sich jeden Tag nach Stuttgart reinzufahren, sie habe dort ihr Büro und ihre Base. „Mein Leben spielt sich schon hauptsächlich in Stuttgart ab, aber in Winnenden kann ich super runterkommen – ich mag den Kontrast.“ Aufgewachsen ist Anja übrigens in Korb, wohnte später am Stöckach und Erwin-Schöttle-Platz und tanzte die Nächte durch im Kellerklub und Rocker 33. Und was verspricht der Blick in die Zukunft?

Eigene Zuckerwatten-Kreationen by Flausch am Stiel

Foto: Ana Fernweh

Wie oben beschrieben soll das Zuckerwatten-Business ausgeweitet werden. „Flausch im Glas“ als Gastgeschenk sei ganz neu dabei. „Der nächste Schritt sind mehrere Wägen und Aushilfen, aber auch ein Foodtruck, weil ich Bock habe, mehrere Zielgruppen anzusprechen.“

Da würde es dann nicht nur Zuckerwatte mit natürlichen Aromen geben, sondern Sekt mit Zuckerwatte, Donuts mit Zuckerwatte. „Die Zuckerwatte ist dann das Bindeglied, in Verbindung mit anderen coolen Lebensmitteln.“ Dies sei einfach für die Zukunft die beste Lösung.

Mit ihrem ersten Blog, einem Mode-Musik-Blog, hatte Anja unter anderem Trends analysiert und den Mädchenflohmarkt mitbegründet. Heute will sie auf Pastellista – einer Mischung aus privatem Account und Food-Blog – vegane Alternativen aufzeigen. Und schon im Frühjahr 2019 sollen vegane Dinner-Events folgen.

Vorstadt – Stadt – Vorstadt

Wo wohnst du heute? Winnenden

Was gefällt dir an dieser Ecke besonders, was eher weniger? Ich brauche den Kontrast zwischen Stadt und Vorstadt. Im Rems-Murr-Kreis fühle ich mich einfach wohl, schätze jedoch jeden Tag, an dem ich ins Office fahre und an meinem Ziel Marienplatz zuallererst den Fernsehturm mit einem breiten Grinsen begrüße.

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Happy Sunday lovely peeps 🌸 Was treibt ihr heute so? Ich war die letzten Tage ziemlich eingespannt mit @flauschamstiel (die Hochzeits-Saison 💍läuft auch Hochtouren 😍) und treffe mich heute noch mit ein paar guten Freunden, da nächste Woche die Urlaubswelle startet und ich den ein oder anderen gerne davor sehen möchte. Für alle Senflovers da draußen habe ich heute ein super easy Rezept mit lecker Bohnen und Kartoffeln 😋 Wertvolle Mineralien und gute Kohlenhydrate in einem Rezept vereint: love it! ☀️ . 🌱 Zutaten für 2 Personen: 8 kleine bis mittlere Kartoffeln 3 handvoll Bohnen 1/2 Tofu 2 Zwiebeln Knoblauchpulver Pommes Frites Salz (Ostmann) scharfes Paprikapulver 2 gehäufte Esslöffel Senf 3 Esslöffel Wasser frische Kräuter . 🗒 Zubereitung: Die Kartoffeln in Salzwasser für ca. 20 min. kochen. Die Bohnen gründlich waschen, an den Enden eventuelle Stiele abschneiden und in einen Topf mit kochend heißem Salzwasser geben. Ca. 15 min. köcheln lassen. Währenddessen die Zwiebeln schneiden und in einer Pfanne mit etwas Öl scharf anbraten (gerne so, dass sie etwas braun sind und Röstaroma entwickeln) und den gewürfelten Tofu hinzugeben. In der Zwischenzeit mischt ihr den Senf in einer Schüssel mit dem Wasser und würzt die Sauce nach Belieben. Ich habe noch scharfes Paprikapulver, Salz, Pfeffer und frische Kräuter dazu gegeben. Alles gemeinsam anrichten und genießen 🍲💕✨

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Stuttgart hat mich so genommen wie ich war!

Wann, wo und wie hast du dich in Stuttgart verliebt? Ich bin in Korb aufgewachsen und die Liebe zu Stuttgart ist bereits in der Kindheit entfacht. Bei den Ausflügen in die „große“ Stadt fühlte ich mich richtig wohl und habe den Entschluss gefasst: Wenn ich mal groß bin, will ich in unsere Landeshauptstadt ziehen! So richtig verliebt habe ich mich, als ich als 18-Jährige jedes Wochenende im Kellerklub zur Indiemucke abgegangen bin. Und natürlich einmal im Monat im Rocker33. Ich schwamm schon damals gegen den Strom und in der Stadt schaute man mich nicht wegen meiner neuen Skinny Jeans schräg an. (Ja, damals war es verpönt, dass man die Schuhe sieht…) Stuttgart hat mich einfach so genommen, wie ich bin. Da hat es Boom gemacht.

Wo ist deine Hood, wo hängst du am liebsten rum? Meine Hood ist definitiv der Süden. Am Marienplatz gibt es die beste Pizza der Stadt, den besten Espresso, die tollsten Events und da sich mein Office direkt an der Haltestelle Lehenstraße befindet, bin ich hier fast jeden Tag (außer ich nutze meine Selbstständigkeit bis zum Äußersten und bleibe einfach mal vier Wochen Zuhause). Zudem ist man super schnell zu Fuß in der Stadtmitte und die Menschen sind hier einfach so toll.

Wo ist Stuttgart am schönsten? Am Marienplatz, auf der Karlshöhe, im Park bei der Oper und bei der Fahrt auf der B14 in die Stadt rein, wenn sie sich im schönsten Morgenlicht zeigt.

Wo am hässlichsten? Theo, Königstraße. Ich hasse große Shoppingmeilen mit 0815-Produkten. Alle konsumieren ohne nachzudenken und steuern wie Roboter von einem Laden zum nächsten. Auf der Theo ist eben der Schlag Mensch, der auf Prollos und Fake-Attitude steht – nicht mein Fall.

Und wo ist Stuttgart am süßesten? Im Zimt & Zucker – das detailreich eingerichtete Café hat immer vegane Kuchen im Sortiment.

Vegane Alternativen = Romantik

Ein Geheimtipp, den du ausnahmsweise mit uns teilst: Espresso Tonic im Taraba im Osten – super yummie, toller Service und wunderschön eingerichtet.

Welchen Ort wählst du für ein romantisches Date? Ui, ich war nie der Date-Typ und nach siebeneinhalb Jahren Beziehung macht man so etwas nicht mehr…haha! Mein Freund und ich testen immer wieder neue Cafés und Restaurants aus, die vegane Alternativen anbieten. Das ist dann wohl unsere Definition von Romantik…

Wie reagierst du, wenn jemand sagt, die Stadt sei hässlich? Derjenige war dann noch nicht mit mir unterwegs!

Dein Lieblingsrestaurant? Das Claus. Nur zehn Gehminuten von meinem Büro und dem Marienpatz entfernt – leckere, vegane Alternativen (meine Empfehlung: Stulle Ciao Bella ohne Parmesan) und das beste Eis der Stadt!

Deine Lieblingskneipe? Das L.A. Ist zwar ein Restaurant, aber ich liebe den Trubel, die immer freundlichen, wenn auch manchmal verpeilten Bedienungen und den tollen Flair aufgrund all der schönen Menschen.

Welches Geschmackserlebnis im Kessel verbindest du besonders mit deiner Kindheit? Die dicken Waffeln im Super Jami. Geburtstagskuchen war mir zu langweilig, also gab es immer an meinem Kindergeburtstag Waffeln mit Sahne und frischen Erdbeeren, gepaart mit Sackhüpfen, Hindernisslauf und Fotosession mit meinen Freunden. Hätte es damals schon Instagram gegeben ;).

Dieser Stadt fehlt Optimismus!

Wo bist du am öftesten abgestürzt? Im Kellerklub!

Wo gibt‘s die besten Konzerte? Puh, schwierig. Mir ist es eigentlich egal, wo das Konzert stattfindet, Hauptsache die Band passt. Vorzugsweise eher kleinere Locations, wie das Club Cann oder das Merlin.

Wo hängst du im Herbst am liebsten ab? Dank Klimawandel dürfen wir uns auf einen goldenen Herbst freuen, daher genieße ich den für mich sehr stressigen Herbst am liebsten mit einem Radler am Feuersee. Die meiste Zeit hänge ich im Büro rum, da mein alljährliches Event, die „Schöne Bescherung“, Anfang Dezember stattfindet und es hierfür viel zu tun gibt.

Was fehlt dieser Stadt am meisten? Optimismus und an manchen Ecken eine große Portion Freundlichkeit!

Was würdest du sofort ändern, wenn du OB wärst? Verhindern, dass coole roughe Locations nicht gleich abgerissen werden, sondern man lieber renoviert und sie als alternative Veranstaltungsorte genutzt werden können.

Was wolltest du in Stuttgart immer schon mal machen, hast es aber noch nie geschafft? Eine Stäffeleswanderung! Die meisten werden von mir nur zum Mittel zum Zweck genutzt, aber ich würde liebend gerne die einzelnen Geschichten dahinter hören und das in einer angenehmen Gruppe.

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