Rosamunde Pilcher: Ruhe in Friede, Freude, Eierkuchen

Stadtkind-Autor Philip Stoeckenius hat eine nachvollziehbare Liebe für die Filme zu den Romanen von Rosamunde Pilcher. Mit Mama vor dem Fernseher in Spielfilmlänge einen gemütlichen Sonntagabend genießen. Was gibt es Schöneres?

Stuttgart – Rosamunde Pilcher ist gestorben – und mit ihr der Sonntagabendkitsch aus teuren Autos, royalen Anwesen und weißen Klippen. Tief in meinem Inneren habe ich immer von diesem Leben geträumt. Das liegt wohl daran, dass ich Zeit meines Daseins mit Rosamunde-Pilcher-Filmen sozialisiert wurde, irgendetwas muss da hängengeblieben sein.

Love it or love it!

Lacht nicht! Den Kitsch habe ich natürlich schon in den jüngsten Jahren durchschaut. Von meiner Oma mit Schlager zugedröhnt, von Mama mit Pilcher-Ästhetik überschüttet, ist mir früh aufgefallen, dass der Alltag dann doch nicht so klingt und aussieht, wie er sowohl im Radio als auch im TV gezeigt wird. Und trotzdem war ich ein heimlicher Fan. Durch verbale Einwürfe auf dem Sofa zeige ich zwar fortwährend ein wenig Unmut. Fangen wir jetzt aber nicht an über die festgefahrenen Rollenvorstellungen bei Rosamunde Pilcher zu sinnieren, sonst ändere ich meine Meinung sofort drastisch.

Ich finde es einfach zu schön, meiner Mama bei ihrem mimischen Feuerwerk zuzusehen. Endlich: Harry und Amanda geben sich Punkt 21:15 Uhr, wie jedes Mal, den langersehnten ersten Kuss. Der Nebenbuhler und für die Zuschauer unsympathisch wirkende Matthew, auf den Amanda beinahe hereingefallen wäre, saust in seinem Mercedes-Cabrio verärgert die Klippenstraßen von Cornwall davon. Man kann die Uhr danach stellen. Same procedure as every…!

Es ist zumindest auf dieses Schema F der dramaturgischen Gestaltung von Rosamunde Pilcher heutzutage noch Verlass. Bei all den Veränderungen, die das Leben sonst so bereit hält.

Zuhause ist es doch am Schönsten!

Bei meinen bisherigen Freundinnen gab es häufig komische Blicke, wenn ich Sonntagabends vorgeschlagen habe, „man könnte sich ja einen Pilcher ansehen“. Dass es dann doch meistens ein neuer Film von Caspar Noe oder „ein Lars von Trier“ wird, liegt an der street-credibility.

Ehrlicherweise bin ich froh, dass ich nach Hause zurückkehren kann und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit, die sonst nur in Rosamunde-Pilcher-Filmen gegeben ist, einen Rosamunde-Pilcher-Film ansehen zu dürfen. Dann schaue ich bei herzzerreißenden und kitschigen Szenen meiner Mama von der Seite beim 94 Jahre alt werden zu. Alles Gute da oben Rosamunde Pilcher. Hoffe die Frisur sitzt. Du bist sicherlich uncool aber genau das macht dich sympathisch!

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