Schnaps oder Liebe: Liebe in jeder Beziehung

Eigentlich sitze ich gerade an einer Kolumne mit anderem Thema, in der ich mich schon wieder aufregen könnte über alles und jeden und überhaupt. Aber wie ich da auf meine Tastatur eindreschte, kam mir, dass es nicht förderlich sein kann, immer nur auf alles stinkig zu sein. Dafür gibt es schließlich auch Nörgeln in the City. Hier aber bei Schnaps oder Liebe darf es auch mal nicht nur um Gründe zum Frusttrinken gehen. Sondern vielleicht auch mal wirklich um Liebe. Deswegen machen wir heute genau das.

Stuttgart – Wir leisten heute Aufbauarbeit, damit wir auch emotional besser oben bleiben. In einer Welt, in der jeder beziehungsunfähig ist und in einer Stadt, in der man doch niemanden mehr kennenlernen kann, weil man gefühlt schon alle kennt, da brauchen wir das manchmal. Und was jetzt genau? Ganz simpel: Einfach die Bestätigung, dass wir sehr wohl beziehungsfähig sind. Dass wir alle naselang neue Leute kennenlernen. Und dass Beziehung viel mehr ist als mit voller Absicht die gleichen Jack Wolfskin-Jacken zu tragen.

Beziehungen, die führst du jeden Tag. Aber das merkst du gar nicht, so selbstverständlich laufen die. Die meiste Zeit jedenfalls. Und das ist ein gutes Zeichen! Kurzer Moment zur Freude und zum Schulterklopfen, bevor es weiter geht.

Liebe ganz alltäglich

Deine alltäglichsten Beziehungen sind die mit deinen Freunden und deiner Familie. Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass man sich Familie nicht ausgesucht hat. Da ist man irgendwie gelandet und jetzt muss man ein Leben lang mit diesen Menschen zurecht kommen, von denen man nicht mal sicher ist, ob man sie mögen würde, wenn sie nicht Familie wären und man sie einfach so kennengelernt hätte. Und genau das ist auch das Schöne daran: Deine Mama, die liebt dich. Ob sie dich gerade mag oder nicht, ob du Vorzeigekind oder Kopfschmerzbereiter bist. Nirgendwo gibt es eine so unumstößliche Liebe wie innerhalb eines gemeinsamen Genpools.

Deine Freunde, das ist so die Familie, die du dir ausgesucht hast. Und die harmonischsten Beziehungen, die du führst. Klar, nicht alle. Aber Freundschaften, die nicht funktionieren, die werden beendet. Und das ist okay, man muss nicht immer alle bis in die Nachspielzeit mitnehmen. Wenn sie aber funktioniert, dann hast du für gefühlt wenig Einsatz ein besonders großen Outcome. Denn der „Einsatz“, der geht einem mehr als leicht von der Hand. Man investiert sich und bekommt es gar nicht mit. Ich denke, das Geheimnis an Freundschaften ist die Erwartungshaltung. Man erwartet nicht, dass man sich jeden Tag beieinander melden muss. Man erwartet nicht, dass man sich aber mindestens drei Mal die Woche sieht. Das soll nicht heißen, dass man keine Erwartungen hat. Natürlich hat man die, das ist auch wichtig. Und auch in einer Freundschaft werden Erwartungen mal enttäuscht. Aber sie werden auch schneller verziehen. Denn auch das erwartet man: Dass man direkt, unkompliziert und ohne nachtragend zu sein, Streitigkeiten lösen kann. Wie man erwarten darf, dass der andere Verständnis hat. Die stehen nämlich auch in einer funktionierenden Beziehung zueinander: Erwartung und Verständnis.

Voll beziehungsfähig!

Und da ist eine letzte Beziehung in deinem Alltag, die auch deiner besonderen Aufmerksamkeit bedarf. In die du gerne das extra Quäntchen Liebe und Zuwendung stecken darfst – die Beziehung zu dir selbst. Wie alles auf dieser Welt ist diese wichtigste aller Beziehungen natürlich auch die komplizierteste. Allem voran, weil man sie so oft vergisst. Weil sie eigentlich so selbstverständlich ist, schließlich hängt man jeden Tag mit sich selber ab. Es ist schon klar, dass man da nicht immer Bock hat, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Denn von uns selber wissen wir ja am besten: Junge, sind wir kompliziert. Und Hilfe, können wir uns selber ganz gehörig auf die Nerven gehen. Jetzt das ABER, das wir dabei so gerne vergessen: Wir sind das wert. Gerade weil wir jeden Tag mit uns verbringen. Und egal, wer im Bett neben uns liegt – wenn wir vor dem Einschlafen die Augen schließen, sind es nur noch ich und ich.

Wenn man also kurz darüber nachdenkt, dann führen wir einige Beziehungen in unserem Leben. Und diese auch recht erfolgreich, muss man jetzt auch mal ganz deutlich sagen. Wer jetzt gleich den Zeigefinger in die Luft reckt, dem sei gesagt: Schluck dein Ja aber runter. Du bist beziehungsfähig. Ich habe auch nichts anderes erwartet.

Über die Autorin

Hing sie früher an Jürgen von der Lippe, hängen ihre heute an Schnaps und schönen Floskeln. Damit ist sie leicht zu ködern, schwer zu ertragen und unmöglich zu halten. Oder doch? Denn verknallen geht schnell, verschwinden aber genau so. Zurück bleibt ein Rattenschwanz – manchmal mit Herzschmerz, manchmal als schöne Erinnerung und manchmal nur mit der Frage, wie das schon wieder passieren konnte?

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