Refill: Gratis Wasser für alle

Die Initiative Refill kennzeichnet Cafés und Läden, die kostenlos Leitungswasser in mitgebrachte Flaschen füllen – und damit helfen Plastikmüll zu vermeiden.

Stuttgart – Ein Wasserhahn und ein bisschen Zeit – viel braucht es nicht, um Teil der Umweltschutzkampagne zu werden, die Anfang dieses Jahres in Stuttgart gestartet ist. Refill nennt sie sich und funktioniert so: Läden, Cafés und andere Einrichtungen melden sich an, bekommen eine Markierung auf einer digitalen Karte sowie einen Refill-Aufkleber für ihr Geschäft. Jeder, der eine Flasche dabei hat, bekommt dort kostenlos Leitungswasser. Das spart Geld und schont die Umwelt.

Refill ist eine bundesweite Bewegung

Lea Mika und Hannah-Lena Flechtker haben die Organisation in Stuttgart in die Hand genommen. Hotel Azenberg, Tarte und Törtchen, Ribingurumu – viele der teilnehmenden Einrichtungen sind auf die beiden jungen Frauen selbst zugekommen. „Wir hätten niemals gedacht, dass es so gut läuft“, sagt Flechtker. Ständig kommen ein neue Orte für kostenloses Leitungswasser hinzu.

Die Idee für Refill stammt aus der englischen Stadt Bristol. Ihren Weg nach Deutschland fand sie durch Stephanie Wiermann, Grafikerin und Webdesignerin. Sie brachte das Konzept nach Hamburg und wurde förmlich überrannt von Anfragen. Mehr als 50 Städte haben sich seit dem Start im März vergangenen Jahres angeschlossen und es werden immer mehr: In weniger als einem Jahr ist Refill eine bundesweite Bewegung geworden.

Die Trinkflasche als Modeaccessoire

Zero Waste, also die Vermeidung von unnötigem Müll, ist schon lange ein Trend, vor allem bei umweltbewussten Großstädtern. Das fängt beim Einkaufen an und geht weiter mit Mehrwegbechern für den Kaffee zum Mitnehmen bis hin zu der Trinkflasche, die seit vielen Saisons zu einem der wichtigsten Modeaccessoires auf den Straßen der Welt geworden ist.

Ein Glück, denn die Zahlen, die die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auf ihrer Internetseite veröffentlicht, sind alarmierend. „Allein im Jahr 2015 wurde die unvorstellbare Menge von 17 Milliarden Einweggetränkeverpackungen verbraucht“, steht dort. Vor allem die großen Discounter überschwemmten den deutschen Getränkemarkt mit Einweg-Plastikflaschen. Die verheerenden Folgen für das Klima und die Umwelt: Allein die Herstellung der Plastikflaschen verschlinge jährlich mehr als 650 000 Tonnen Rohöl und Erdgaskondensate.

Wasser ist ein Menschenrecht.

Einer der gegen Verpackungsmüll schon lange vorgeht ist Jens-Peter Wedlich. Im Mai 2016 hat er im Stuttgarter Westen seinen Unverpackt-Laden Schüttgut eröffnet. Produkte wie Obst, Gemüse und Nudeln werden dort in Baumwolltaschen oder anderen – auch selbst mitgebrachten – Gefäßen verkauft. Trotzdem sei er kein Freund des erhobenen Zeigefingers: „Wer zu schnell zu viel will, scheitert und ist gefrustet.“ Jeder kleine Schritt, der die Umwelt schont, sei wichtig. Ob es nun darum geht, kein doppelt in Plastik eingepacktes Gemüse im Supermarkt zu kaufen, die Bodylotion selbst anzurühren oder unterwegs eine Flasche mit Leitungswasser aufzufüllen statt Plastikflaschen zu kaufen.

Refill hat Wedlich schon vor einiger Zeit entdeckt. „Ich wollte das schon lange initiieren, hatte aber nie die Zeit gefunden“, sagt er. Um so erfreuter war er, als er in der benachbarten Patisserie Tarte und Törtchen den Aufkleber an der Scheibe entdeckt hat. Seit dem 12. Januar schenkt auch er an alle Durstigen aus. „Eigentlich haben wir das schon seit jeher gemacht“, sagt er. Kunden bietet er vor allem in den Sommermonaten ein Glas Leitungswasser an oder füllt ihre Flaschen auf. „Wasser ist ein Menschenrecht“, sagt er überzeugt. In anderen Ländern sei das schon stärker angekommen: „In den USA gibt es Trinkstationen mit kostenlosem Wasser in den Städten.“ Stuttgart sei da noch immer deutlich rückständiger.

Brunnen bringen Erfrischung

In einem Punkt hat Stuttgart vielen anderen Refill-Städten aber etwas voraus: 19 Trinkbrunnen bringen im Stadtgebiet kostenlose Erfrischung – einige in Bad Cannstatt, aber auch in der Stuttgarter Innenstadt sind sie zu finden. Viele davon, wie die Daimlerquelle und der Veielbrunnen, sind auf der digitalen Karte verzeichnet. Um das Wasser auf Bakterien zu untersuchen, entnehmen Mitarbeiter des Gesundheitsamts ein- bis zweimal jährlich Proben, erklärt Bernd Sauer, bei der Stadt für die Brunnen des Tiefbauamts zuständig. Doch Achtung, erst wenn es die Witterung wieder zulässt, fließt auch wieder Wasser. „Die Brunnensaison beginnt im April“, sagt Sauer.

Bis zum Sommer, so Flechtker, soll Refill in Stuttgart ein solides Netz aufgebaut haben. Hier sowie in allen anderen Städten der Initiative sollen immer mehr Aufkleber verteilt werden. So viele bis es irgendwann üblich ist, in Geschäfte zu gehen, um Leitungswasser auffüllen zu lassen. Erst wenn die Initiative sich selbst überflüssig gemacht hat, hat sie ihr Ziel erreicht. Hier geht’s zur Karte von Refill Stuttgart.

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