Rosa und Carl Altmann zeigen Bilder in der Skatehalle

Der Stuttpark ist seit zwei Jahren der Spot für die Skateszene, wenn es im Winter zu kalt ist, um draußen zu skaten. Neben Tricks auf dem Brett werden dort seit Samstag Werke der Geschwister Rosa und Carl Altmann gezeigt.

Stuttgart – Kurz vor der Ausstellungseröffnung geht es im Stuttpark am Cannstatter Bahnhof am Samstagabend noch hektisch zu. Kurz vor knapp werden die letzten Bilder an die Wand genagelt, Getränke und Essen bereitgestellt und das DJ-Equipment angeschlossen. Die letzten Tage waren stressig für Hausleiter Phil Anderson und die Geschwister Rosa und Carl Altmann. Doch obwohl die Halle selbst zunächst für die Skater gesperrt bleibt, kommen an die Hundert, um sich die Ausstellung der beiden Skater im Vorraum und auf der Hallenempore anzusehen.

Die Skatehalle ist ihr Wohnzimmer

„Rosa ist nicht Carl“ ist die erste Ausstellung der beiden, die, seit es den Stuttpark gibt, regelmäßig hier skaten. „Ich bin hier dauernd, für mich ist das mein Wohnzimmer gewesen im Winter“, sagt die 15-jährige Rosa. Weil sie dem Hausleiter Phil Anderson immer wieder Werke von sich präsentierte und ihm auch schenkte, kam ihm die Idee einer Ausstellung. Rosa hatte Lust, wollte aber unbedingt ihren Bruder Carl dabeihaben. Der 19-Jährige hat im vergangenen Jahr sein Abitur geschrieben und ist großer Fan von Zeitschriften und Magazinen. So sind auch viele seiner Werke entstanden, die im Obergeschoss und in der Galerie auf der Hallenempore zu sehen sind.

Carl bedient sich an Skate- und Musikmagazinen oder den Zeitschriften seiner Eltern. „Die Sachen die mir gefallen habe ich immer ausgeschnitten und später zusammengehauen“, sagt Carl. Entstanden sind dabei farbenreiche und lebhafte Werke, mal mit Comicfiguren vor schwarz-weißer Bergkulisse, mal mit Schablonen gesprühte Buchstauben auf einer Collage aus Kassenzetteln. Die Schablonen gefallen ihm besonders, weil sie ständig wiederverwendet werden können. Einige der Werke möchte er auch für die Mappe verwenden, die er derzeit für die Bewerbung an der Akademie der Bildenden Künste am Killesberg zusammenstellt. Dort möchte er Kommunikationsdesign studieren – passend zu seinem Faible für Gedrucktes.

Ein Phantom aus London

Keine Kassenzettel, dafür aber Verleihbelege aus der Stadtteilbibliothek West hat Rosa im Untergeschoss zu einer Collage zusammengebastelt. „Früher habe ich richtig viel gelesen und viel ausgeliehen“, sagt Rosa, die im Moment die 10. Klasse besucht. Über den Belegen thront ein kantiges Gesicht, die Konturen mit roter Farbe gezeichnet. In vielen ihrer Werke, findet sich der Hinweis auf „The Cool Guy“. Als sie in London war habe sie ein Werk gesehen, das mit selbigen Worten signiert war, für sie eine coole Unterschrift. Das Phantom hat sie aus London mit nach Stuttgart in ihre Werke gebracht, „das ist auch der Leitgedanke meiner Ausstellung“, sagt sie. Weniger zum Leitgedanken, dafür zur guten Portion Humor passt dagegen das Werk „Copy, Copy, Copy“, das das plattgedrückte Gesicht der 15-Jährigen auf einem Kopierer zeigt.

Zuhause haben die Geschwister früh angefangen zu zeichnen und zu malen. Die Kunst ist Teil der Familie – der Vater ist Fotograf, die Mutter Restauratorin. „Unsere Mama hat uns früher in sämtliche Museen geschleppt, obwohl wir keinen Bock hatten“, gibt Carl zu und lacht. Die Museumsbesuche scheinen Früchte zu tragen. Beide werkeln wie wild – viele von Rosas Werken entstehen gar während des Unterrichts in der Schule. Das erklärt auch den Größenunterschied ihrer Werke: Während Rosas Bilder eher kleinteilig sind, haben Carls Werke Maße, die sich nicht so leicht im Schulbuch verstecken ließen.

Alles andere als Streithähne

Wenn nicht gemalt, zerschnitten und gezeichnet wird, gehen die beiden raus und skaten. Mit dem Titel der Ausstellung „Rosa ist nicht Carl“ wollen sie zeigen, dass sie zwar viele ähnliche Interessen haben, trotzdem aber jeder für sich anders ist. Rosa möchte sich durch das Skaten und die Arbeiten auch behaupten. „Bei den Skatern war ich immer die kleine Schwester von Carl, ich möchte auch, dass Carl der Bruder von Rosa ist“, sagt sie. Carl hat damit kein Problem, offensichtlich sind die beiden untereinander sowieso alles andere als Streithähne.

Das hat auch Phil Anderson vom Stuttpark imponiert und zur Idee der Ausstellung gebracht. „Rosa und Carl kommen seit Tag eins hier her, anfangs wusste ich aber gar nicht, dass sie Geschwister sind.“ Nachdem die beiden zur Ausstellung zugesagt hatten, haben sie die Ausstellung in vier Wochen auf die Beine gestellt. „Mir war es wichtig zu zeigen, wie besonders es ist, dass die zwei so viele Gemeinsamkeiten haben, beide aber trotzdem ihren eigenen Stil haben – sowohl im Skaten als auch im Zeichnen“, sagt Anderson.

Im Stuttpark hätten sie die Möglichkeit, solch eine Ausstellung umzusetzen. „Vorher gab es zwar eine Skatehalle, da hat man aber noch nicht so weit gedacht“, sagt er. Auch in Zukunft wollen sie Ausstellungen planen, wichtig sei der Bezug zum Skaten. „Die Plattform ist da und wir nutzen sie auch“, sagt Anderson. Nach der Ausstellung wurde am späten Abend auch die Halle für die Skater wiedereröffnet. Die ersten Lines gebührten dabei Rosa und Carl. „Wie der erste Tanz“, sagt Rosa und lacht.

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