Schräglage Stuttgart: Die neue Generation

Die Schräglage ist eine Hip-Hop-Instanz. Und das über Stuttgarts Hügel hinaus. Gemeinsam mit seinem Kollegen Luka Pudja läutet Martin Labacher eine neue Ära ein, in der es um den Club als großes Ganzes geht.

Stuttgart – „Die Fußstapfen, in die Luka und ich treten sind krass groß. Dem wollen wir natürlich gerecht werden“, sagt Martin Labacher. Gemeinsam mit Betriebsleiter Luka Pudja sorgt der Head of Booking & Marketing für frischen Wind in der Schräglage. Geht es nach dem 27-Jährigen, ist ein Club wie dieser mehr als nur „feiern und saufen“. Ihm geht es um das große Ganze, die Liebe zum Detail: „Als Club schaffen wir einen Kosmos und zeigen wofür wir stehen.“ Die Schräglage sei ein Baustein in der Hip-Hop-Szene, auch heute noch — darauf sollten die Stuttgarter stolz sein. Martin ist es wichtig, das Standing des Clubs beizubehalten: „Das haben wir den Menschen zu verdanken, die die Schräglage über Jahre aufgebaut und groß gemacht haben. Daran müssen wir anknüpfen.“

Club Schräglage: Das große Ganze

Im September ist Martin bereits seit vier Jahren ein Teil der 0711 Entertainment-Crew und lebt damit sozusagen seinen Kindheitstraum: „Mein Dad hat mir erzählt, dass ich mit 14 Jahren nach dem HipHop Open im Auto saß und zu ihm meinte, dass das der schönste Tag meines Lebens war und ich später mal genau so etwas arbeiten will, wie die Typen da“, sagt er und lacht. Im April dieses Jahres kam die offizielle Position als Head of Booking & Marketing in der Schräglage Stuttgart dazu.

Dazwischen liegen Studium, Praktikum, Festanstellung, kalte Winter an den Kassen vom Zwölfzehn und Schräglage sowie Dinge, die man von außen nicht sieht, „die aber verdammt viel Arbeit machen.“

Es ist geil, dass die Chefs der Schräglage weiterdenken und in Menschen investieren, die das große Ganze sehen.

Nachdem er vergangenen Sommer den Posten von Booker Wolfgang Spohn aka Wolfi in der Schräglage übernahm, folgte auch die Beteiligung im Marketing, welches zunächst von knapp sechs Personen geführt wurde, bis die Chefetage entschied: Das macht jetzt nur noch einer. Um es zusammenzufassen: Martin ist Mitarbeiter von 0711 Entertainment im Presse und Projketmanagement und die Schräglage ist streng genommen ein Projekt von ihm – „das Größte mit 80 bis 90 Prozent Aufwand.“

Zieht er eine, wenn auch nur kleine, Zwischenbilanz, stellt der 27-Jährige fest: „Es ist geil, dass die Chefs der Schräglage weiterdenken und in Menschen investieren, die das große Ganze sehen.“

Martin Labacher
Foto: Michael Colella

Betriebsleiter Luka Pudja und Martin Labacher unterstützen sich gegenseitig. Luka ist seit Anfang August in der Position tätig. Foto: Michael Colella

„Ohne Leidenschaft brauchst du das gar nicht anfangen.“

„Neue Generation“, das bedeutet für Martin nicht das komplette Konzept zu ändern: „Wie krass arrogant wäre es auch plötzlich alles umzuschmeißen und da sein eigenes Ding zu machen. Das hat die Schräglage auch nicht nötig. Das Line-Up kann sich absolut mit anderen großen Clubs in Deutschland messen. Das war auch schon immer so. Mir geht es eher darum daran zu arbeiten, wie der Club draußen ankommt.“

Alles step by step, angefangen bei dem einheitlichen Social Media-Auftritt, neuen Artworks für Veranstaltungen, Gadgets und natürlich der jetzt schon gefeierten Hip-Hop-Tafel: „Seit fast einem schreibe ich hier jede Woche ein bekanntes Hip-Hop-Zitat an die Tafel. Klar, klingt jetzt nicht weltbewegend und es zwingt mich natürlich auch niemand hier ständig früher aufzukreuzen, um da noch etwas drauf zu kritzeln. Aber sobald die Menschen es wahrnehmen und uns darauf ansprechen, geht die Idee auf.“ Martin weiß, Liebe zum Detail, das ist ein Spiel auf Ausdauer: „Ohne Leidenschaft brauchst du da gar nicht anfangen.“

Ein Spiel auf Ausdauer

Wahrscheinlich würde er sonst auch nicht das Monatsprogramm der Schräglage auf T-Shirts drucken lassen, die an bekannte Band-Tourshirts erinnern, um davon dann wiederum ein Bild für die zukünftigen Flyer zu schießen: „Das sind eben Aktionen, die für uns so nicht messbar sind. Also ich kann nicht sagen: Hey, das hat jetzt ein Bier mehr über die Theke gebracht. Aber es wird Sinn machen. Mehr will ich jedoch noch nicht verraten“, sagt er lachend.

Schräglage: Mehr Nischen abdecken

Martin und seine Crew wollen eine Welt schaffen, einen eigenen Kosmos: „Wir wollen dahin kommen, dass die Kids sich im Club wieder mehr fallen lassen. Das ist wie im Thermalbald, Augen zu und genießen. Nur dass dir danach halt alles wehtut.“

Statt die Schräglage zwischen drei Bar-Besuche und eine Afterhour zu packen, sollen die Leute wieder einen ganzen Abend im Club verbringen: „Erst dann kann man in eine andere Welt abtauchen. Und darum geht es ja. Nicht an Tinder denken, sondern einfach feiern und da sein.“

Martin weiß, die größte Challenge wird es sein, die Besucher an verschiedene Veranstaltungen zu gewöhnen, denn genau da will er mit der Schräglage hin. „Mir ist es wichtig die Tage musikalisch unterschiedlich einzuteilen. Im besten Falle sollte man vorher auf Facebook die Veranstaltung checken und sich fragen: Spricht mich das heute an? Klar werden wir damit erstmal viele vor den Kopf stoßen und der Anfang wird eklig. Aber so können wir die einzelnen Facetten von Hip-Hop und damit für meinen Geschmack auch eine geilere Nischen-Kultur abbilden.“

Weißt du noch damals in der Schräglage?

Was Martin vorhat? Eine Vision umzusetzen: „Die Schräglage ist geil gewachsen aus dem Chimperator-Umfeld mit Cro und Co., da wollen wir weitermachen. Deswegen stehe ich auch immer in Absprache mit Luka, Armen Shala und natürlich auch Stephan Stoffel, wen wir als Fremdveranstalter ranholen und so weiter. Wir kontrollieren uns da ständig selbst.“ Sein großes Ziel? „Es wird immer jemanden geben, der sagt: Weißt du noch damals? Wäre natürlich cool, wenn dieser jemand damit dann jetzt meint.“ (Die Orsons-Referenz, check!)

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