Schnaps oder Liebe: Hilfe, ich bin schwanger

Unsere Kolumnistin glaubt, dass sie schwanger ist. Oder sein könnte. Jedenfalls ist irgendetwas komisch. Wie sich das anfühlt? Genau so:

Stuttgart – Zugegeben, die Angst hatten wir alle schon mal. Ob es realistisch möglich sein könnte, spielt dabei gar keine Rolle. Wenn der Körper durchdreht, schleicht sich der Gedanke ganz automatisch ins Gehirn. Wo Männer sich sorgen, dass die krank werden und besser mal einen Tee trinken, ist bei uns der Gang in die Apotheke schon vorbereitet.

Ich kenne meinen Körper!

Ich kenne keine Frau, die nicht schon mal mindestens einen Tag lang diese Panik hatte. Meistens findet die körperliche Verwirrung dann statt, wenn eigentlich die Periode starten sollte. Weil: der menschliche Körper ist ein Uhrwerk nach preußischem Vorbild. Wenn bis Freitag, 13.30 Uhr nichts zwickt – hallo, kann da mal jemand kontrollieren? Fehler im System!

Manchmal tritt die gedankliche Scheinschwangerschaft aber auch völlig losgelöst vom Zyklus auf. Da hat man so einen Druck im Unterleib. Oder aber Heißhunger am laufenden Band. Hochgradig kritisch wird es, wenn man das isst, was man eigentlich nicht mag. Ich für meinen Teil bin gar kein Fan von Süßigkeiten. Schokolade und Co. sind im Supermarkt bei mir das Schattenreich. Da geht man nicht hin. Wenn ein Ernährungsberater meine Essgewohnheit der letzten Woche anschauen würde, er würde kündigen. Fristlos. Denn davon hin zu Berliner, Blätterteigteilchen und einer ganzen Packung M&M’s war es nur ein kurzer und schmerzloser Weg.

Dass einem dann irgendwie häufig übel ist, ist eigentlich kein Wunder. Treibt einen aber trotzdem weiter in Richtung Baby Walz. Auch wenn es gar nicht sicher ist, dass man tatsächlich schwanger ist. (Entschuldigung, ich kenne doch meinen Körper. Ich werde ja wohl noch merken, wenn irgendwas anders ist!) Die Grundausstattung will gesichert sein.

Evolution, du kleiner Schlingel

Jeder, der an dieser Stelle jetzt denkt: „Typisch Frau, Hauptsache shoppen“, darf einfach aufhören zu lesen. Denn das hat nichts mit den einkaufswütigen Vertreterinnen unserer Spezies zu tun. Das ist Evolution. Es ist nämlich wirklich so, dass man ab einem gewissen Alter nicht mehr in die Babyabteilung eines Kleidungsfachgeschäftes gehen kann, ohne dass der ganze Uterus leuchtet. Egal, ob man jetzt denkt, man sei schwanger oder nicht. Das passiert 30 Tage im Monat. Dieses gewisse Alter setzte bei mir so mit 27 Jahren ein. Vermutlich dann, als die Natur mir mitteilen wollte, dass ich den Zenit so langsam überschreite, was meine natürliche Fruchtbarkeit angeht.

Deswegen gehen wir jetzt in die Vollen, denkt sich die körpereigene Marketingabteilung. „Leute, unser Auftrag ist nichts geringeres, als den Fortbestand der Menschheit zu sichern. No pressure, aber ich will, dass ihr euer Bestes gebt!“ Schüchterner Praktikant meldet sich zu Wort: „Chef, wie wäre es, wenn die Frau an nichts mehr vorbei gehen kann, das was mit Baby zu tun hat, ohne völlig auszurasten?“ „Das ist gut! Das machen wir, Babycontent all over the place! Aber – wer bist du eigentlich?“

So oder so ähnlich läuft das ab, wenn man auf die 30 zugeht und dann mit Heulkrampf vor dem Schaufenster der Babyausstatters steht. Wieso? Natürlich weil es so süß und klein ist! Was eine Frage.

Tragende Rolle: der Vater

Ob man jetzt eingebildet schwanger ist, hängt im Übrigen auch stark vom potenziellen Vater ab. Da gibt es Kandidaten, da denkt man: Alles klar, irgendwie schaukeln wir das Kind schon (ein Tusch für den Spruch!). Dann wiederum rechnet man zurück und denkt sich: Nope, du auf keinen Fall. Ignoriert werden die Symptome, die Schokolade zurück ins Regal gelegt und die Hand vom Bauch genommen. Wird schon nichts sein, denkt man dann. Einfach, weil man mit diesem Vater nicht das ganz Leben verbandelt sein will.

In meinem Fall war es dann doch was. Eine Erkältung und – wer hätte das gedacht – fette PMS.

Titelbild: Rawpixel/Unsplash

Über die Autorin

Hing sie früher an Jürgen von der Lippe, hängen ihre heute an Schnaps und schönen Floskeln. Damit ist sie leicht zu ködern, schwer zu ertragen und unmöglich zu halten. Oder doch? Denn verknallen geht schnell, verschwinden aber genau so. Zurück bleibt ein Rattenschwanz – manchmal mit Herzschmerz, manchmal als schöne Erinnerung und manchmal nur mit der Frage, wie das schon wieder passieren konnte?

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