Soulkitchen mit Oma Karin:
Gaisburger Marsch

Gaisburger Marsch ist die Antwort des Kessels auf Phở, Minestrone und Bouillabaisse. Damit ihr nie wieder auf den schwäbischen Klassiker verzichten müsst, hat die Oma unserer Autorin für uns im Rezeptbuch geblättert. Sie verrät euch, wie ihr euer liebstes Comfort-Food selbst zubereitet. Also nichts wie ran an den Herd!

Stuttgart – Nicht nur das nasse Kalt außerhalb unserer warmen vier Wände hält uns manchmal davon ab, abends auf Pizza und Vino bei unserem Lieblingsitaliener vorbeizuschauen. Auch die Dunkelheit liegt uns an trüben Tagen schwer im Magen. Statt uns ins schönste Dress zu werfen und zu stylen, liegen auf dem Stuhl schon Jogginghose und dicke Socken bereit. Doch wer versorgt uns nun mit Soul Food? Ganz easy: wir selbst! Denn nicht nur unsere liebsten Restaurants haben Köstlichkeiten für die Seele parat. Auch unsere WG-Küche gibt so einiges her. Und weil der goldene Herbst dieses Jahr noch auf sich warten lässt, wärmen wir uns mit einem leckeren schwäbischen Gericht auf. Der Gaisburger Marsch hat sich nicht nur in unser Herz geschlichen, sondern auch Oma Karin von sich überzeugt. Sie hat für uns Stadtkinder im Kochbuch geblättert und verrät uns heute ihr Rezept für den schwäbischen Klassiker.

Schwäbischer Klassiker für kalte Tage

„Im Winter, wenn es kalt und regnerisch draußen ist, ist Gaisburger Marsch toll“, sagt Stadtkind-Oma Karin. Gerade wegen der leckeren Brühe, wie unsere Stadtkind-Autorin hier schreibt. Die Neigschmeckte Omi kommt ursprünglich aus Thüringen, wohnt jedoch seit jungen Erwachsenenjahren im Kessel. Hier hat sie den Gaisburger Marsch für sich entdeckt. Sie selbst würde das Gericht als Eintopf bezeichnen. „Der Schwabe wohl aber eher nicht. Denn beim Eintopf kommen entweder Nudeln oder Kartoffeln rein.“

„Dass man Kartoffeln mit Spätzle in einem Gericht verheiratet hat, das gibt’s sonst nirgends.“

Oma Karin spielt dabei darauf an, wie Gaisburger Marsch auch manchmal genannt wird, nämlich Verheierte. Für alle Nicht-Schwaben: Das bedeutet so viel wie Verheiratete. Gaisburger Marsch dagegen spielt nicht auf die Zutaten Kartoffeln und Spätzle an, sondern auf den Stuttgarter Stadtteil Gaisburg. Woher aber der Zusatz Marsch kommt, darum ranken sich so einige Mythen.

Um das Gericht aus dem Kessel ranken sich Mythen

Die Webseite „Schmeck den Süden“ führt zwei davon auf: Eine Entstehungsgeschichte lautet, dass im Stadtteil Gaisburg die Offiziersanwärter öfters ein Wirtshaus aufgesucht haben, um den leckeren Eintopf in sich hineinzuschaufeln. Hierfür marschierten sie gemeinsam zum Essen – dem Fußweg verdanke das Gericht seinen Namen. Eine zweite Version besagt, dass die Männer aus Gaisburg in Kriegsgefangenschaft von ihren Ehefrauen einmal täglich mit Essen versorgt worden seien. Dabei vereinten die Frauen in einem Eintopf alle schmackhaften Zutaten der Region und der Gaisburger Marsch war geboren.

Beide Theorien sind aber laut Historiker Ulrich Gohl unwahrscheinlich, wie er der Stuttgarter Zeitung hier verriet. Viel eher ist der Name Gaisburger Marsch auf den durch die Nationalsozialisten eingeführten Eintopfsonntag zurückzuführen. Am jeweils ersten Sonntag eines Wintermonats wurde in Stuttgarter Gaststätten der Gaisburger Marsch aufgetischt. Details findet ihr auch auf der Seite des Museumsvereins Stuttgart-Ost, der der Geschichte des Eintopfs auf den Grund gegangen sind.

Tipps für Sparfüchse und Mealpreper

Vor allem bei frostigen Temperaturen draußen sehnt es uns nach wärmender Hausmannskost aus dem Ländle. Der Eintopf vereint Spätzle, Kartoffeln und Ochsenfleisch. Für Sparfüchse und Mealpreper hat Oma Karin hat ein paar Tipps parat:

  1. Ochsenfleisch ersetzen: Wer ein paar Münzen sparen will, dem empfiehlt Oma Karin, auf falsches Rinderfilet zu setzen. Weil dieses Fleisch aber recht mager ist, gibt Oma Karin Rindersuppenfleisch mit in den Topf: „Damit ein bisschen Fett drin ist. Das dient als natürlicher Geschmacksverstärker“, sagt sie. Vegetarier kochen sich statt der Fleisch- einfach eine Gemüsebrühe.
  2. Fertige Spätzle kaufen: Wer die Spätzle selbst schaben möchte, dem verrät Oma Karin in diesem Artikel, wie es gelingt. Weniger Arbeit machen hingegen fertige Spätzle aus dem Kühlregal. Auch sie greift des Öfteren auf die eingeschweißte Variante zurück, um den Teig nicht selbst durch die Spätzlepresse jagen zu müssen.
  3. Gericht einfrieren: Die Arbeit für den Gaisburger Marsch möchte man sich nicht jeden Tag machen. Oma Karin friert deshalb immer ein paar Portionen ein. „Wenn man viel Brühe gemacht hat, kann man die auch ohne Spätzle und Kartoffeln einfrieren und zum Beispiel für Soßen verwenden.“

Das Gericht gibt euch Zeit für ein Viertele oder die Kehrwoche

Und noch einen Geheimtipp hat Oma Karin parat: In die Suppe gibt sie eine ganze Zwiebel inklusive Schale: „Dann wird die Brühe schön bräunlich.“ Mit so vielen Tipps auf Lager heißt es nun: Ran an den Kochlöffel. Aber plant genug Zeit ein, denn: Die Brühe muss mindestens 1,5 Stunden lang köcheln. In der Zeit könnt ihr aber gemütlich ein Viertele trinken oder mit diesen Profitipps die Kehrwoche erledigen.

Das braucht ihr für Gaisburger Marsch:

  • 500 Gramm falsches Rinderfilet
  • 500 Gramm Rindersuppenfleisch
  • Alternativ: 500 Gramm Ochsenbrust mit Knochen
  • 1 Suppengrün
  • 1 Zwiebel
  • 500 Gramm Kartoffeln
  • 500 Gramm Spätzle
  • 1 Bund Petersilie
  • 2 Liter Wasser
  • 5 Lorbeerblätter
  • Salz und Pfeffer
  • Optional: 2 weitere Zwiebeln und Butter

So bereitet ihr Gaisburger Marsch zu:

  1. Für den Gaisburger Marsch schneidet ihr das Suppengrün in Würfel, die darin enthaltene Petersilie hackt ihr fein. Das Fleisch wascht ihr unter kaltem Wasser ab, lasst es aber noch im Ganzen. Nun füllt ihr einen Topf mit zwei Litern Wasser, gebt die vorbereiteten Zutaten und die Lorbeerblätter hinein und bringt alles zum Kochen. Bei geringer Hitze gart alles für 1,5 Stunden auf dem Herd.
  2. Währenddessen könnt ihr die Kartoffeln schälen und in Würfel schneiden. Außerdem hackt ihr die zusätzlich zum Suppengrün gekaufte Petersilie fein. Wer geschmelzte Zwiebeln feiert, kann sich diese optional ebenfalls zubereiten. Dafür schält ihr eine Zwiebel, schneidet sie in feine Ringe und bratet sie in ordentlich Butter an.
  3. Wenn die Brühe auf dem Herd so weit ist, schöpft ihr mit einem feinen Sieb die oberste Schicht ab. Dann gebt ihr die Kartoffeln ins Wasser und lasst sie für weitere 20 Minuten mitkochen. Sind sie gar, nehmt ihr sie wieder aus der Suppe raus.
  4. Anschließend nehmt ihr das Fleisch aus dem Topf. Das falsche Rinderfilet oder die Ochsenbrust schneidet ihr dann in Würfel und gebt es wieder in die Brühe. Das Suppenfleisch könnt ihr vom Knochen lösen und ebenfalls in die Brühe geben.
  5. Im Anschluss schmeckt ihr die Fleischbrühe mit Salz und Pfeffer ab.
  6. Zum Schluss gebt ihr abwechselnd Spätzle und Kartoffeln in eine Suppenterrine, begießt sie mit der Fleischbrühe und garniert das Gericht mit gehackter Petersilie und optional mit geschmelzten Zwiebeln.

Falls ihr jetzt Hunger auf mehr schwäbisches Comfort-Food habt: Oma Trudel hat uns hier ihr Rezept für Maultaschen verraten. Und auch Oma Karin hat noch einen Klassiker parat: Linsen mit Spätzle. Und nun: Guten Appetit!

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