Sarah Bantle macht aus alt wieder neu

„Renew your stuff“, lautet das Motto von Sarah Bantle und ihrem Label H_51 Design. Nachhaltigkeit statt Konsum, Wiederbeleben statt Einmotten. Eines ihrer Herzensprojekte ist das Neu-Inszenieren alter Erbstücke oder Lieblingsteile.

Stuttgart – Nur dann produzieren, wenn man weiß, dass man etwas braucht — so lautet der Grundsatz von Sarah Bantle und ihrem Label H_51 Design. Die 31-Jährige weiß: Es ist der Konsumgedanke, von dem wir Menschen loskommen müssen. „Nachhaltigkeit kann nicht auf Masse funktionieren“, betont Sarah. Es sei noch zu fest in den Köpfen verankert, dass Trends die Mode bestimmen. Und wer etwas auf sich hält, probiert möglichst viele davon aus.

Nachhaltigkeit beginnt im Kleinen

„Je länger ich in der Modebranche tätig bin, umso mehr fällt mir die Massenproduktion von Kleidung auf. So viele Teile hängen auf Messen oder in Lagern und man weiß nie, ob man das alles jemals losbekommt. Am Ende vergammeln die Reste irgendwo auf Müllbergen. Da blutet mir das Herz.“ Dabei beginnt das Umdenken schon im Kleinen: „Heutzutage sollte mehr auf Qualität gesetzt werden, so schafft man einen höheren Anreiz für die Reparatur von einzelnen Stücken. Auch Secondhand kaufen und gebrauchte Dinge wiederbenutzen unterstützt den Nachhaltigkeitsgedanken.“ Die freiberufliche Modedesignerin will Alternativen bieten, jedoch niemanden schlechtmachen: „Mir ist es wichtig, nicht mit dem Finger auf Menschen zu zeigen und zu sagen: Hey du kaufst bei Primark, du machst alles falsch!“

H_51 Design: Der Wunsch nach Veränderung

Als staatlich anerkannte Mode- und Produktentwicklerin, begann Sarahs Weg nach ihrer Ausbildung bei dem Kindermoden-Label Macarons. Mit dem ersten Kind und einer internen Strukturierung auf Slow Fashion, wusste Sarah, dass sie sowohl der Familie als auch dem Job nicht länger gleichermaßen gerecht werden kann. Zudem wurde ihr Wunsch nach Unabhängigkeit immer größer. Mit H_51 Design gründete sie das erste eigene Label, ein echtes Herzensprojekt. Sarah arbeitet von zu Hause aus, im Stuttgarter Westen, Hausnummer 51 — das erklärt auch den Labelnamen. In der oberen Etage ihrer Wohnung hat sie sich eine Werkstatt eingerichtet. Dort schneidert sie, bastelt und sammelt fleißig für ihre zweite Leidenschaft: alte Gegenstände von Sperrmüll, Trödelläden und Co. „Ich rette gerne zurückgelassene Dinge und verwandle sie mit etwas Überarbeitung wieder in etwas Neues.“

„Renew your stuff“

Mit dem Wort „Upcycling“ kann sie sich nur schwer anfreunden. Kleidung erneuern, das ist ihr Credo. Sarah repariert alte, kaputte Stücke so, dass sich am Ende die Frage stellt: „Wie, das war mal etwas anderes?“

Hinter „Renew your stuff“ steckt jedoch nicht nur ein hoher Designanspruch, sondern auch der Wertschätzungsgedanke gegenüber materiellen Dingen. Für Sarah spielt das eine wichtige Rolle. Der Respekt vor Textilien und deren Hintergrundgeschichte. So nimmt der Kreativkopf auch Aufträge entgegen, um vererbte Stücke mit hohem emotionalem Wert, für die es im Originalzustand leider keine Verwendung gibt, in etwas Neues, Wiederverwendbares zu verwandeln.

Tragbare Erinnerungsstücke

So entsteht aus dem alten Hut von der Oma eine neue Umhängetasche oder aus dem Anzug des verstorbenen Mannes ein Kostüm. Alles tragbare Erinnerungsstücke, die anstatt im Kleiderschrank zu verstauben, nun ihren Weg zurück auf die Straße finden.

Dein Stück Fluxus

Nach ihrer Teilnahme am Fashion-Event Hinter Glas, entstand eine weitere Zusammenarbeit mit dem Fluxus. In Absprache mit Organisatorin Maya Saric und dem Fluxus-„Daddy“ Hannes Steim, verwandelte Sarah die Banner aus der Calwer Passage in eine limitierte Taschenkollektion, die es zum Abscheid im Là Pour Là zu ergattern gab. Auch hier sei etwas Neues in Planung. Immerhin wären noch einige Planen und Plakate über. Genaueres wollte die Designerin aber noch nicht verraten.

Es muss sich etwas ändern

Für Sarah steht fest: Es ist notwendig, dass die Menschen umdenken und ihren Konsum in Frage stellen. „Ich folge auf Instagram einem Mann aus Indien, der dort Baumwoll Basic Shirts zu fairen Preisen herstellt. Er hat ein Bild gepostet mit der Aussicht aus seinem Wohnzimmerfenster. Das sah auf den ersten Blick aus wie der Birkenkopf, war aber ein riesen Müllberg aus Textilien. Da habe ich mich echt erschrocken.“ Es muss wie ein Kreislauf funktionieren: „Auch wenn Textilien am Ende in kleine Teile geschreddert werden, bleiben diese dann irgendwo liegen und zersetzen sich nicht.“ Es bedarf also neuer Lösungen wie kompostierbare Textilien oder Gewebe, die wiederverwertet werden können. Auch Sarah Bantle hat das erkannt: „Vor kurzem war ich in einer Strickerei mit einer Frau, die nach einem Cradle to Cradle-Prinzip arbeitet, also aus Naturmaterialien wie Hanf und Leinen Kleidung herstellen will. Das finde ich super spannend.“

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