Selbstversuch – Ein Monat ohne Plastik

Ein Leben ohne Plastik, geht das? Studenten der Universität Stuttgart haben einen Selbstversuch gestartet und einen Monat lang auf Plastik verzichtet.

Stuttgart – 150 Millionen Tonnen Plastik befinden sich in den Weltmeeren. Der Abfall zerstört den Lebensraum vieler Arten und schadet der Gesundheit von Menschen und Tieren. Trotzdem ist Plastik aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Unsere Lebensmittel im Supermarkt sind verpackt und auch in vielen unserer Kosmetikartikel befindet sich der schädliche Stoff. Es scheint fast, als wäre es unmöglich, ohne Plastik auszukommen. Oder doch?

Das Thema unter die Studenten bringen

Das wollten Yvonne, David, Korinna, und Dilan genauer wissen. Die vier haben zusammen mit sieben anderen Studenten der Universität Stuttgart einen Monat lang auf Plastik verzichtet. „Das Ganze war eine spontane Idee. In den Medien wurde intensiv über die Verschmutzung der Meere berichtet und da kam mir eines Tages auf dem Sofa der Gedanke, dass sich etwas ändern muss“, berichtet Yvonne. Die 32-Jährige studiert Philosophie im Master und hat das Projekt ins Leben gerufen.

„Gerade an der Uni ist das Thema noch nicht so präsent. Was schade ist, wenn man bedenkt, dass hier viele Studiengänge im Umweltbereich, wie Umweltschutztechnik,  Bau- und Umweltingenieurwissenschaften, angesiedelt sind“, erklärt Yvonne. Sie bewarb sich mit dem Projekt bei Stuttgarter Change Labs, eine Initiative, die studentische Projekte fördert. Die waren begeistert von der Idee und das Projekt bekam den Zuschlag. Zusammen mit zehn anderen Studenten startete Yvonne den Selbstversuch „Planet or Plastic“: Einen Monat lang kein Plastik konsumieren.

Es ist einfacher, als man denkt

Dabei stellte die Gruppe fest, dass das Vorhaben sich einfacher gestaltete, als gedacht. „Bei den Nahrungsmitteln hat das sehr gut geklappt. In Sachen Hygiene -und Kosmetikartikel muss ich noch mehr ausprobieren“, resümiert David. Der 24-Jährige, der Softwaretechnik im Master studiert, ist als einziger Mann im Team der Hahn im Korb.

Auch Dilan zieht ein positives Fazit. „Es ist nicht schwer, es ist bloß eine Umstellung“, sagt die 25-jährige angehende Literaturwissenschaftlerin. „Es muss einem erst mal bewusst werden, was es für Alternativen gibt“, sagt sie. So sieht es auch ihre Mitstreiterin Korinna. „Man braucht Tipps und Anleitungen, dass man weiß, wo man überhaupt plastikfrei einkaufen kann“, sagt die 26-jährige Geodäsie und Geoinformatik Studentin.

Praktische Tipps für den Alltag

Denn es gibt mehr Alternativen, als man denkt. Der Laden Schüttgut im Stuttgarter Westen bietet Lebensmittel an, die unverpackt und nachhaltig sind. Ansonsten rät Yvonne dazu, in Hofläden einzukaufen. „Dort gibt es regionale und saisonale Produkte für einen fairen Preis“, sagt sie. Denn plastikfrei zu leben bedeutet nicht, dass die Kosten für Lebensmittel steigen. David kauft sein Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt und Korinna geht in einen türkischen Supermarkt, wo es Datteln und Oliven in großen Gläsern gibt.

Bei einem nachhaltigen Einkauf geht es nicht nur darum, auf Plastik zu verzichten, sondern auf sein Konsumverhalten zu achten. „Es geht darum, zu schauen, was überhaupt vorhanden ist. Im Winter kann ich eben keine Zitronen kaufen. Man sollte versuchen saisonal einzukaufen“, sagt Yvonne.

Auch gibt es viele simple Tipps, die sich in den Alltag integrieren lassen. „Es gibt ein paar Basics, die man immer dabeihaben sollte“, sagt Yvonne, die auch auf ihrem Blog Tipps für einen plastikfreien Alltag gibt. Zu Beginn des Tests hat sie allen aus dem Team ein Starterpaket mitgegeben. Einen Stoffbeutel, in dem man Lebensmittel verstauen kann und eigenes Besteck aus Holz. Auch ist es sinnvoll, eine Glasflasche dabei zu haben, die man auffüllen kann. So spart man Plastikflaschen.

Auch in Zukunft möchte die Gruppe auf Plastik verzichten

Haben die vier auch schon ihr Umfeld überzeugen können? „Es sind kleine Dinge, die man tun kann. In meiner WG habe ich einen Saisonkalender aufgehängt. Wenn ich zum Schuttgüt gehe, frage ich meine Mitbewohner, ob ich etwas mitbringen soll“, erzählt David.

„Meine Eltern haben sich inzwischen einen Sodastream angeschafft“, berichtet Yvonne. Überhaupt kommt in die Sache langsam Bewegung rein. „Es tut sich was. Gerade in Stuttgart gibt es mit den Duschbrocken und The Female Company Unternehmen, die auf plastikfreie Alternativen setzten“, sagt die Studentin. Allerdings vermisst sie im Hochschulbereich die Zusammenarbeit. „Jede Universität zieht ihre eigene Sache durch, da sollte man sich mehr zusammentun“, sagt sie.

Für die vier Studenten ist das Thema noch nicht beendet. Bei der Frage, ob sie in Zukunft auch auf Plastik verzichten wollen, ist sich das Team einig: Ja!

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