Running Against Racism: Stuttgarter Artists sammeln Spenden mit Sampler

Rassismus prägt unseren Alltag, ist da, macht traurig – und wütend. Der Kampf dagegen darf, wenn es nach einer bunten Mischung an Stuttgarter DJs und Produzenten geht, nicht nur ein Hype bleiben. Mit ihrem Sampler Running Against Racism setzen sie ein musikalisches Zeichen, sammeln Spenden und bleiben laut.

Stuttgart – Es sind unruhige Zeiten, in denen wir leben. Corona hat das Weltgeschehen weiterhin fest im Griff, die Party- und Eventszene im Kessel wird zum Sündenbock der Stuttgarter Krawallnacht degradiert, die Ermordung von George Floyd entfacht die Debatte um Alltagsrassismus und Polizeigewalt vehementer denn je. Letzteres erschütterte uns tief und doch hielt die Welle der Solidaritätsbekundung – erinnert sich noch jemand an den #blackouttuesday? – nicht lange an. Nach vier statt zwei Wochen scheint sich der Hype in Luft aufzulösen, alles geht seinen gewohnten Gang, wie immer. Doch nicht ganz. Der Begriff „Stammbaumforschung“ soll von der Stuttgarter Polizei bei der Untersuchung zu den Hintergünden der Krawallnacht gefallen sein und erntet gerade heftigste Kritik. Richtig so. Denn jetzt – und dabei längst überfällig – ist es an der Zeit, ‚Racial Profiling‘ zu thematisieren, sich seiner Privilegien bewusst zu werden und laut zu bleiben. Das zumindest sehen 13 DJs und Produzenten, unter anderem aus Stuttgart, als ihre Aufgabe und haben einen Sampler kreiert, der als musikalische Kampfansage gegen Rassismus interpretiert werden darf: Running Against Racism.

13 Artists, 13 Tracks, ein Spendenziel

Von welchen Artists ist die Rede? Ein bunter Haufen an DJs, Produzenten und Beat-Makern aus Stuttgart, Schwäbisch Hall, Tübingen, Berlin und Italien rund um Delinquent Network, genauer Anton aka K.Popo und Aljosha aka Louis XIV, Roman Karou und Thorsten aka Imhighimsorry. Man kannte sich vom Skaten und Auflegen im Club, hatte längst Bock, musikalisch gemeinsame Sache zu machen. „Durch den Tod von George Floyd, die Black Lives Matter-Bewegung und die Welle, die aus den USA zu uns schwappte, kam uns die Idee, einen Sampler zusammenzustellen und das als Stuttgarter Projekt laufen zu lassen. Wir wollten einfach unseren Beitrag leisten.“

Und dann ging eigentlich alles ganz schnell. „Jeder der selbst Musik macht, kennt das: Man hat immer irgendwelche angefangenen Tracks übrig.“ Die Kunst sei es letztendlich gewesen, diese zu sammeln, einheitlich zusammenzufassen und dadurch, dass man viele Artists miteinspannt, die Reichweite zu vergrößern, um mit dem Werk am Ende jede Menge Spenden zu sammeln.

Es ist der offiziellle BLM-Sampler aus dem Kessel. „Wir haben Stuttgart wieder auf die Karte gepackt!“

Der Großteil der Tracks war bereits gemixt. Es habe Spaß gemacht daraus ein großes Ganzes zu machen. „13 Tracks in einer Woche, das geht auch nur wenn man den Zweck im Hinterkopf hat.“ Schwarze Kacheln beim #blackouttuesday, schön und gut – aber es darf nicht nur bei einer Aktion bleiben. Es muss ein Dauerthema werden, so wie Umweltschutz. „Die Hoffnung ist, dass Rassismus bewusster wahrgenommen wird. Man kann Geschichte nicht umschreiben, aber man kann etwas ändern“, so die Künstler.

Wir glauben nicht, dass es damit getan ist, beim Thema Rassismus einfach nur Bewusstsein zu schaffen, im Sinne von: Ja ist doof, aber jetzt machen wir weiter wie gewohnt. Man muss aktiv sein, progressiv und ein bisschen übertreiben, um diesen Rückstand wieder aufzuholen.

Und da sind wir uns alle einig: Der Kampf gegen Rassismus, das Checken der eignen Privilegien und sich engagieren, darf nicht nur ein Hype sein. „Deshalb steht unsere EP auch weiterhin zum Download bereit!“ Und dabei soll es nicht bleiben: Es wird einen zweiten Sampler geben, mit neuen Künstlern und einem anderen, lokalen Spendenziel in Deutschland beziehungsweise Stuttgart. Also: Stay tuned und checkt Running Against Racism aus!

Running Against Racism

R.A.R. (Running Against Racism) ist ein Projekt, das wir, aufgrund der aktuellen Lage, zusammengestellt haben. Dieses Projekt repräsentiert reine Gleichberechtigung, Liebe und Zusammenhalt aller Menschen, unabhängig von sozialer Klasse, Herkunft oder anderen Faktoren, die in unserer Gesellschaft als Stigma gekennzeichnet werden. Mit dem Kauf dieses Samplers haben wir uns entschieden, 100 Prozent unserer Einnahmen an das Grassroots Law Project zu spenden, das sich gegen die White Supremacy, Scheinheiligkeit, Gier und Korruption, die im Zentrum von Polizeigewalt als Attribute der modernen Macht stehen, einsetzt.

Hier geht’s zum Sampler >>>

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