Sitt Wein in der Tübinger Straße: Auf Knopfdruck Wein

In der Tübinger Straße gibt es eine neue Weinbar, in der 100 offene Weine aus der ganzen Welt getrunken werden können – einmalig in Deutschland ganz einfach auf Knopfdruck und ohne viel Tamtam. Wir haben uns das Sitt Wein mal angeschaut, das Konzept ausprobiert und mit den Betreibern geplaudert.

Stuttgart – Es kommt nicht jeden Tag vor, dass Stuttgart in irgendeiner Sache die erste Stadt in Deutschland ist. Aber wenn, dann so richtig. Beim Fernsehturm zum Beispiel. Sogar der erste der Welt. Oder bei der Mozzarella Bar. Jetzt gibt es mit dem Sitt in der Tübinger Straße auch Deutschlands erste „self-exploring wine experience“. Klingt sperrig, ist aber ein ausgetüfteltes Konzept: Mittels spezieller Technik können die vinophilen Gäste aus 100 Weinen aus aller Welt und in allen Preiskategorien wählen. Einfach so, per Knopfdruck.

Im Sitt gibt’s 100 Weine „by the glass“

Möglich machen das spezielle Klimaschränke, in denen das vollautomatische Ausschanksystem „By the Glass“ integriert ist. Nerd-Wissen praktisch eingestreut: Frischgehalten werden die Weine mit speziellem Argon-Gas, selbst Weiße sind so locker drei Wochen frisch, knackig und haltbar. Brave new world!

Nach Stuttgart (und Deutschland) gebracht hat dieses Konzept Nicolas Sigloch, ein 33-Jähriger Entrepreneur, der nach dem Studium der Weinbetriebswirtschaft in Heilbronn irgendwann als Managing Director von By the Glass International in Asien gelandet ist. Dort entwickelt man die ausgefuchste Ausschanktechnik, die in Nicolas bald schon eine Idee reifen ließ: Warum nicht nach Londoner Vorbild auch mal eine solche Weinbar in Stuttgart eröffnen?

Ehrfurcht ist überbewertet

Nun ist Stuttgart nicht London. Aber eben auch nicht Bitterfeld. Gemeinsam mit seinen beiden Kompagnons Florian Groetzner und Marcel Stifel, die sich um Technik und Marketing kümmern, wagte er also den Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit. Oder den kalten Wein, wenn man beim Thema bleiben will. Das gehen Nicolas und sein Team, das um Marcels Partnerin Roxana Yazdanfar aufgestockt wurde, betont locker an. Wein ist schon lange nicht mehr den selbsternannten Eliten und Gourmets vorbehalten: Wein soll vor allem schmecken und Spaß machen. „Bei uns soll die Ehrfurcht vor dem Thema Wein gar nicht erst entstehen“, stellt Nicolas klar. „Jeder weiß doch selbst, was ihm oder ihr am besten schmeckt. Und bei uns kann man das spielend leicht herausfinden. Man kann sich Wissen anlesen so viel man will: Wenn man nicht selbst probiert, wird man nie herausfinden, was persönlich schmeckt.“

Die Königin der Rebsorten

Schwellenangst überflüssig: Come as you are ist im Sitt das Mantra, getrunken wird, worauf man Lust hat. Beratung bekommt man zwar auch hier. Vor allem aber will die Weinbar dazu einzuladen, selbst auf Weinreise zu gehen, neue Sorten, Winzer oder Anbaugebiete zu entdecken, die man sonst vielleicht noch nicht so auf dem Booze-Radar hatte. 80 der 100 Weine sind aus dem Ausland, einige davon auch aus Übersee.

Das Sitt-Team bei der Arbeit. (Bild: Björn Springorum)

Bei den Deutschen konzentriert sich Nicolas auf den Riesling, vor allem von der Mosel. Für ihn ist das die „Königin der Rebsorten“. „Riesling wird bei uns immer überrepräsentiert sein! Rund ein Drittel der Winzer kenne ich persönlich, der Rest besteht überwiegend aus meinen ganz persönlichen Lieblingen. Wichtig war mir dabei, Wein in seiner ganzen Aromafülle abzubilden“, sagt er.

So kommt man im Sitt an seinen Wein

Regelmäßig soll deswegen durchgewechselt werden, schon jetzt kommt man im Sitt auf 160 verschiedene Weine. Die sind nicht nach Region geordnet, sondern nach Aromatik. Bei weiß, knackig und leicht geht es los und endet bei den fetten, sirupartigen Rotweinen aus Italien und einem eigenen Schrank für Süß- und Dessertweine.

Und so wird im Sitt getrunken: Guthabenkarte holen, in den Klimaschrank stecken und den gewünschten Wein zapfen. Gewählt wird zwischen einem Probierschluck, 75 und 150 Millilitern. Natürlich kann man sich bei Gefallen auch gleich die ganze Flasche an den Tisch kommen lassen, ebenso wie Platten mit Käse und Wurst von ausgewählten regionalen Produzenten und Brot von der Eselsmühle.

Perfekt fürs erste Date

Schon nach zwei Wochen hat dieses Konzept einige Stammgäste etabliert. Und viele weitere Neugierige in die Tübinger Straße gelockt: „Das Publikum ist sehr gemischt“, sagt Marketing-Spezi Marcel. „Vielleicht kommen nicht die ganz Jungen zu uns, aber von Mitte 20 bis Ende offen war schon alles da.“ Bei Sitt Wein treffen Wein-Novizen auf Wein-Experten, viele auch aus der Gastronomie. Außerdem ist die schnieke Weinbar der perfekte Ort für Dates, wie Nicolas sagt: „Die Gesprächsthemen hier gehen nie aus.“ Er grinst. „Einfach perfekt für das erste Tinder-Date.“

Mehr Infos: www.sitt-wein.de

Titelbild: Sitt Wein

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