Simon Bauer: Zwischen Musik-
hochschule, Bands und Breakdance

Es kommt schon vor, dass Simon Bauer mit Mozart in einem Atemzug genannt wird, er selbst findet: Es gibt viel krassere Musiker. Fest steht: Der 21-Jährige ist ganz schön umtriebig in Sachen Musik. Am Sonntag spielt er sein erstes selbstkomponiertes Konzert für Solo-Marimba und Orchester. Wir haben ihm bei den Proben an der Musikhochschule über die Schulter geschaut.

Stuttgart – Für den Laien ist es schon krass, was Simon da veranstaltet. Auf dem Marimbafon, einer Art großem Xylofon, spielt er seine selbstkomponierten Noten einfach mal locker aus dem Handgelenk runter, zweihändig mit vier Stäben – als ob es das Leichteste der Welt wäre. Wie gesagt, so scheint es, für jemanden, der nicht viel Ahnung von Musik hat – außer Blockflötenunterricht in der Grundschule und einem kurzen Heimorgel-Gastspiel, obwohl man eigentlich ein Keyboard wollte, gab es mit Instrumenten keinerlei Berührungspunkte. Anderes Thema. Zurück zu Simon. Seine Kindheit war (auch) von Musik geprägt, allerdings vor allem deshalb, weil das Elternhaus musikalisch daherkam.

Simon und das Schlagzeug

Aufgewachsen in Trossingen, mit Eltern, die selbst Musiker sind, blieb dem kreativen Blondschopf ja fast nichts anderes übrig, als selbst Musik zu machen. Mit sieben Jahren bekam er Bock auf Drums, nahm Unterricht an der Musikhochschule seines Heimatorts, wurde schnell zum Jungstudenten und besuchte dort neben der Schule bereits Seminare für Jazz-Schlagzeug*. Da schießt einem jetzt ganz natürlich das Wort „hochbegabt“ in den Kopf. Doch Simon winkt ab, damit habe das nichts zu tun – ganz schön bescheiden der junge Mann.

Nach dem Kunst-Abi vor drei Jahren ging es fürs Musik-Studium nach Stuttgart. Musik auf Lehramt mit klassischem Schlagzeug sollte es sein, doch Simon wäre nicht Simon, wenn er es dabei belassen würde. „Als Zweitfach studiere ich noch Jazz-/Pop-Schlagzeug.“ Und auch dabei soll es nicht bleiben, eine Weiterbildung im Fach „Performance“ sei für ihn außerdem spannend, verrät er. Was ihn daran reizt? „Dass auch der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht nur die Musik, die er macht.“ Das erinnere ihn an seine Abi-Zeit, als er mit dem Bundesjugend-Orchester unterwegs gewesen ist. „Das war ohne Frage eine tolle Zeit, aber ich habe eben auch gemerkt, dass man sein eigenes, kreatives Schaffen hinter dem Dirigenten, der Partitur und dem Notentext, der schon da ist, versteckt.“

Das war mir zu wenig kreativ!

Erklärung: Klassisches Schlagzeug oder Schlagwerk sind Trommeln, Triangel, Pauke, Marimbaphon, Xylophon, was man eher im Orchester spielt und Jazz-Schlagzeug oder Drumset ist das, was man aus Bands kennt

Bands, Breakdance und Kunst-Projekte

Simon ist eben ein Kreativkopf wie er im Buche steht, dem die Lust an neuen Projekten selten vergeht. Das einzige Problem dabei? Zu viel spielen und üben geht in die Arme und den Rücken. Dass da irgendwann Hilfe her musste, ist mehr als klar. Und die kam von einer uns gar nicht mal so unbekannten Physiotherapeutin in Stuttgart – nämlich B-Girl Sophiela. Whoop, whoop. „Sophie hat mich dann einfach irgendwann gefragt, ob ich nicht mal eine Band zusammentrommeln könnte“ – der Wortwitz geht auf Simons Kosten. Man spielte zunächst auf einer Hochzeit und mischte später bei funky Breakdance-Battles mit. Immer weiter, immer mehr, immer kreativer. Es bleibt nicht unbemerkt:

Der kreative Austausch ist mir sehr wichtig genauso wie das Zusammenspiel von verschiedenen Kunstformen – ich bin vielseitig interessiert.

Und wie sieht der Alltag eines offensichtlich sehr beschäftigten Musikers so aus? Simon gibt zu, dass die Musik ihn schon sehr einnehme – Unterricht, Proben, Gigs. „Aber es macht ja auch Spaß, man muss eben nur schauen, wie man den Kopf zwischendurch auch mal frei bekommt.“ Vielleicht mit einem Feierabend-Bierle oder auch Feierei? „Ja klar, das ist auch sehr wichtig für die Inspiration.“ Sein Studentenleben komme nicht zu kurz, betont er lachend.

Und was hört Simon privat so für Musik? „Weil ich viel mit Musik zu tun habe, brauche ich zum Ausgleich oft einfach auch Momente der Ruhe. In meiner Freizeit höre ich aber sonst worauf ich gerade Lust habe – von Hip-Hop über Techno bis hin zu Jazz.

Manchmal ist es schwierig, das analytische Gehör auszustellen und Musik einfach nur zu genießen. Und dann frage ich mich, ob ich mir selbst damit die Magie daran genommen habe?

Die Antwort: Nein. Eigentlich sei alles, insbesondere die Freude an der Musik, nur noch größer geworden. Und Simon ist ja auch einer, der sich auf das Leben einlässt, der im Moment lebt und das, was ihn interessiert, auch ausprobiert. „Ich nehm’s wie’s kommt.“ Doch einen Traum hat er trotzdem:

Alle Kunstformen, die mich interessieren zu vereinen, neben dem Streben nach neuen Dingen, sich ständig weiterzuentwickeln und weiterhin Musik zu machen. Ich will Dinge wahrnehmen und dann in meiner Kunst ausdrücken.

Vielleicht erschafft Simon ja auch mal eine ganz neue Kunstform? Wer weiß, am Sonntag spielt er aber erstmal sein selbstkomponiertes Solo-Marimba- und Orchester-Konzert.

Simons Solokonzert mit dem Weinstadt-Sinfonie-Orchester

Simon hat schon immer selbst Musik geschrieben, für Jazz-Bands und einzelne Instrumente – und jetzt das erste Mal für Solo-Marimba und ein Orchester. Interessant ist, dass die erste Fassung bereits vor 27 Jahren in Schweden entstanden ist. Sie stammt von Klaus Dreher, dem Professor des 21-Jährigen, sei aber auf ein Streichquintett zugeschnitten gewesen. „Und dann meinte mein Prof, da machen wir jetzt was draus. Und so habe ich eine Fassung für Solo-Marimba und ein Streichorchester geschrieben.“

Am Sonntag, 17. November, um 19 Uhr in der Jahnhalle in Endersbach mit dem Weinstadt-Sinfonie-Orchester. Das Thema des Abends: Klänge des alten Russlands mit Schwedische Suite, Tschaikowski‘s Pezzo Capriccioso und ein eigenes Lullaby

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