Remote: Für die Gleich-
berechtigung im Nachtleben

Warum sind Frauen nicht präsenter in den Line-ups der Clubs? Wie können sie aktiv am Stuttgarter Nachtleben mitwirken – und das nicht nur hinter der Bar oder an der Kasse? Diese Fragen hat sich die Crew von Remote gestellt und will sich nun mit einer Veranstaltungsreihe für die Gleichberechtigung in der Clubkultur einsetzen. Unterstützt werden sie dabei am Samstag vom Popbüro Region Stuttgart.

Stuttgart – Mit Remote geht 2019 eine neue Veranstaltungsreihe an den Start, die die Präsenz und das Selbstbewusstsein von Frauen in der Stuttgarter Clubkultur beleben soll. Support und Vorbild ist Neele von Featuring Feminism, einem Leipziger Netzwerk für Diskussion und Austausch zu Feminismus in Club, Kultur und Kunst. „Wir wollen Frauen ermutigen, nicht nur als Gast am Nachtleben teilzunehmen, sondern sich selbst aktiv daran zu beteiligen“, so Paula Pade von Remote. Mit Unterstützung vom Popbüro Region Stuttgart, finden am Samstag Workshops in der Galerie Kernweine und eine anschließende, öffentliche Party im Yart statt. Ziel ist es, nicht nur das Bewusstsein für die Thematik zu schärfen, sondern auch ein geschütztes Umfeld für Frauen, Trans- und Interpersonen zu schaffen, um sich im DJing und VJing auszuprobieren sowie die Begeisterung an Musik und visueller Kommunikation mit Gleichgesinnten zu teilen.

Anreize schaffen durch Workshops

Die Plattform zum Antesten fehlte auch Paula: „Ich habe mich schon immer fürs Auflegen interessiert und wollte nicht nur hinter der Bar stehen. Leider wusste ich nicht, wie oder wo ich anfangen soll. Die Technik hatte ich natürlich auch nicht zu Hause. Zwar haben Freunde angeboten, mir etwas zu zeigen, aber für sich allein herumprobieren geht so natürlich nicht.“ Ein Problem sei auch, dass man oft schon vorab bewertet wird: „Ich persönlich mag es nicht, wenn mir dann jemand sagt: Also das würde ich jetzt aber anders machen. Ich möchte auch meine eigenen Fehler machen dürfen.“

Durch den Support im Freundeskreis und von ihrem Chef in einer Bar, stand Paula jetzt schon ein paar Mal selbst hinter den Decks. „Das hat mega Spaß gemacht.“ Auch wenn es anschließend schon den ein oder anderen unangebrachten Kommentar gab. „Es kam mal ein Typ zu mir, der meinte: Hey, war echt gut. Du hast nur die Musikauswahl getroffen, oder?“

Die Rolle der Frau in der Clubkultur

Mit Neele – Resident im Club Institut für Zukunft in Leipzig – hat sich die Remote-Crew eine erfahrene Leiterin des DJ-Workshops mit ins Boot geholt. Als Initiatorin der Feat. Fem startete sie mit Hilfe von DJs, VJs, Produzenten und Promotern eine Plattform, die in regelmäßig stattfindenden Workshops, Panels und Partys im Conne Island und Institut für Zukunft die Rolle der Frau in der Clubkultur diskutiert und stärkt.

Komplettiert wird der Workshop-Samstag von Nadia Khashan von der Nachtcrew, die in Regie und Schnitt bereits an zahlreichen Musikvideos mitarbeitete und bereits in den Clubs von Toronto, New York und Kairo für aufregende Visuals und 3D-Projektionen sorgte.

Remote: Mehr Gleichberechtigung im Stuttgarter Nachtleben

Die Workshops dienen sozusagen als Test – wie wird das Thema in Stuttgart überhaupt angenommen? „Der DJ-Workshop ist ausgebucht, im VJ-Workshop sind wir auch fast voll. Die Nachfrage ist echt groß.“ Den Vorwurf, man würde „Männer ausschließen“ und dass das unfair wäre, sieht die Remote-Crew nicht bestätigt. „Wir wollen hier ja auch ein Bewusstsein schaffen. Bei unseren öffentlichen Veranstaltungen ist außerdem jeder willkommen. Uns ist es halt wichtig, das Line-up weiblich zu besetzen. Denn wer sich die Veranstaltungen in Stuttgart so anschaut, wird definitiv häufiger auf männliche DJs stoßen.“ Genau deshalb bespielen Samstagabend Neele, Paula (Paula Padé), Mari-Anna Miller (DJ Miller) und Nadia Khashan das Yart.

Ziel der Remote-Crew ist es, dass es Workshops wie diesen irgendwann gar nicht mehr braucht, weil das Nachtleben gleichberechtigt(er) ist. Mit ihren Veranstaltungen wollen sie sich auch in Zukunft dafür einsetzen. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja auch in Stuttgart ein ähnliches Movement wie in Leipzig. „Wir würden uns das jedenfalls wünschen“, sagt Paula.

Samstag, 26.01., Yart: Königstraße 47

Start – 23 Uhr, Eintritt – friendly five

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