Schau-
spielerin Paula Skorupa über ihr neues Leben in Stuttgart

Mit Beginn der letzten Spielzeit kam die Dresdner Schauspielerin Paula Skorupa aus Karlsruhe ans Stuttgarter Staatstheater. Das findet sie nicht nur deswegen gut, weil sie Schwäbisch viel besser versteht als Badisch.

Stuttgart – Für einen Umzug in eine andere Stadt gibt es viele Gründe. Die Liebe, der Job, das Fernweh, zu viel verbrannte Erde oder zu wenig Kohle. Bei Paula Skorupa war das ein wenig anders. Der Schauspielerin ging es weniger um eine bestimmte Stadt als um ein bestimmtes Theater. In ihrem Fall war das das Nationaltheater Mannheim. Dessen Intendant Burkhard C. Kosminski hatte zwar keine Stelle frei, das Interesse an einer Zusammenarbeit bestand aber beidseitig. „Als klar war, dass er nach Stuttgart gehen und dort ein neues Ensemble zusammenstellen würde, entschieden wir uns für eine Zusammenarbeit“, erinnert sie sich, als wir sie am Marienplatz treffen. Es ist warm, die Sonne scheint, die Plätze im Freien sind so begehrt wie Ramen-Bowls.

Mir gefällt die Offenheit der Stadt

Wer da jetzt einen kleinen Stich im lokalpatriotischen Herzen fühlt, dem sei versichert: Das ist normal im Schauspielerdasein. Man kann nicht einfach sagen, dass man gern mal am Theater in Stuttgart oder Hamburg arbeiten würde. Meist findet man sich unabhängig von der Stadt. Dennoch wusste Paula, worauf sie sich einließ: Das Schauspiel Stuttgart kannte sie schon von einem früheren Besuch. Schon damals gefiel ihr das Haus, seine Tradition und die schöne Lage im Park und dem Eckensee.

Seit einigen Monaten wohnt sie in einer Altbauwohnung am Marienplatz und hatte genügend Gelegenheit, ihr Quartier kennenzulernen. „Mir gefällt die Offenheit der Stadt. Den Marienplatz finde ich eh spitze, der erinnert mich ein wenig an die Dresdner Neustadt.“ Dort wuchs Paula auf. Seither hat sie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin studiert und stand auf Bühnen in Berlin, Frankfurt, Dresden oder Karlsruhe.

Brennende Oberschenkel und ein neues Fahrrad

Was Stuttgart all diesen Städten voraus hat, ist der Schlossgarten, sagt sie. „Ich laufe viel und fahre fast alles mit dem Fahrrad. Als ich das erste Mal merkte, wie weitläufig dieser Park ist, war ich einfach baff.“ Sie lacht. „Der hört ja gar nicht mehr auf, grün zu sein.“ Das Schauspiel probt im Nord, einer ehemaligen Spielstätte des Theaters am Löwentor, wo sie auch mit dem Fahrrad hinfährt. „Diese Strecke viermal am Tag zu machen, führt schon zu brennenden Oberschenkeln“, versichert sie lachend. Auch deswegen habe sie sich erst mal einen neuen Drahtesel für die besondere Topografie der Stadt gekauft. Und noch etwas imponiert der 27-Jährigen an unserer Stadt: „Das Publikum ist nicht unkritisch, aber sehr wohlwollend“, stellt sie fest.

Foto: Maks Richter

Echte Freiheit

Ihr erster Einsatz in Stuttgart: Die beißende Komödie „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“. In der tauschen sich die Gattinnen ehemaliger Diktatoren bei einer Pressekonferenz über ihre Ehemänner aus. Am 8. März steht sie wieder für „Orestie“ auf der Bühne, ein fast vierstündiger Ritt durch die antike Tragödie.

Was ihr an der Schauspielerei am meisten gefällt, bringt sie erst zum Nachdenken. Und dann zu einem regelrechten Monolog. „Der Beruf hat viel mit Freiheit zu tun“, fasst sie dann zusammen. „Er erlaubt mir, auf Entdeckungsreise zu gehen. Das ist im Alltag nicht immer leicht. Wir alle haben heute weniger Zeit und mehr Druck. Doch wenn man eine Arbeit hat, die es erlaubt, das Menschsein und die Welt zu erforschen, dann ist das ein großes Geschenk.“

Neugierig muss man dafür natürlich sein. Aber dann wiederum braucht man im Leben immer Neugierde, findet sie. „In diesem Beruf darf man der Neugierde wahrscheinlich mehr nachgehen als anderswo.“

Eckkneipen über alles!

Wenn sie mal Freizeit hat, ist sie gern im Grünen oder verhockt sich in alten Pinten. „Diese alten Eckkneipen sind noch ein echtes Stück Stadtleben“, meint sie verzückt. Eine davon ist nicht weit von ihrer Wohnung am Marienplatz entfernt. Diese Wohnung hat sie übrigens tatsächlich über eine Zeitungsanzeige bekommen. Sie muss lachen. „Man hat mir gesagt, dass die Schwaben da noch etwas altmodischer sind und so etwas funktioniert.“ Von wem dieser Tipp kam, konnten wir ihr nicht entlocken. Dafür jedoch ihre Einschätzung gegenüber anderer rufschädigender Klischees. „Ich nehme die Stadt und die Menschen als sehr offen war“, sagt sie. „Und wenn man auf sie zugeht und sich bemüht, wird das auch anerkannt.“ Können wir so stehen lassen. Und dann kommt eh der Satz der Sätze: „Das Schwäbische verstehe ich deutlich besser als das Badische.“ Okay, Paula, du darfst bleiben.

Mehr über Paula: https://www.schauspiel-stuttgart.de/ensemble/paula-skorupa/

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