Sozial-
unternehmer gründen im Social Impact Lab

Junge Menschen gründen Unternehmen mit dem Sozialaspekt im Fokus. Hilfe bekommen sie dabei vom Social Impact Lab.

Stuttgart – Auf dem Gelände der Merz Akademie, in einem der unverschämt hübschen Backsteinhäusern, hat seit Januar 2017 das Social Impact Lab Stuttgart sein Zuhause gefunden. Was, auf Social folgt nicht immer Media? Nein, in diesem Fall glücklicherweise nicht. Denn die Frage nach dem sozialen Einfluss stellt sich der Macher der Social Impact gGmbH schon seit den Neunzigerjahren.

1994 gründete Norbert Kunz seine Agentur für Soziale Innovation in Berlin. „Wir wollen die Leute unterstützen, die auch rechts und links schauen wollen“, sagte er einmal in einem Podcast. Wie auch beim Gründen eines Social Business begann für Norbert Kunz alles mit einer Problematik, die er lösen wollte. Er hatte schon immer ein Problem damit, dass gängige Unternehmen maximalen Gewinn für wenige Menschen generieren. Arbeit, die sich nur für wenige auszahlt.

Seine Agentur konzentriert sich seit über 20 Jahren auf Social Startups und seit Anfang vergangenen Jahres auch in Stuttgart. Doch was genau passiert eigentlich im Social Impact Lab?

„Wir unterstützen Leute von der Idee bis zur Gründung.“

Benjamin Klein ist offiziell Community Manager des Labs. Inoffiziell lässt sich seine Jobbeschreibung kaum in nur eine Schublade stecken. Er organisiert Workshops, unterstützt die Stipendiaten nach Kräften und schafft aus vielen Einzelkämpfern ein Team. Denn von einem großen Netzwerk profitieren am Ende alle.

Aktuell sitzt der dritte Jahrgang in den Räumen des Labs. Zugang dazu bekommt man nur über ein Stipendium – je nach Fokus, bieten sich unterschiedliche an wie das Wirkungsschaffer- oder das Ankommen-Stipendium.

Das Stipendium beläuft sich auf acht Monate und ist nicht monetärer Art. Statt Lohn erhält man aber Arbeitsraum, Know-how und Kontakte – die Dreifaltigkeit des Social Business. Das Team im Lab Stuttgart organisiert Workshops zu den unterschiedlichsten Themen. So lernen die jungen Gründer alles Wissenswerte über Finanzplanung, Wettbewerbseinreichung, Crowdfunding und Marketing. Zudem haben sie Ansprechpartner aus dem Steuer- und juristischen Bereich. Und sie erhalten Einzelcoachings, individuell angepasst an ihre Bedürfnisse.

„Da ist kontinuierliche Motivation da.“

Ziel nach den acht Monaten ist natürlich die Gründung. Aber nicht auf Biegen und Brechen. Im Unterschied zu Non-Profit-Organisationen ist hier auch die finanzielle Unabhängigkeit ein Ziel. Unternehmen hervorzubringen, die autark sind und sich selber tragen. Anders als das Lab selber, das mit der Vector Stiftung, der Caritas und der Karl Schlecht Stiftung auf lokale Unterstützer zurück greifen kann.

Die Social Impact Labs sind das Richtige für Menschen, die ein soziales Problem unternehmerisch lösen möchten. So beginnt es meistens auch nicht mit einer Idee für ein Unternehmen, sondern mit einem Problem, vor das man gestellt wird. Oft sind das persönliche Erlebnisse. So entstanden die Ideen für The Female Company oder Kipepeo auch auf Reisen der Gründer.

Beim Lösungsansatz ist der kleinste gemeinsame Nenner immer das Geld. Deswegen werden von den Gründern Ideen entwickelt, wie man dieses Geld generieren kann, am besten im direkten Zusammenhang mit der Problemlösung. Ein Beispiel: Quartiermeister aus dem Social Impact Lab in Berlin braut Bier bei lokalen Brauereien. Dieses Bier wird verkauft und der Erlös fließt in ein soziales Projekt in dem jeweiligen Kiez. A circle of life, wie schon Elton John zu sagen wusste. Weitere bekannte Absolventen aus den Social Impact Labs sind beispielsweise das Original Unverpackt oder Conflict Food.

„Die Teilnehmer pitchen nicht gegeneinander, jeder pitcht für sich.“

Aktuell kann man sich wieder für einen neuen Jahrgang bewerben, die Frist geht noch bis zum 2. September. Alles, was man für eine Bewerbung braucht, ist ein identifiziertes Problem und eine Idee, eben dieses Problem mit unternehmerischen Mitteln zu lösen. Die Bewerbung wird online eingereicht. Überzeugende Bewerber werden zu einer ganztägigen Pitch-Werkstatt eingeladen. Dabei überarbeiten die Bewerber ihre Ideen und unterziehen sie einem Feinschliff. Besonders hilfreich hier ist auch das ehrliche Feedback der Mitbewerber. „Der Kooperationsgedanke ist schon sehr essentiell“, weiß Benjamin Klein und das ist schon das erste Learning während der Bewerbungsphase. Die überarbeiteten Bewerbungen werden dann vor der Jury präsentiert, die die Gewinner auswählt.

Wer selber mit dem Gedanken spielt zu gründen, oder in ersten Ansätzen eine Idee hat, der kann auch erst Mal einen Blick hinein werfen. Die Pitches sind öffentlich, die Termine dafür finden sich auf der Homepage.

Sogar in einer Stadt wie Stuttgart, die geprägt ist von großen Unternehmen, Reihenhäuschen-Zielsetzung und finanzieller Sicherheit, finden Arbeitsmodelle jenseits der gängigen Route immer mehr Anklang. Das beobachten auch die Macher des Social Impact Labs. „Den Leuten muss nur bewusst werden, dass man auch kreativ arbeiten kann“, sagt er. „Und dass es Alternativen zu einer Festanstellung gibt.“

Mehr aus dem Web