Schnaps und ein bisschen Liebe: Datet euch selbst

Autorinnenwechsel in unserer Single-Kolumne. Keine Angst, Schnaps gibt es weiterhin, sogar ein bisschen Liebe und zu Beginn die ernstgemeinte Frage: Warum datet ihr euch nicht einfach mal selbst?

Stuttgart – Ich sitze alleine im Café und frühstücke – Kaffee schwarz und ein Croissant. Meine Mutter ruft an. „Wo bist du?“ „Frühstücken.“ „Mit wem?“ „Mit mir.“ „Ach, alleine?“ „Ja.“ „Sehr französisch“, kommentiert sie. Ja, oder auch einfach nur „Single“. Und das meine ich ganz un-bemitleidenswert. Denn wenn ich Bock auf Kaffee und Croissant habe, muss ich nicht auf Martin, Dennis oder Ryan (Gosling) warten, bis sie sich nach ersten Startschwierigkeiten endlich untersterblich in mich verlieben und mit mir Samstagmorgen frühstücken und danach auf den Markt gehen. Ne, ich mach’s einfach alleine. Und guess what: Ist gar nicht mal so scheiße.

Auf Date-Night mit mir selbst

Aufgeregt bin ich trotzdem, wenn ich alleine unterwegs bin. Oberlippenschweiß, nervöses Zucken in den Beinen und ständig schau ich auf mein Smartphone. Ja, ich habe ein Date – mit mir. Und obwohl nur zwei Frauen neben mir sitzen, die sich angeregt über Quinoa unterhalten, fühlt es sich so an, als würde mich der gesamte Raum beobachten.

„Schon ’n bisschen peinlich“, höre ich sie denken und rede mir damit selbst ein, wie unnatürlich diese Situation gerade ist. „Es ist Freitagabend, 21 Uhr, du sitzt in einer Bar, trinkst alleine Wein –  wohin hat dich das Leben nur geführt?“, fragt meine innere Stimme. „Naja wahrscheinlich nicht gerade in den Einklang mit mir selbst?“, entgegne ich (mit der gleichen Stimme). „Ja geil, und Selbstgespräche führst du auch noch.“

Einfach mal machen

Wenn ich hier schon in Korrespondenz mit mir selbst stehe, könnte ich ja auch mal fragen, warum ich eigentlich alleine hier bin oder wie es mir geht. Obwohl ich wahrscheinlich nicht mal eine Antwort darauf wüsste. Wer beschäftigt sich schon mit sich selbst?

Quinoa, Grappa und die Selbsterkenntnis

In diesem Moment werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Die Frauen neben mir binden mich plötzlich in ihr Gespräch ein: „Isch Quinoa Weizen?“ Und so entstand eine witzige Runde mit Rezeptempfehlungen aus den letzten fünf Jahren Brigitte. Wir trinken Grappa und liegen uns in den Armen.

Eine WhatsApp-Nachricht blinkt auf: „Bock auf Marienplatz?“ Nein, Danke. Ich bin beim Grappa geblieben und habe an diesem Abend viel über mich gelernt: Quinoa finde ich gut, Grappa eher nicht und es hat verdammt großen Spaß gemacht, mich selbst zu daten.

Wieso also verweilen in einer selbstauferlegten Quarantäne, nur weil spontan niemand Zeit (für uns) hat? Warum nicht einfach mal machen, worauf man Bock hat? Ohne die eigenen Entscheidungen von anderen abhängig zu machen.

Me-Time ist nicht nur eine Instagram-Inszenierung, sondern macht sich auch im Real Life ganz gut: Alleine reisen, alleine in die Karaoke Bar, alleine den fettigsten Burger auf der Karte bestellen, sich bei sich selbst über das Wetter beschweren. Kann alles ganz geil sein – wenn man’s halt einfach mal macht.

Über die Autorin

Unsere Autorin schreibt über das Single-Leben, den Alltag, die Liebe, keine Liebe und trinkt dabei viel lieber Schorle als Schnaps. Ihre Geschichten liegen auf den Straßen, fahren in Stuttgarts U-Bahnen, posten Instagram-Storys oder blockieren dich auf Tinder. Irgendwo zwischen Suchen und Finden – aber immer ganz nah dran (durchzudrehen).

Foto: Unsplash/ Mondher Mejr

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