Sind Weihnachts-
bäume noch zeitgemäß?

Alle Jahre wieder stellen wir uns eine tote Tanne ins Wohnzimmer, schmücken und behängen sie, um sie nur ein paar Tage später auf Sammelplätze oder sogar aus dem Fenster zu werfen. Unsere Autorin, genannt Tanne, fragt sich: Ist das noch zeitgemäß?

Stuttgart – Ja, ich gebe es zu, der Spitzname Tanne hat was mit mir gemacht (An dieser Stelle: Danke Frank!). Auf einmal sind mir die Bäume ans Herz gewachsen. Stehen sie zu gefühlt Hunderten am Feuersee, werden nicht gekauft oder im neuen Jahr unter anderem lieblos auf den Marienplatz befördert, tut mir das richtig weh. Zu wissen, dass sie dann im Schredder oder auf der Müllkippe enden – schrecklich. Schon in den vergangenen Jahren fühlte ich mich nicht mehr so richtig wohl mit einer toten Tanne im Wohnzimmer. Und frage deshalb hier und jetzt: Sind abgesägte Bäume als Weihnachtsdeko wirklich noch zeitgemäß?

Ho, ho, ho – aber bitte ohne Tanne!

Alle gerade so: Ho, ho, ho! Und ich so: Hm, hm, hm…Weihnachten und Tanne gehören einfach zusammen – kurz ein schöner Gedanke, wenn ich da an mich selbst denke. Aber was ist mit den abgesägten Bäumen aus dem Wald? Schmuck sollen sie (er)tragen, Geschmack und Präsente representen, die Besinnlichkeit unterstreichen. Die einen kaufen sie kurz vor knapp, die anderen schon Wochen vorher. Wie Schnittblumen vegetieren sie in einem Kübel Wasser vor sich hin, um später Weihnachten so richtig weihnachtlich zu machen. Ja, fast schon egoistisch, möchte man meinen. Viele finden: „Es gehört halt dazu.“ Meine Mutter sagt: „Das ist doch Tradition, die werden extra dafür gezüchtet.“ Die Frage ist: Macht’s das jetzt besser?

Ja, ja, ich höre schon einige fluchen: „Wird uns jetzt alles madig gemacht? Fleisch dürfen wir nicht mehr essen, aus Plastikflaschen sollen wir nicht mehr trinken und zu viel fliegen – forget it.“ Ja, die Welt befindet sich im Wandel – aber ist das wirklich so schlimm? War vorher tatsächlich alles besser und ist es nicht einfach auch an der Zeit, gewisse Dinge zu hinterfragen? Krank sind wir geworden, die Umwelt haben wir zerstört – warum also alles so belassen wie es war!? Manche Dinge können doch ganz leicht verändert werden und tun dabei herzlich wenig weh. Eigentlich  wollte ich gar nicht so politisch oder kritisch werden mit diesem Text, sondern vielmehr einen kleinen Denkanstoß geben.

Pestizide statt Lametta

Denn noch etwa stört mich gewaltig. Keine andere Pflanze ist so überdüngt und mit giftigen Chemikalien in die richtige Form gezüchtet wie die Tanne (oder die Fichte). Klar, immer schön auf Masse „produzieren“. Früher war mehr Lametta, heute sind es Pestizide. Der Bund für Umwelt und Naturschutz testete 17 Christbäume auf Pestizide, 13 davon waren massiv belastet. Vielleicht macht ja auch diese Zahl was mit euch: 29 Millionen Weihnachtsbäume werden jedes Jahr in Deutschland abgeholzt – das ist quasi der halbe Schwarzwald. Aua. Dann stehen die mit Pestiziden belasteten Tannen in unseren überheizten Wohnzimmern oder verrotten später auf der Müllkippe – Doppel-Aua, eco-friendly ist anders.

Schon länger geistern – vielleicht auch deshalb – Bilder von Tannen aus Pappe, Büchern, Holz, Lego oder Schmutzwäsche (höhö) durch unsere Social-Media-Channels. Echte Alternativen sind sie aber leider nicht. Plastik – ne! Pappe, Holz – dann kann man sich ja gleich ’ne richtige Tanne reinstellen. Die Tanne im Topf – keine Chance, sie wieder auszuwildern. Heieiei gar nicht so einfach. Die Frage ist: Muss es überhaupt ein Weihnachtsbaum sein? Können wir nicht auch ohne Tanne ein besinnliches Fest gemeinsam mit unseren Favourites verbringen. Es geht doch ums Zusammenrücken und darum, sich Zeit für sich und die Liebsten zu nehmen. In diesem Sinne: Einfach mal drüber nachdenken und frohe Weihnachten!

Titelbild: Megan Wood/Unsplash

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