Stadtkind Buch-Tipps für den Sommer

Der Sommer ist da. Und damit euch am Pool, am Strand oder auf der Fahrt in den Urlaub nicht langweilig wird, präsentieren wir euch heute die Stadtkind-Sommerlektüre. Viel Spaß beim Lesen!

Stuttgart – Es ist Sommer. Und für uns Stuttgarter heißt das: Sonne, Freibad, Schorle, Urlaub – oder auch einfach nur Dauerregen. Doch egal bei welcher Wetterlage: lesen geht immer! Abtauchen in eine andere Welt, in viele unterschiedliche Geschichten. Und das alles ganz ohne Likes und Newsfeeds – die Zeit einfach mal offline verbringen. Für viele ist das Erholung pur. Welche Bücher von uns Stadtkindern highly recommended sind, das erfahrt ihr heute in unseren Stadtkind Buch-Tipps für den Sommer 2019.

Diese Bücher lesen die Stadtkinder

Ob wilde Odyssee durch Berlin, skurrile Kurzgeschichten oder packende Dramen, ob laut, leise oder einfach nur informativ – diese Bücher landen bei uns Stadtkindern im Gepäck:

Thriller/Drama

Foto: Hanser Literaturverlage

Idaho – Emily Ruskovich

Ein heißer Sommertag im Hinterland in Idaho. Wade, seine Frau Jenny und ihre beiden Töchter sind zusammen im Wald, um Brennholz für den bevorstehenden Winter zu holen. Ein erst friedliches und idyllisches Bild – das von jetzt auf gleich durch eine schreckliche Tragödie zerstört wird. Während Jenny zu lebenslanger Haft verurteilt wird, verliert Wade – an Alzheimer leidend – nach und nach jegliche Erinnerung an die furchtbaren Geschehnisse. Seine neue Frau Ann, die zu Wade in das abgelegene Haus in den Bergen zieht, erfährt Jahre später nach und nach von der Tat und versucht die Ereignisse zu rekonstruieren und zu verstehen.

Eine beklemmende Gesichte über das Schicksal, Verlust und die große Frage nach dem Warum. Auch wenn einzelne Handlungsstränge manchmal im Sande verlaufen zu scheinen, fesselt Emily Ruskovich den Leser mit ihrer Geschichte über Wade und seine Familie. Und – ähnlich wie Ann – möchte man selbst auch einfach nur verstehen, warum diese eigentlich glückliche Familie so brutal zerstört wurde. (Joachim Baier) 

Drama

Foto: Diogenes Verlag

Spinner – Benedict Wells 

Jesper Lier ist Anfang 20 und frisch von München nach Berlin gezogen. Dort wohnt er in einer Kellerwohnung, in der er mehr oder weniger erfolgreich an seinem Roman „Der Leidensgenosse“ schreibt. Und auch sonst könnte es in Jespers Leben besser laufen. Die Familienverhältnisse sind schwierig, in der Liebe hat er auch kein Glück und schlafen kann er schon eine ganze Weile nur noch mit Hilfe von Schlaftabletten. So kann es nicht weiter gehen! Das weiß auch Jesper und will sein Leben von nun an radikal ändern. Zusammen mit seinen Freunden Gustav und Frank erlebt Jesper eine wilde Odyssee durch Berlin, die ihm so manches abverlangt und mehr und mehr die Augen öffnet.

Benedict Wells ist für mich einer der besten deutschen Autoren überhaupt. Keiner erzählt Geschichten aus dem Leben so gut wie er. Das muss man einfach mal so sagen! So auch in „Spinner“, welcher sein zweiter Roman war und bereits vor 10 Jahren erschienen ist. Trotzdem bleibt die Geschichte über das Leben, Freundschaft und die Liebe hochaktuell – ist traurig, witzig und kurzweilig zugleich. Auch 2019 eine absolute Empfehlung von mir. (Joachim Baier) 

Drama

Foto: Heyne Verlag

Die Farbe von Milch – Nell Leyshon

Mary ist ein englisches Bauernmädchen im 19. Jahrhundert. Sie hat immer nur auf dem Bauernhof ihrer Eltern gearbeitet, kam noch nie aus dem Dorf raus. Eine Schule hat sie noch nie von innen gesehen – lesen und schreiben braucht man für die körperliche Arbeit auf dem Feld nicht. Doch als der Pfarrer ihren Vater bittet, dass Mary in Zukunft seine kranke Frau pflegt, ändert sich alles. Mary muss im Haus des Pfarrers wohnen und sich schön kleiden, wo sie doch zuvor nur ein einziges Kleid besaß. Der Pfarrer lehrt sie das ABC und so schreibt sie ihre Geschichte auf – die eine Wendung nimmt, als die Frau des Pfarrers verstirbt.

Besonders ergriffen hat mich diese Geschichte, weil sie so authentisch erzählt wurde: Marys Sprache ist ehrlich, klar und sie zeichnet durch ihre Sprache ein Bild von sich selbst, ohne sich klar zu charakterisieren. Auch wenn mich das Fehlen von Kommas manchmal etwas aufgewühlt hat (ehemalige Germanistik-Studentin, würde gerne den roten Stift zücken), empfand ich die Art, wie es geschrieben wurde, als einzigartig. Ganz zu schweigen von der Geschichte – obwohl diese vor mehr als hundert Jahren spielt, ist sie heute genauso aktuell. Ich habe das Buch in einem einzigen Tag verschlungen und hätte mir gewünscht, es hätte mehr als die 200 Seiten gehabt. Ich hätte es wahrscheinlich auch an einem Tag gelesen, wenn die Geschichte auf 500 Seiten erzählt worden wäre – man kann es nicht beiseite legen. (Eileen Breuer)

Sachbuch

Foto: Simon + Schuster UK

The Soul of an Octopus – Sy Montgomery 

Ich bin fasziniert von Kraken. Würde ja schreiben „besessen von“, aber das klingt so ungesund. Also fasziniert. Von Kraken. Von Wesen mit drei Herzen also, von Wesen, deren Gehirn sich durch ihren ganzen Körper schlängelt und die ihre Farbe schneller ändern können als das Wetter umschlägt.

Sy Montgomery teilt meine Faszination. In „The Soul of an Octopus“ ergründet sie die Intelligenz, das Leben und die Seele dieser wunderbaren, wundersamen Tiere. Hin und wieder ein klein wenig zu esoterisch-christlich, aber überwiegend packend, bewegend und verdammt verblüffend. (Björn Springorum) 

Kurzgeschichten

Foto: Rowohlt Verlag

Das Teemännchen – Heinz Strunk 

Heinz Strunk erzählt Geschichten. Mal kurz, mal lang und manchmal auch nur über ein paar Zeilen verteilt. „Das Teemännchen“ ist kein klassisches Buch, sondern eher eine Aneinanderreihung verschiedener Storys – und diese sind extrem unterhaltsam. Und wer Heinz Strunk kennt, der weiß, dass seine Erzählungen ungeschönt, grotesk und voller Sarkasmus sind. Geschichten aus dem Leben – oder zumindest wie sie sein könnten. Axl Rose stürzt auf dem Hamburger Kiez so richtig ab, eine Schönheitskönigin wird eins mit einer stinkenden Frittenbude und Geschäftsleute auf Reisen sollte man wirklich nicht beneiden. Dies und weitere Kurzgeschichten werden in „Das Teemännchen“ erzählt.

Wie gesagt, es ist kein klassisches Buch, man muss Kurzgeschichten mögen und Heinz Strunks Sinn für Humor verstehen. Wer dies tut, wird mit „Das Teemännchen“ großen Spaß haben. Ich habe oft sehr gelacht. Und manchmal war ich auch einfach nur irritiert. Aber so ist Strunk eben! (Joachim Baier) 

Titelfoto: Unsplash/Rachel Lees

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