Coronavirus im Ausland: Vier Menschen berichten

Clubs und Bars schließen, Schulen und Kitas haben zu: Das Coronavirus beeinflusst nun auch uns in Stuttgart. Aber wie ist die Situation in anderen Ländern, die schon länger stark betroffen sind? Vier Menschen berichten.

Stuttgart – Seit Freitagmittag ist es offiziell: Aufgrund des Coronavirus werden auch Schulen und Kitas bis zum Ende der Osterferien schließen. Schon mit der Absage des Cannstatter Wasens am Mittwoch kam es: das komische Gefühl, dass auf einmal alles ein bisschen anders wird. Für viele Berufstätige ist die heutige Entscheidung der Landesregierung eine Herausforderung. Aber Baden-Württemberg ist nicht die einzige Region, die sich dem Coronavirus mit allen Mitteln entgegenstellt. Auch im Ausland müssen die Menschen ihr Leben in den nächsten Wochen und Monaten ein wenig anders gestalten als sonst. Eine Italienerin, eine Amerikanerin, ein Schweizer und ein Österreicher berichten, wie es sich in ihrem Land gerade anfühlt.

Der Coronavirus in verschiedenen Ländern

Mit aktuell um die 15.000 Fällen ist Italien das Land, in dem nach China die meisten Menschen an Covid-19 erkrankt sind. Dementsprechend hart haben die italienische Regierung und Behörden in den vergangenen Wochen und Tagen durchgegriffen. Aber auch in Österreich und der Schweiz, den direkten Nachbarn von Italien sind im Vergleich zur geringeren Bevölkerungszahl relativ viele Menschen vom Coronavirus betroffen. Panik ist zwar fehl am Platz, dennoch betrifft das Virus viele Menschen ganz direkt im Alltag.

So zum Beispiel auch Elisa aus Italien, Luca aus der Schweiz und Kiron aus Österreich. Stadtkind hat mit ihnen geredet und wollte wissen: Wie ist die Situation gerade in ihrer Heimatstadt? Wie hat sich ihr Leben geändert und wie gehen sie damit um?

Außerdem haben wir auch einen Blick über den Atlantik geworfen: NanC lebt mit ihrer Familie in Seattle, der ersten Andockstelle für das Virus in den Staaten. Auch dort fühlt sich alles ein wenig anders an, als normalerweise…

Wie fühlt sich die Situation gerade in Italien, Österreich, USA und der Schweiz an. Diese vier berichten. | Collage: Jana Stäbener

„Als würde die Zeit still stehen…“

Bild: privat

„Vor zwei Wochen war ich ehrlich gesagt ziemlich genervt. Da war ich auch noch in der Schweiz und habe einen Freund besucht. Damals hatten auf einmal alle total die Panik vor dem Coronavirus und man dachte eben, das wäre übertrieben. Aber jetzt? Da kann ja eigentlich kaum noch mehr passieren. Am letzten Samstag hat die Regierung beschlossen, dass ab jetzt jeder in den Häusern bleiben soll. Nur fürs Lebensmittel einkaufen oder andere wichtige Besorgungen darf man vor die Tür. Vor ein paar Tagen hätte ich auch noch ohne Bedenken einen Spaziergang gemacht, aber ich habe eine Bekannte, die war mit dem Auto unterwegs und wurde von der Polizei angehalten. Die musste dann 200 Euro Strafe zahlen, weil sie keinen Grund nachweisen konnte, wegen dem sie das Haus verlassen hat. Das Hauptproblem hier in Mailand sind eben die Krankenhäuser. Die sind total überlastet und keiner will riskieren, dass irgendjemand Neues hinzukommt.

Schulen, Unis und Kindergärten sind in Italien übrigens schon lange geschlossen. Das war mit das Erste, das unternommen wurde. Seit Mittwochabend haben auch alle Restaurants und Bars zu. Es fühlt sich echt an, als sei die Zeit stehen geblieben. Und klar: Was macht man, wenn man den ganzen Tag nur im Haus sitzt. Man isst viel zu viel, schaut Netflix und weiß irgendwie nicht so recht was tun. Meine Pilateslehrerin sendet uns ab jetzt Videos zu, auf die werde ich vielleicht zurückgreifen. Ich bin aber trotzdem froh, dass ich gerade Zuhause bin. Eine Freundin hat am letzten Freitag das Land verlassen und ist nach Belfast ins Auslandssemester geflogen. Die wurde am Flughafen abgefangen und muss jetzt erst einmal zwei Wochen in Quarantäne. Ganz allein. In einem fremden Land.

Ich glaube die einzige, die mit der Situation wirklich klar kommt ist meine Nonna. Die hat Pasta und Essen ohne Ende angehäuft. Die ist ready. Ready to fight!“

„Ich glaube die Schweizer Regierung ist verwirrt, weil das Coronavirus ein Problem ist, das Geld nicht lösen kann“

Bild: privat

„Seit heute dürfen Restaurants in der Schweiz nicht mehr als 50 Leute hereinlassen. Ganz ehrlich: Es fühlt sich alles ziemlich chaotisch an. Am Anfang wollten Krankenhäuser von dir noch wissen wo du warst, was du für Symptome hast und welche Bars du betreten hast. Jetzt ist es einfach außer Kontrolle. Und es juckt die gar nicht mehr was du gemacht hast. Irgendwie glaube ich, die Schweizer Regierung ist verwirrt, weil sie mit dem Coronavirus einmal ein Problem hat, das Geld nicht lösen kann. Wenn du Corona haben könntest, musst du Zuhause bleiben. Mein Bruder zum Beispiel ist für zwei Wochen in Quarantäne. Er studiert in Zürich Mathematik und in seiner Fakultät hat ein Doktorand Corona. Deswegen hat nun die ganze Fakultät geschlossen.

Eigentlich bieten die Supermärkte noch das meiste an. Aber mein Supermarkt in Zürich hat zum Beispiel fast keine Soßen mehr. Nur noch die Ekligen. Achja, und den ÖPNV darf man zur Rushhour nicht benutzen. Aber es arbeiten ja sowieso viele im Homeoffice. Oder sie sind in sogenannten „Emergency-Offices“. Die sind überall in Zürich. Da werden die Mitarbeiter in kleinere Gruppen aufgeteilt, um die Infektionsgefahr zu mindern.“

„Es jagt einem einen Schauer über den Rücken.“

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„Vielleicht habt ihr mitbekommen, dass Seattle der erste Andockstelle für das Coronavirus in den Staaten war? Sie nennen es auch das Zentrum der Coronakrise. Hier herrscht ein regelrechter ‚Coronawahn‘. Bin ich die einzige, die nicht den Verstand verliert? Heute war ich im Supermarkt und die Regale waren leer. Komplett leer. Ich habe Dinge gekauft, die die Kids und wir zuhause sonst nie essen würden: Pasta, Ramen, Dosenbohnen und Thunfisch.

Alle Mitarbeiter bei Amazon müssen für unbestimmte Zeit von Zuhause aus arbeiten. Die St. Patrick’s Day Festivitäten wurden abgesagt, für viele das Event des Jahres. Für die Kids ist die Schule in den nächsten sechs Wochen gesperrt: Die Vorlesungen an der Uni in New York finden für meine älteste Tochter online statt. Die Studentenwohnheime dort werden komplett geschlossen. Also kommt sie erst einmal wieder zu uns nach Hause. Der Broadway macht dicht, der Verkehr ist ruhig. Es jagt einem einen Schauer über den Rücken.“

„Die Grenze zur Schweiz und Liechtenstein ist jedenfalls zu“

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„In Österreich ist es mittlerweile schwer, auf das Coronavirus getestet zu werden. Wir haben eine Hotline, bei der sie dich fragen wie alt du bist, ob du Student bist, berufstätig etc. Dann sagen sie dir entweder: Geh zum Arzt, oder: Bleib einfach daheim. Am Dienstag hat die Regierung beschlossen, alle Unis im Land zu schließen. Wir sollen aber normal weiterstudieren und haben ab sofort ganz modern Online-Vorlesungen. Bis jetzt heißt es, dass die Unis bis nach dem Osterferien geschlossen bleiben.

Auch Schulen sind ab sofort geschlossen. Aber nur für Kinder ab 14 Jahren, weil die jüngeren Kinder noch irgendwo betreut werden müssen.  Außerdem werden auch alle Veranstaltungen mit mehr als 500 Leuten abgesagt. Das Österreichische Militär und das Außenministerium arbeiten zur Zeit daran, alle Österreicher, die in Italien sind, heim zu holen. Wenn du als Italiener nach Österreich kommen willst, dann brauchst du echt einen Gesundheits-Nachweis. Die Grenzen zur Schweiz und zu Liechtenstein jedenfalls – die sind jetzt zu.“

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