Schnaps oder Liebe: Sei stark – es ist Sonntag

Das wahre Arschloch der Woche ist nicht etwa der Montag. Es ist der Sonntag – vor allem, wenn man Single ist.

Stuttgart – Nicht, dass ich hier jemandem die Stimmung versauen will, aber es ist Sonntag. Ist doch kein Problem! Wetter nice, Socken fly. Alles entspannt, alle hängen im Freibad ab und ganz ehrlich: Wann hast du das letzte Mal was bei Angelos bestellt? Eben, fühlen sich jetzt alle bestätigt. Kein Grund zur Panik, der Sonntag ist gar nicht mehr schlimm. Gibt ja auch zahlreiche Veranstaltungen, wenn es doch mal nicht das Freibad ist.

Every given sunday

Einen Moment der Ruhe. Spannungsbogen. Und dann Traumschlösser platzen lassen mit drei kleinen Worten:

Bald ist Winter.

Sommer, der ist trügerisch und lässt dich glauben, dass du nichts und niemanden brauchst, außer annehmbar verpestete Luft zum Atmen und leichte Weißweinschorle für angebrachtes Daydrinking.

Für diese paar Wochen im Jahr vernachlässigt man die Partnersuche und damit ist man eigentlich schon dem Untergang geweiht. Denn überall im Tierreich gilt: der Sommer wird genutzt, um den Winter zu überleben. Man sammelt Futter, baut sich vielleicht eine Höhle – und in unserem Fall sucht man sich ein Gegenüber. Sobald die Sonne und all das nicht mehr da ist, brauchen wir den. Jeden verdammten Sonntag aufs Neue. Dann gibt es keine entspannten Tage am See mehr. Und Daydrinking betreibt man nur noch mit frisch aufgegossenem Chai. Selbst die Kommunikation wird erschwert, da alle, verbarrikadiert unter einem Haufen Decken, ziemlich schlechten Empfang haben.

Und wenn man sich mal fürs Kino verabredet: Das ergibt drei Stunden Beschäftigung von einem immer noch ziemlich langen 12 bis 16 Stunden Tag.

Der Sonntag – eine Sommerliebe

Mit einem Winterbuddy – ob das jetzt der feste Partner oder eine von den Außentemperaturen abhängige Affäre ist, sei mal dahin gestellt – überlebt man die Tristesse der Sonntage viel leichter. Man kann zusammen unter den Decken abhängen, es macht einem auch nichts mehr aus, eine weitere Dokumentation über Lokomotiven zu sehen und sogar Kamillentee schmeckt, wenn man ihn teilt. Und sein wir ehrlich: kommt Langeweile auf, kann man jederzeit… richtig, Monopoly spielen.

Ich war ja gewillt, etwas Positives über den Sonntag zu schreiben. Es ist so gut mit uns beiden (Sunday & I) gelaufen in letzter Zeit, dass ich ihn völlig vergessen habe. Sonntage sind gekommen und verstrichen und haben sich nicht aus der Masse der Sonnentage hervorgetan.

Ich finde die Bezeichnung Single furchtbar.

Dann ist er mir wieder eingefallen und ich dachte mir: „Hey, die Leute auch mal aufbauen. Erzähl ihnen davon, dass es gar nicht schlimm ist, dass man ruhig wieder den Montag als schlimmsten Tag der Woche bezeichnen kann.“ Aber je mehr ich mich damit befasste und auseinandersetzte, desto klarer wurde mir: LÜGE.

Ich finde die Bezeichnung Single furchtbar. Ehrlich, ich finde es richtig schlimm, wenn man so abgestempelt wird oder es selber tut. Ich bin kein schlechterer Mensch, ich bin auch kein nur zur Hälfte vollständiger Mensch und mit mir stimmt auch wirklich alles! An sechs von sieben Tagen die Woche.

Denn an diesem einen wird dir vor Augen geführt, dass du der einzige Mensch auf der kompletten, weiten Welt bist, der sich langweilt, der sich sinnlos von rechts nach links dreht und dem auch Netflix nichts mehr bieten kann. Zumindest hat man diesen Eindruck. Was da hilft? Die Gewissheit, dass der nächste Sommer kommt.

Über die Autorin

Hing sie früher an Jürgen von der Lippe, hängen ihre heute an Schnaps und schönen Floskeln. Damit ist sie leicht zu ködern, schwer zu ertragen und unmöglich zu halten. Oder doch? Denn verknallen geht schnell, verschwinden aber genau so. Zurück bleibt ein Rattenschwanz – manchmal mit Herzschmerz, manchmal als schöne Erinnerung und manchmal nur mit der Frage, wie das schon wieder passieren konnte?

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