Single-Kolumne: Don’t look back in anger!

Ein neues Jahr, nein, sogar ein ganzes Jahrzehnt beginnt. Zeit für Jahresrückblicke und Resümees. Unsere Autorin sagt: Don’t look back in anger – klopf dir lieber auf die Schulter.

Stuttgart – Es ist 14:56 Uhr. In wenigen Stunden wars das mit 2019 – und dem Jahrzehnt meiner Jugend. KRASS! Die Jahre der ersten Küsse, großen Lieben, Heartbreaks und schlechten Frisuren beende ich alleine, als Single. „Großartig“, murmel ich vor mich hin. Das macht es mir jetzt nicht unbedingt leichter. Auch wenn ich mich schon seit Tagen (und Wochen) erfolgreich dagegen wehre, weil ich ja eigentlich cool mit allem bin – hier ist er also: mein melancholischer Single-Jahresrückblicks-Moment.

„I’m not Misses Brightside“

Rückblicke und Vorsätze fand ich schon immer scheiße. Aber wenn mich die Melancholie dann doch einmal packt – und glaubt mir, das tut sie ab und zu, egal, wie sehr man sich dagegen sträubt – dann will ich meine Lebenszeit nicht allein von Dates, geglückten oder gescheiterten Beziehungen, Fuckboys in den DMs oder der Anzahl von spontanen Küssen auf der Tanzfläche abhängig machen. Klar nimmt all das einen großen Teil ein. Was wir dabei aber oft vergessen: Es ist verdammt nochmal nicht alles!

Ich könnte mir jetzt eine Playlist mit den besten Indie-Hits der 2010er suchen und nach einem Glas Wein – ach was soll der Geiz: einer Weinflasche – „Mister Brightside“ in die letzten Überbleibsel von 2019 schreien. Doch anstatt mich selbst zu bemitleiden, stoße ich an. Mit mir und meinem inneren Frieden: „Verdammt geil, wie weit du es geschafft hast.“

Cheers to you

Stand heute: Ich bin 25, gesund, habe liebevolle Menschen um mich herum, denen ich etwas bedeute, die mir etwas bedeuten und finde mich ganz gut so, wie ich bin – auch mit eins, zwei Feiertagskilos mehr. Auch wenn 2019 für viele ein Arschloch war – we made it!

Ich schalte den Fernseher ein. Es läuft ein Rückblick mit den wichtigsten Songs der vergangenen Jahrzehnte – wie jedes Jahr. Gerade spielen Oasis „Don’t Look Back In Anger“.

Und ich sage zu mir selbst: „At least not today.“

Foto: Unsplash/Riccardo Fissore

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