Schnaps oder Liebe: Date mich, bitte!

Wir haben uns getroffen – zunächst nie und dann ganz oft. Dabei bin ich anfangs ganz cool geblieben. Bis ein Konzert alles geändert hat.

Stuttgart – Es war ein Donnerstag – an dem ist eigentlich gar nichts Spannendes passiert. Außer, dass wir uns wirklich getroffen haben. Ganz in echt und Farbe – und mit Anfassen. Also einer Umarmung zur Begrüßung. Und was soll ich sagen? Es war schön, aber auch unaufgeregt. Ich war unaufgeregt und wähnte mich schon aus dem amourösen Schneider. Ich war mir so sicher, dass wir uns noch einige Male danach getroffen haben und es immer cool war. Ich war immer cool. Und dann gingen wir auf ein Konzert.

Auslöser gesucht

Und mit einem Mal war alles anders und ich weiß einfach nicht, was da passiert ist. Wenn ich das rausgefunden habe, wüsste ich auch noch gerne, wie das passiert ist. Lag es daran, dass wir nur zu zweit waren? Lag es an der Musik? Oder allgemein an den überwabernden Energien zwischen Bühne und Publikum? So eine Art fehlinterpretierte Spannung, die eigentlich von allen zum Künstler geschickt wurde. Und von der ich dachte, sie wird von ihm auf mich übertragen.

Es war aber nicht nur dieses Konzert, es war der gesamte Abend. Denn mit der ersten Begrüßung hat sich einiges anders angefühlt. Plötzlich war ich aufgeregt. Und er auch, zumindest nehme ich das an und dem Etikett seiner Bierflasche nach zu urteilen, stimmte es auch. Sonst haben wir uns immer getroffen, und plötzlich schien es ein Date zu sein. Da ist was gehörig falsch gelaufen, tadelte ich mich und ging das neu entstandene Problem recht souverän an: mit fünf Bier im Kopf. Klar, damit denkt es sich leichter und fühlt es sich gar nicht mehr. Soweit die Theorie.

Hallo, mein Name ist Stein und vielleicht bin ich ein Trottel

Die Realität sieht aber so aus: Seitdem bin ich von Souveränität, Entspanntsein und Natürlichkeit ungefähr so weit entfernt wie Micaela Schäfer von Ganzkörperbekleidung. Wir haben uns auch nach diesem verhängnisvollen Abend noch ein paar Mal gesehen, aber die Leuchtlettern DATE hingen nicht mehr über dem Geschehen. Mein krampfiges Schneckenhaus, in das ich mich bisweilen zurückgezogen habe, schon.

Wie es jetzt weitergeht? Sehr erwachsen natürlich: Ich melde mich nicht. Was ich damit bezwecke? Dass er sich meldet natürlich. Wie erfolgsversprechend diese „Ich melde mich nicht, wenn er mich will oder mag oder sonst auch nur IRGENDWAS, dann wird er sich melden“-Masche ist – das sehen wir dann in der nächsten Kolumne.

Über die Autorin

Hing sie früher an Jürgen von der Lippe, hängen ihre heute an Schnaps und schönen Floskeln. Damit ist sie leicht zu ködern, schwer zu ertragen und unmöglich zu halten. Oder doch? Denn verknallen geht schnell, verschwinden aber genau so. Zurück bleibt ein Rattenschwanz – manchmal mit Herzschmerz, manchmal als schöne Erinnerung und manchmal nur mit der Frage, wie das schon wieder passieren konnte?

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