Single-Kolumne: Erste Dates sind wie ein Sprung vom Beckenrand

Ab wann ist man wieder bereit, zu daten? Ab wann sind wir offen für neue Menschen, Storys, Gefühle? Die Freundin unserer Autorin sagt: „Es ist wie Schwimmen.“ Man muss sich nur wieder trauen, zu springen.

Stuttgart – Sie sagt: „Es ist wie Schwimmen.“ Und eigentlich mochte ich Wasser immer gerne. Aber aktuell stehe ich am Beckenrand, habe gerade noch eine fette Portion Pommes rot-weiß verdrückt – und mit vollem Magen darf man ja eh nicht schwimmen. Klar, ich habe kein Problem mit dem Single-Dasein, immerhin habe ich mich bewusst dafür entschieden. Doch ab wann weiß ich, dass ich wieder ready bin – für Dates, erste Kennenlernen, unbeholfene Begrüßungen, das Deuten von Körpersprache, knutschen im Gras? Die Sonne spiegelt sich vor mir im Wasser. Sieht eigentlich alles ganz friedlich aus – wenn ich nur wüsste, was darunter auf mich wartet.

Der Bademeister-Typ

Eine Nachricht blinkt auf dem Display auf. Sie ist von Fabi. Wir schreiben seit zwei Tagen auf Tinder, haben auf den ersten Blick vieles gemein: Wir hören die gleiche Musik, haben beide irgendwas mit Medien zu tun, trinken gerne Paulaner Spezi. Der Grundlagen-Check sagt: treffen. Und ich? Ich weiß gar nicht mehr, wie das funktioniert. Immer, wenn ein Date kurz bevorsteht, habe ich keine Lust mehr. Also so meine Interpretation. Mein Ego sagt zwar: „Aufgeregt? Come on!“ Am Ende ist das aber eine sehr unglaubwürdige Schauspiel-Performance. Was dahinter steckt? Angst und Pommes rot-weiß.

Während ich mit meiner Freundin über ihre Beckenrand-Metapher spreche, überlege ich, ob ich vielleicht eher der Bademeister-Typ bin – nur eben in Frührente. Ich behalte die Dinge gerne im Auge, verschaffe mir einen Überblick, spreche Warnungen aus: „Bitte nicht vom Beckenrand springen.“ Aber eines muss ich lernen: Der Sprung ins kalte Wasser gehört halt dazu. Erst dann weiß ich, ob ich es wirklich nicht fühle – oder dieses Dating-Game mittlerweile einfach ungewohnt geworden ist. So wie das Arbeiten an Windows-PCs oder Menschen, die sich in der Öffentlichkeit umarmen.

Schwimmen verlernt man nicht

Es ist eine Mischung aus Arsch auf Grundeis gepaart mit einer Brise Bequemlichkeit, falschem Stolz und Hobby-Wahrsagerei. Was macht man damit jetzt?

Sie schaut mich an: „Du musst deinen Fuß immer wieder ins Wasser halten. Prüfst die Temperatur, spürst, wie es sich anfühlt. Und irgendwann springst du.“ Okay, das klingt eigentlich easy. Aber ich stehe noch immer am Beckenrand, kann mich nicht bewegen. „Und was ist, wenn …“, frage ich. „Schwimmen verlernt man nicht!“

Ich schaue auf die Uhr. 45 Minuten sind seit den Pommes vergangen. Ich nehme Anlauf und springe ins kühle Nass. Und wem das jetzt zu viele Metaphern waren: Es lohnt sich, mutig zu sein.

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