Schnaps oder Liebe: Ich habe mich von der Pille getrennt

Es gibt Trends und es gibt Trends. Aktuell schmeißen viele Frauen Hormone aus ihrem Haushalt. Nach grünen Smoothies und Yoga nur der nächste logische Schritt. Auf den letzten Wagen dieses Zuges ist auch unsere Autorin gesprungen. Und sie merkt: Es ändert sich einiges! Ihre Beobachtungen könnt ihr jetzt bei „Schnaps oder Liebe“ lesen.

Stuttgart – Ob das was Gutes ist, habe ich noch nicht entschieden. Denn Fakt ist: Es ist scheiße anstrengend. Scheinbar habe ich die letzten Jahre in einer Blase gelebt, die mich unberührt und unbekümmert hat sein lassen. Wenn mich der dritte Kerl in Folge doof im Regen hat stehen lassen, dann floss auch bei mir mal Wasser – in Form von Wein. Nicht etwa, weil ich traurig war über das Geschehene. Eher, weil ich scheiße wütend war, wie das gelaufen ist, wieso er so war, wie alle und warum das ausgerechnet wieder mir passiert ist. Aber das sind andere Themen für mindestens eine andere Kolumne.

Die Pille hat unseren Körper und uns voll im Griff.

Jetzt lebe ich seit knapp zwei Monaten ohne meine daily Shot Hormone. Nach der kurzen Zeit ist natürlich noch nicht alles wieder im Lot, aber es ist jetzt schon erstaunlich, welche Entdeckungen man macht. One for the Ladies: Erinnert ihr euch an diese Krämpfe, die man einmal im Monat bekommt?Ich jetzt auch wieder. Wow, ist das ätzend! Nach dem ersten Tag, an dem ich dachte, jemand spielt imaginäres Haareziehen in meinem Unterleib, wollte ich direkt in die nächste Apotheke sprinten – wie ein Junkie der Hormone.

Wovon ich verschont geblieben bin – bisher – sind die allerorts prophezeiten Pickel und der Haarausfall. „Bitte was?“, werden jetzt sicher einige denken. Ja Freunde, ich war auch erstaunt, als ich damals mit meiner Recherche über das Absetzen begonnen hatte. Diese Pille hat unseren Körper und uns scheinbar voll und ganz im Griff. Und wenn wir uns ihrer Magie entziehen wollen, dann straft sie uns mit Schmerzen, Emotionen und nimmt uns unsere Schönheit. Es ist wie eine Mischung aus „Das Bildnis des Dorian Gray“ und „Der unglaubliche Hulk“.

Ich mag Menschen.

Aber ehrlich gesagt: Wie schlimm wären Pickel und ein paar Haare weniger denn? Wenn ich Glück habe, fallen mir die Haare unter den Armen oder an den Beinen aus. Das würde immens viel Zeit und Rasierklingen und mir somit ein kleines Vermögen sparen. Und zu den Pickeln. Ein bisschen jugendlichen Touch kann doch jeder gebrauchen, oder?

Es gibt bisher nur eine Veränderung, die ich wirklich tragisch finde. Es ist ein tiefer Einschnitt in mein Leben. Etwas, das meine Beziehung zu meiner Familie, meinen Freunden und Menschen im Allgemeinen überdenken lässt. Es sind – wahre Gefühle. Und die Nähe zu anderen haben zu wollen. Mit Ende 20 muss ich meine Muschelbehausung wohl verlassen und mein Einsiedler-Dasein ablegen. Denn – und der geht mir jetzt nicht leicht über die Lippen – ich mag Menschen. Ich will mit ihnen reden, ich will sie anfassen, ich will meine Freunde ständig umarmen. Vor kurzen bin ich morgens schweißgebadet aufgewacht. Ich hatte keinen Sextraum in der Nacht. Ich hatte einen Kuscheltraum. Und spätestens da stand ich wirklich schon auf der Schwelle zur Apotheke.

Über die Autorin

Hing sie früher an Jürgen von der Lippe, hängen ihre heute an Schnaps und schönen Floskeln.

Damit ist sie leicht zu ködern, schwer zu ertragen und unmöglich zu halten. Oder doch? Denn verknallen geht schnell, verschwinden aber genau so. Zurück bleibt ein Rattenschwanz – manchmal mit Herzschmerz, manchmal als schöne Erinnerung und manchmal nur mit der Frage, wie das schon wieder passieren konnte?

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