So wurde ich vom Shopaholic zur nachhaltigen Einkäuferin

Klamottenberge in Umkleidekabinen, Shoppingtouren bis zum Umfallen – so sahen die Wochenenden von Autorin Samra bis vor einem halben Jahr aus. Jetzt lebt sie nachhaltiger. Wie sie das geschafft hat, berichtet sie hier.

Stuttgart – Spätestens in diesem Jahr sind Black Friday und Cyber Monday auch in Deutschland angekommen. Zwei Tage, die allein dem Konsum gewidmet sind – Angebote hier, Angebote da. Plötzlich ist alles wochenlang so viel billiger und so viel besser! Aber ist das wirklich so? Und was ist eigentlich mit Nachhaltigkeit – dem Thema unserer Zeit? Viele wollen bewusster leben, kaufen Secondhand-Klamotten ein oder feiern plastikfreie Shampoos, überall finden sich Tipps, wie der Alltag nachhaltiger gestaltet werden kann. Passt so ein Konsum-Wahnsinn also überhaupt noch ins Jahr 2018?

Minimalismus der 90er Jahre

Bei mir hat es in diesem Jahr irgendwann Klick gemacht. Weshalb, erklärt wahrscheinlich am ehesten der Blick in meine Vergangenheit.

Durch meine Familie hatte ich immer einen gewissen Cultural Backpack auf meinem Rücken zu tragen. Meine Eltern kamen sehr jung nach Deutschland, als im ehemaligen Jugoslawien Krieg war. Nach Deutschland geflohen, lebten sie anfangs bescheiden, bis sie Fuß fassen und eine Arbeit finden konnten. Zum ersten Mal konnten sich meine Eltern etwas leisten. Darauf waren sie stolz.

Mein eigener Kosum begann in der fünften Klasse. Ich machte mir Gedanken darüber, wie ich aussah und wie ich mich gab. Wahrscheinlich typisch für Jugendliche in dem Alter. Ich liebte Mode, dieses Gefühl mit drei Tüten in den Händen nach Hause zu kommen, wenn ich davor mit meiner Familie etliche Stunden in der Stadt verbracht habe. Ich fing an mich durch meinen Konsum zu definieren. Nach der Schule reiste ich viel, versuchte mich selbst zu finden, meine Gedanken zu sammeln und mich anderen Menschen so zu öffnen, wie ich wirklich bin.

Eine Reise brachte den Wandel

Durch meinen Freund rückten die Themen Nachhaltigkeit, bewusstes Leben und Veganismus noch mehr in den Fokus. Mit ihm reiste ich in diesem Jahr schließlich auch nach Georgien. Ein Land, von dem wir beide wenig wussten, von dem wir aber fasziniert waren: von dessen beeindruckender Berg- und Naturlandschaft und von der Phagen-Behandlung, bei der kein Antiobiotika zur Heilung verwendet wird.

Für Backpacker das perfekte Reiseziel: Mestia

Wir entschieden uns vor der Reise dafür zwei Backpacks mitzunehmen. Beide nicht besonders groß, aber ausreichend, wie mein Freund so schön sagte. Ich dagegen macht mir Gedanken, ob wir vielleicht mehr brauchen würden und packte daraufhin mehr ein als geplant. In Georgien wurde uns das zum Verhängnis: Bevor wir auf eine Drei-Tages-Wandertour aufbrachen, entschieden wir uns zur Post zu gehen. Wir legten all die Sachen, die wir selten oder nie angezogen oder benutzt hatten, zusammen und schickten das Paket auf dem schnellsten Weg wieder zurück nach Deutschland.

Das Umdenken startet bei dir

Georgien und die Erkenntnis, dass man viel weniger braucht, brachten die Wende. Wieder Zuhause angekommen recherchierte ich, durchstöberte die Doku-Section auf Netflix und entdeckte dort Filme wie zum Beispiel „The True Cost“ von Andrew Morgan, der das Problem der Fast-Fashion-Industrie erklärt und wie sich unser Konsumverhalten auf die Umwelt auswirkt. Oder auch die Filme „What the Health“ und „Cowspiracy“ von Kip Andersen und Keegan Kuhn, die zeigen, wieso der Klimawandel nicht nur am Co2-Ausstoß des Autos liegt, sondern auch die Landwirtschaft einen Teil dazu beiträgt.

Nach unserer Reise habe ich diese Gedanken in meinen Alttag integriert. Jeder kann einen kleinen Beitrag für die Umwelt leisten. Hier ein paar Tipps:

  • Mistet euren Kleiderschrank aus, schaut, was ihr wirklich anzieht und was seit Monaten nur Staub fängt. Die Klamotten, die ihr wegschmeißen wollt, könnt ihr tauschen und auf Flohmärkten oder Plattformen wie Kleiderkreisel oder Zadaa verkaufen.
  • Holt euer Fahrrad aus dem Keller und fahrt damit in die Stadt, zur Arbeit oder zu Freunden. Und falls es im Winter zu kalt wird, einfach auf Öffentliche umsteigen oder Mitfahrgelegenheiten anbieten.
  • Zum Thema Essen: kauft regional und saisonal ein! Auf den Stuttgarter Wochenmärkten bekommt ihr Obst und Gemüse aus der Region.
  • Ihr müsst nicht unbedingt auf Fleisch verzichten, keine Sorge. Aber versucht doch mal einen fleischlosen Tag in der Woche einzulegen! Die Produktion von einem Kilogramm Fleisch belastet das Klima so stark, wie eine Autofahrt von rund 250 km und verbraucht um die 50.000 Liter Wasser.

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