Single-Kolumne: Der Herbst muss sich nicht einsam anfühlen

Bald ist Herbstanfang, die Zuhause-bleiben-ohne-schlechtes-Gewissen-Saison startet. Und während die meisten Singles sich gerade jetzt nach Zweisamkeit sehnen, freut sich unsere Autorin auf die melancholische Zeit allein. Warum sich der Herbst nicht einsam anfühlen muss, erklärt sie in unserer Single-Kolumne.

Stuttgart – „Ich kann ihn ja mal fragen, wie es ihm so geht“, sagt Sarah. „Du kannst es aber auch einfach sein lassen“, antworte ich. Denn das, was Sarah antreibt, ist nicht etwa Interesse an ihrem Ex Tim, sondern die Angst davor, die kalte Jahreszeit alleine zu verbringen. Single zu sein im Herbst bedeutet für sie so viel wie Mallorca ohne Deutsche – ist möglich, aber es fehlt etwas. Keine Selfies im Boyfriend-T-Shirt und Wollsocken mit schmissiger Instagram-Caption – dafür muss man sich aber auch mit niemandem um den nächsten Netflix-Film streiten.

Herbstanfang – bring it on!

Während Sarah ihr Tinder-Profil updatet, setze ich einen riesen Topf Kürbis-Suppe auf den Herd, von dem ich theoretisch eine Großfamilie ernähren könnte. Das ist übrigens ein guter Tipp: Zu viel kochen, damit man seine Freunde zum Essen einladen kann. Denn selbst als Single muss man sich nicht 24/7 einsam und allein fühlen – I’m sorry to break with the cliché.

Brace yourself! 

Und doch ist der Herbstanfang eine Challenge. Denn gerade jetzt, wenn sich niemand mehr dazu gezwungen fühlt, das Haus zu verlassen, verbringen wir unsere Wochenenden am liebsten daheim – die meiste Zeit im Bett oder auf der Couch. Alles, was wir zum Leben benötigen, befindet sich in einem Umkreis von „ist mit dem Arm erreichbar“.

Da stellt sich schon mal die Frage: „Warum zur Hölle liegt eigentlich niemand neben mir?“ Was vielen fehlt, ist ein Decken-Nachbar, also ein Mensch, mit dem man Körperwärme und witzige Memes austauschen kann – oder eben jemand, der bereitwillig die Tür öffnet, wenn der Pizzabote klingelt.

Ich verstehe das, wirklich. Und doch ist dieser Zustand auszuhalten – wenn man sich einfach hineinschmeißt. Nach dem Motto: „Na, bist du auch so aufgeregt?“ „Aufgeregt? Come on!“

Herbst: In Melancholie baden

Das mit dem Hineinschmeißen ist natürlich metaphorisch gemeint. Aber wäre Melancholie eine Soße – ich würde darin baden! Damit meine ich, dass der Herbst oft zu Unrecht als trostlos und langweilig abgestempelt wird.

Wenn wir im Frühjahr den obligatorischen Hausputz zelebrieren, warum dann nicht in der kalten Jahreszeit einfach mal in uns drin ein bisschen aufräumen, aussortieren und durchwischen. Dafür brauchen wir keine Decken-Nachbarn oder Tinder-Matches.

Und das Schöne daran? Niemand hetzt uns! Aufräumen, essen, Spotify-Playlist ordnen, wischen, zu viel Suppe kochen, Freunde einladen – und zwischendurch auch mal die Herbst-Sonne ins Gesicht scheinen lassen oder im Regen durch die Stadt laufen.

Warum? Weil es sich gar nicht so einsam anfühlen muss, wenn man alleine ist.

Foto: Unsplash/Tucker Tangeman

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