Soulkitchen mit Tara Hariri: Persisch kochen nach Papas Familienrezept

Nicht nur kulturell, auch kulinarisch blickt Tara Hariri gerne über den sagenumwobenen Tellerrand. Auf Reisen sammelt sie neben sonstigen Eindrücken vor allem eines: Inspiration für neue Rezepte. In unserer Soulkitchen verrät uns die Architektin mit persischen Wurzeln ein Gericht, bei dessen Anblick euch das Magenknurren so sicher ist wie der Safran im Duftreis.

Stuttgart – Für Tara Hariri ist kochen alles andere als ein Mittel zum Zweck. Es ist eine Leidenschaft, die die 27-Jährige so oft wie nur möglich zelebriert. Angefangen bei einem Besuch auf dem Markt über die Auswahl frischer Produkte bis hin zur Verarbeitung: Tara genießt nicht nur das, was am Ende auf den Tisch kommt, sondern auch den Weg dorthin.

From Teheran with love

Ihre Begeisterung für das Kochen verdankt Tara ihrem Vater. Dieser fungierte sozusagen als kulinarischer Türöffner und führte sie vor allem an die persische Küche heran. „Mein Baba hat immer schon leidenschaftlich gerne gekocht und mich damit angesteckt. Aber ich muss auch sagen, dass ich das Kochen erst so richtig für mich entdeckt habe, als ich von Zuhause ausgezogen bin“, verrät Tara.

„Da habe ich dann auch angefangen, mich mit meiner Ernährung auseinanderzusetzen und mir Fragen wie ‚Was füge ich mir eigentlich zu?‘ zu stellen.“ Trotz allem, betont Tara, möge sie es nicht, wenn man Menschen hinsichtlich ihrer Essgewohnheiten kategorisiere. „Ich habe mich intensiv mit dem Thema Ernährung beschäftigt und esse einfach, was mir guttut, ohne anderen meine Einstellung unter die Nase zu reiben oder sie gar davon überzeugen zu wollen. Ich möchte einfach Spaß am Kochen und Essen haben.“

Kultur & Kulinarik abseits des Kessels  

Inspiration für die eigenen vier Wände und Herdplatten findet Tara oftmals auf Reisen. „Ich finde es super spannend, kulturelle und kulinarische Einflüsse zu sammeln und verschiedenste Arten der Zubereitung kennenzulernen, traditionelle Gerichte zu entdecken oder sie neu zu interpretieren“, erzählt Tara. In Russland habe sie beispielsweise einen Karottensalat probiert, den sie seither versuche zu perfektionieren: „Ich habe ihn bestimmt schon tausendmal gemacht und komme mittlerweile schon nah an das Original ran, aber es ist natürlich nie so, wie wenn du ihn vor Ort von einer Babuschka isst.“

Mindestens einmal im Jahr trifft man die 27-Jährige außerdem auf Geschmacksexkursion in ihrer großen Liebe: Italien. „Ich habe 2014 mein Auslandssemester in Rom gemacht, mich sofort verliebt und mich auch später immer weiter reingesteigert, in diese Italienliebe“, bekennt Tara und lacht. Nicht nur die große Vielfalt an typischen, regionalen Spezialitäten zogen Tara damals in ihren Bann, sondern auch die großartige Architektur: „Sobald man anfängt Architektur zu studieren, sieht man alles in einem ganz neuen Kontext und da war Italien für mich das schönste Selbststudium. Ich bin wirklich jeden Tag spazieren gegangen, habe mir jede Basilika angeschaut und meiner Meinung nach auf diese Weise mehr gelernt, als ich in jedem Architekturbüro hätte lernen können.“

Unterwegs mit officialtariri

Wer Tara gerne mal einen Blick über die Schulter werfen möchte, kann dies hier tun. Neben Reisen und jeder Menge Selbstironie erwartet euch natürlich auch auf Instagram die ein oder andere Köstlichkeit à la Tara Hariri. Was euch nicht erwartet, ist ein klassischer Rezeptfeed mit genauen Mengenangaben oder Schritt für Schritt Anleitungen. Vielmehr versucht Tara mit ihren Stories einen Einblick in ihren Alltag und ihre Kochroutine zu geben.

Rezept für dicke persische Kräutersuppe nach Babas Art: Ash Reshteh

Ash Reshteh begleitet mich seit ich denken und schmecken kann. Ich habe dieses Rezept von meinem Vater, dem ich meine Kochleidenschaft zu verdanken habe, gelernt. In unserer Familie ist er der Chefkoch. Ash Reshteh lässt sich eigentlich das ganze Jahr über genießen, doch im kalten Winter mag ich sie am liebsten. Der Geschmack ist aufgrund der vielen Kräuter und Gewürze sehr komplex und aromatisch. Diese dicke Suppe eignet sich auch hervorragend als Hauptspeise. Persische Zutaten kaufe ich meist im Aria Markt an der Christophstraße 26.

Vorbereitungszeit: 20 Minuten + eine Nacht vorher die Hülsenfrüchte einweichen
Kochzeit ca. zwei Stunden

Zutaten:
100g  Kichererbsen, getrocknet
100g  Bohnen, getrocknet (klassische Fagiolo- oder Wachtelbohnen)
50g    Linsen, getrocknet
3-4    EL neutrales Öl (Sonnenblumenöl, Rapsöl)
1         große Zwiebel
3-5      Knoblauchzehen
2EL    Kurkuma
500g   frischer Spinat, gehackt
1         Bund Petersilie, fein gehackt
1         Bund Dill, feingehackt
1         Bund Koriander, feingehackt
5-7      Frühlingszwiebeln, feingehackt (nur den grünen Teil)
160g   iranische Bandnudeln (Reshteh Nudeln für Ash) gibt es im persischen Supermarkt, alternativ feine Bandnudeln ohne Ei
230g Kashk (getrockneter Jogurt, gibt es auch im persischen Supermarkt), alternativ: jede andere Form von Joghurt (z.B. Sojajoghurt)

500ml Wasser
150ml Weißwein (Familienrezeptur und nicht traditionell)
Salz, Pfeffer, Kurkuma nach Geschmack

Zum Garnieren:
3-4 EL  neutrales Öl (Sonnenblumenöl, Rapsöl)
1       mittlere Zwiebel
4EL    Nanaminze
1EL    Kurkuma
1TL    Safranfäden

Und so gehts:
Einen Tag vorher die Hülsenfrüchte in Wasser einweichen. Bei Zeitdruck kann man natürlich auch die Hülsenfrüchte aus dem Glas/der Dose verwenden. Das Wasser sollte in den 24 Stunden zwei mal abgeschüttet und neu nachgefüllt werden.

Schritt 1:
Die große Zwiebel fein hacken und in 3-4 EL Öl bei mittlerer Stufe ca. 8 Minuten glasig anbraten. Den Knoblauch und die Kurkuma hinzufügen und darauf achten, dass der Knoblauch nicht verbrennt.

In unserer Familie (vor allem mein Baba) löschen wir das Zwiebel-, Knoblauch-, Kurkumagemisch mit etwas Weißwein ab. Natürlich ist das nicht die traditionelle Art, es gibt dem Ganzen jedoch einen komplexeren Geschmack.

Schritt 2:
Die in Wasser eingeweichten Hülsenfrüchte abgießen, waschen und in den Topf hinzufügen. Mit Wasser aufgießen, sodass sie ca. 2cm damit überdeckt werden. Großzügig mit Salz und Pfeffer würzen, den Deckel drauf machen und für eine Stunde bei niedriger Temperatur köcheln lassen.

Schritt 3:
In der Zwischenzeit den Spinat, die Petersilie, den Dill, den Koriander und die Frühlingszwiebeln fein hacken.

Nach einer Stunde sollten die Hülsenfrüchte so gut wie gar sein. Die gehackten Kräuter hinzufügen und ca. 20 Minuten mitköcheln lassen.

Schritt 4:
Anschließend die Reshteh Bandnudeln vierteln und der Suppe hinzufügen. Bei Bedarf mit Wasser verdünnen. Die Reshteh Nudeln benötigen ca. 20 Minuten bei niedriger Temperatur. Kurz vor dem Servieren Kashk/frischen Jogurt unterrühren und nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Schritt 5 zum Garnieren:
Eine mittlere Zwiebel in 2 EL Öl, Salz und 1 EL Kurkuma goldbraun braten und bereitstellen.

Im restlichen Öl 2 EL getrocknete Nanaminze bei niedriger Temperatur ca. 3-4 Minuten anbraten, um das Aroma zu intensivieren. Das Öl sollte sich dabei grün färben.

Anrichten:
Die dicke Suppe in einer flachen Schüssel anrichten und mit einem großzügigen Löffel Kashk/Jogurt, den goldbraunen Zwiebeln, dem Nanaminzöl, getrockneter Nanaminze und einigen Safranfäden garnieren.

Nush-e jan – Guten Appetit!