Single-Kolumne: All I want for Christmas isn’t you

Weihnachten, das Fest der Liebe. Ja: das gilt auch für Singles. Und sogar ganz ohne sich nostalgisch unter der Bettdecke des Ex-Freundes zu verirren. „Baby all I want for Christmas is you?“ Unsere Autorin sagt: Sorry, Mariah – I don’t.

Stuttgart – „Make my wish come true. Aaaaaall I want for Christmaaaaaas iiis yoooouuuu“, säuselt Mariah Carey aus dem Radio. Meine Oma und ich stehen in der Küche. Es ist Heiligabend, kurz vor 17 Uhr. Und während ich so in den Kartoffelschäler performe fragt sie mich: „Wen wünschst du dir denn dieses Jahr?“ Ertappt lege ich einen Mic drop hin. Mal überlegen… Harry Styles? Ryan Gosling? Oder einfach nur Kartoffelsalat mit Brot? Ihr Blick ändert sich. Sie neigt den Kopf zur Seite, Moment… bitte nicht, halt, stopp – und zack, da ist er auch schon: der perfektionierte Das-tut-mir-leid-Blick.

No Drama! Not this year, Mariah!

Und auch wenn ich es scheiße finde, dass immer alle so tun, als müsste man sich als Single (vor allem) an Weihnachten besonders einsam fühlen, umarme ich sie. Warum auch sollte ich sauer sein? Sie sorgt sich um mich, will nicht, dass ich traurig bin oder mir jemand fehlt. Und in diesem Moment ist das vielleicht mehr Nächstenliebe als Mitleid oder Abwertung.

Doch ich kann sie beruhigen: Tut es nicht. Es geht mir gut. Auch wenn sie mir das nicht ganz glauben will.

Um es mit Mariah Careys Worten zu sagen: All I Want For Christmas… isn’t Micha, or Alex, or Harry Styles (ok, das ist gelogen).

All I Want For Christmas is no drama

No Drama for me this year – abgesehen von Grundsatzdiskussionen zu meiner Generation, Tattoos, dem Internet und Greta Thunberg.

Damit meine ich: Keine „Frohe Weihachten“-Nachrichten an Fuckboys, nur um eine Antwort zu provozieren und den Weihnachts-Single-Blues zu kompensieren. Not this year, Mariah!

Ja, auch keine Zurück-zum-Ex-Experimente, nur weil ich „Tatsächlich… Liebe“ geschaut habe und seit Tagen Dido in meiner „Feeling Feelings since 94“-Spotify-Playlist läuft.

Nein, all die Geister, die ich einst rief, sind entlassen. Urlaub auf unbestimmte Zeit, „Story verbergen vor“, „diese Person ist in ihrer Welt nicht verfügbar“  – und das am besten auf unbestimmte Zeit.

Weihnachten: Kartoffelsalat ohne Single-Scham

Und während wieder Parfümflaschen ausgetauscht werden, obwohl wir uns ja eigentlich dieses Jahr nichts schenken wollten, merke ich, dass ich mir das beste Geschenk dieses Jahr selbst gemacht habe.

Weil ich hier bin. Und damit meine ich nicht die physische Präsenz. Nein. Es ist Weihnachten und ich bin einfach da – mit all meiner Aufmerksamkeit, meinen Gedanken und der Gabel im Kartoffelsalat. Ohne Single-Scham, checken von WhatsApp-Häkchen und Geistern aus der Vergangenheit.

Dafür aber mit Mariah Carey im Ohr.

Foto: Unsplash/Riccardo Mion

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