Single-Kolumne: Sternzeichen vs. Realität

„Sorry, ich bin da halt typisch Fische.“ Nein, das ist nicht typisch Fische, du verhältst dich einfach wie ein Arschloch. Heute schreibt unsere Autorin in der Single-Kolumne über Sternzeichen und Wunschvorstellungen.

Stuttgart – „Wassermann – nein. Oh, Widder – hm, nein.“ Ich sitze auf der Couch meiner Freundin und scrolle mich durch Bumble. Für alle Unwissenden (und Vergebenen): Bumble ist eine Dating-App, auf der Frauen die Initiative ergreifen und Männer anschreiben müssen. In den Profilen können neben Basics wie Rauchgewohnheiten, Haustiere und Kinderwunsch auch wirklich wichtige Dinge – nämlich das Sternzeichen – angegeben werden. Das ist Fluch und Segen zugleich.

Du bist nicht dein Sternzeichen, du bist ein Arschloch

Jetzt kann man das mit dem Sternzeichen als Date-Kriterium bescheuert finden – oder eben einfach konsequent.

Immerhin soll es ja auch Menschen geben, die ausschließlich nach über 1,80 Meter großen Männern mit Bart suchen. Was spricht also dagegen, nach dem Skorpion- oder Fische-Mann in meinem Leben Ausschau zu halten?

Also sitze ich in einer Bar, vor mir eine Weinschorle, neben mir ein Fische-Mann. Und während ich „unauffällig“ versuche, sein Geburtsdatum und den Geburtsort herauszufinden, um seinen Aszendenten auf einem zwielichtigen Portal zu errechnen, während ich kurz auf der Toilette verschwinde, will ich das vielleicht auch gar nicht mehr wissen. Wir verstehen uns nicht. Und damit meine ich nicht wegen der Akustik in der Bar.

Er macht schlechte Witze, meist über seine Kollegen, die ich nicht kenne, findet meinen Job sowieso langweilig und hört mir nicht zu. „Sorry, ich bin da halt typisch Fische“, rechtfertigt er seine „träumerische Abwesenheit“. „Sorry, aber das ist nicht typisch Fische. Du verhältst dich einfach wie ein Arschloch“, antworte ich.

Und nein: Mercury Retrograde ist auch keine Ausrede!

Wunschvorstellungen sind nice, Realität ist nicer

Klar, sollte man offen bleiben und auch anderen – Sternzeichen und Gesichtern ohne Bart – eine Chance geben. Unbedingt sogar. Nur besitzen wir doch alle eine heimliche Wunschvorstellung, der wir gerne nachjagen.

Doch – und das ist der entscheidende Punkt – sollte man diese auch aufgeben können. Denn in der Realität braucht eine Person dann eben doch mehr.

Wunschvorstellungen sind nice-to-have. Was aber noch viel nicer ist: Ein Mensch, der alle Vorstellungen komplett über den Haufen schmeißt, jemand, mit dem es vibet – egal ob mit oder ohne Bart, Sternzeichen Fische, Skorpion, Wassermann, Widder oder Astrologie-Hater.

Foto: Unsplash/Anastasia Dulgier

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