Schnaps oder Liebe: Snuggle-Buddy für den Herbst gesucht

So, jetzt ist es wirklich so weit: Der 157. last day of summer ist vorbei, Sommer an sich auch, jetzt ist endlich Herbst. Zeit, zu kuscheln – aber alleine?

Stuttgart – Wisst ihr, was das Geilste am Herbst ist? Nein, nicht die bunten Blätter und auch nicht das goldene Licht. Das Beste sind die sinkenden Temperaturen und die erhöhte Chance auf regnerische Tage. Warum? Weil einen dann niemand zwingt, vor die Türe zu gehen und „Spaß zu haben“. Auch man selber erteilt einem die Erlaubnis, im Bett zu liegen, Essen zu horten, Tee zu schlürfen, das Internet durchzuspielen. Dich hat wochenlang niemand gesehen? Nicht weiter schlimm, du sendest via Whatsapp in regelmäßigen Abständen Lebenszeichen ab. Selbst in deiner Dusche bist du eher seltener Gast? Auch nicht weiter wild, denn dich sieht ja sonst keiner. Deine benötigte Kalorienzahl sinkt enorm aufgrund mangelnder Bewegung, deine Kalorienzufuhr dagegen steigt drastisch? Fuck it, lässt sich eh besser kuscheln. Deine … Moment, denkst du. Hier kommt nämlich der Knackpunkt. Es ist alles cool, bis dir ein Gedanke die Blase zerschießt und zeigt: Es könnte schon auch noch viel cooler sein, wenn das da wäre, von dem du gerade merkst, dass es fehlt.

Machen wir es offiziell!

Und wenn ich von dir spreche, dann meine ich eigentlich mich. Denn ich lebe die nächsten Wochen hauptsächlich in meinem Bett. Wie Winterschläfer habe ich mich die warmen Monate über mit allen nötigen Utensilien eingedeckt – Decken, Kissen, ausreichend Platz auf dem Nachttisch. Jetzt klopfen die einstelligen Temperaturen an und es kann losgehen: Höhle bauen und abtauchen. Das pflege ich seit Jahren so zu tun. In diesem Herbst soll sich aber eine Kleinigkeit ändern: Ich suche einen Snuggle-Buddy. Also hier meine offizielle Kontaktanzeige (dafür sind Zeitungen doch da, oder?):

Ich suche

jeMANNden, der Lust hat, sich den Herbst über mit mir in meiner Höhle zu verkriechen. Was im ersten Moment vielleicht einseitig klingt, bietet mehr Vielfalt, als man denkt. Wir können uns tagelang anschweigen. Oder aber auch mal in wilden Theorien über das Leben außerhalb des Fensters oder ähnlich abstrusen Themen verlieren. Ganz nach dem Motto: jeder andere kann gerne, aber hier muss nichts. Und wird auch nicht. Außer regelmäßiger Körperhygiene. Dadurch, dass wir ja zu zweit sind, ist die oben beschriebene Situation ausgehebelt. Boah, voll der Stress, denkt jetzt ein Herbstler wie ich vielleicht. Aber weit gefehlt, weil dampfiges Bad, angelaufene Scheiben – und dann von der Jogginganzug-Mützen-Schal-drei Paar Socken-Kombination direkt unter die heiße Dusche.

Heiß wird es übrigens auch, wenn wir uns eine Decke teilen. Weil menschliche Körper immer noch die krassesten Heizstrahler sind. (Zur Sicherheit gibt es aber auch drei Decken pro Person.) Deswegen müssten wir regelmäßig lüften. Gibt aber auch nichts besseres, als sich bei klirrend kalter Luft noch weiter unter die Decke zu mummeln. Beim Löffeln halte ich es gerne demokratisch, denn auch ich gebe einen ziemlich guten großen Löffel ab. Filmtechnisch möchte ich mich als relativ offen bezeichnen. Wenn ich dich gut leiden kann, könnte ich mir auch eine der großen Serien der vergangenen Jahre anschauen und ewig lange monologische Abhandlungen deinerseits über mich ergehen lassen. Beziehungsweise natürlich aufmerksam lauschen. Aber wir haben ja Zeit, die dunklen Monate ziehen sich ja gerne wie Gummi.

Zu guter Letzt möchte ich mir die Möglichkeit offen halten, dass wir vielleicht doch mal das Haus verlassen. Nicht, weil uns ein leerer Kühlschrank dazu zwingt. Sondern aus ganz freien Stücken. Weil wir aus dem Fenster sehen, wie schön bunt die Blätter sind. Und wie herrlich sie in diesem goldenen Herbstlicht leuchten. Aber wie gesagt, das nur eventuell.

Über die Autorin

Hing sie früher an Jürgen von der Lippe, hängen ihre heute an Schnaps und schönen Floskeln. Damit ist sie leicht zu ködern, schwer zu ertragen und unmöglich zu halten. Oder doch? Denn verknallen geht schnell, verschwinden aber genau so. Zurück bleibt ein Rattenschwanz – manchmal mit Herzschmerz, manchmal als schöne Erinnerung und manchmal nur mit der Frage, wie das schon wieder passieren konnte?

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