Ray the Collection: Faire Mode aus Indien

Designed in Stuttgart und hergestellt in Indien. Ray the Collection ist ein Familien-Business, das Nachhaltigkeit, Tradition und Moderne ästhetisch vereint. Für die Produktion arbeitet Mareike Fernandes unter anderem mit der Non-Profit-Organisation Saheli Women aus Bhikamkor zusammen.

Stuttgart – In der Fashion-Industrie kennt sich Mareike Fernandes aus – zumindest im Design war sie bereits für verschiedene Konzerne und Marken tätig. Die 36-Jährige probiert sich gerne aus, das zeigen auch die verschiedenen Wohnortwechsel der vergangenen Jahre. Dubai, Düsseldorf, Bregenz und während der Schwangerschaft ging es wieder zurück in die Heimat nach Stuttgart. Die Idee zum eigenen Label schlummerte schon länger in Mareike, doch der tatsächliche Knackpunkt war die Geburt von Tochter Uma Ray, die auch Namensgeber der Marke ist: „Ich habe mich gefragt, welches Vorbild möchte ich sein? Wie ernähre ich mich? Wie konsumiere ich? Was tue ich Gutes?“ Seit März 2019 ist Mareike mit Ray the Collection nun online.

Ray the Collection: Zusammenarbeit mit indischen Labels und Herstellern

Als die Tochter ein Jahr alt war, besuchte die dreiköpfige Familie Verwandtschaft in Indien. Den zweimonatigen Urlaub in der Heimat ihres Mannes nutzte Mareike, um die Idee vom eigenen Label weiter voranzutreiben. „Ich wollte mich vor Ort umschauen und mit lokalen Herstellern und Lieferanten sprechen.“

Dabei lernte sie Vijaya von Indricka Clothing kennen, die in Bombay ihr eigenes Label führt und sich bereits seit Jahren der nachhaltigen Mode widmet. „Von dem Heimatort meines Mannes ist das ungefähr eine vierstündige Autofahrt entfernt – in Indien sozusagen um die Ecke“, lacht die 36-Jährige.

Vijaya inspirierte sie und Mareike wusste: „Ich nehme die Herausforderung an. Ich weiß zwar nicht wie, aber ich will es versuchen.“

Auch der Non-Profit-Organisation Saheli Women stattete Mareike einen Besuch ab. Gegründet wurde das Projekt von einer Frau im Dorf Bhikamkor, um den Einwohnerinnen dort Selbstständigkeit, Arbeit und medizinische Versorgung zu ermöglichen – denn das ist in vielen Teilen Indiens keine Selbstverständlichkeit.

Mareike bewegte dieses Aufeinandertreffen sehr: „Aktuell können 28 Frauen ihren Lebensunterhalt für ihre Familie verdienen und die Kinder in die Schule gehen.“

Mit Ray the Collection unterstützt sie die Manufaktur der Saheli Women, in der die Frauen in einem gesicherten Umfeld und für fairen Lohn arbeiten.

Mehr Zeit für einzelne Kollektionen

Die limitierten Teile von Ray the Collection vereinen das indische Handwerk mit modernem Design. Mareike liebt das Zusammenspiel von Minimalismus und opulenten Stickereien: „Im Design finde ich gerade noch meinen Weg. Es macht aber Spaß sich auszuprobieren.“

Da nur geringe Mengen produziert werden, achtet die Designerin vor allem auf die Verfügbarkeit der nachhaltigen Materialien: „Ich benutze meist nur Stoffe, die bereits existieren oder von denen es noch Restbestände gibt. Natürlich bin ich auch durch die Nachhaltigkeit limitiert und muss unter anderem mit den gegebenen Farben arbeiten.“

Die Produktion erfolgt in Indien, Mareike trifft zunächst eine Vorauswahl. Der Weg von der Idee zum fertigen Teil, das nach Stuttgart kommt, ist langwierig: „Wir schicken uns generell viel Fotos, Mails und skypen regelmäßig. Ich bekomme Stoffproben zum Anschauen und Anfassen, erfahre welche Lagerbestände es gibt. Das funktioniert ganz gut und ich nehme mir bewusst Zeit dafür.“

Auch die Fertigstellung der neuen Kollektion geht sie entspannt an: „Ich habe bereits erste Ideen, doch der Entwicklungsprozess dauert einige Monate. Das ist aber vollkommen in Ordnung. Ich möchte schauen, wie sich das entwickelt, wie Ray angenommen wird und lege den Fokus so lieber auf wenige, dafür ausgewählte Teile.“

Woman Power

Genutzt werden nachhaltig produzierte Stoffe wie Lyocell oder Organic Cotton für T-Shirts sowie Ahimsa-Seide für die Kimonos – Ahimsa bedeutet so viel wie „keine Gewalt“ und wird deswegen auch „peace silk“ genannt.

Mareike beschreibt die Herstellung nachhaltiger Mode als ewigen Prozess. „Man lernt ständig dazu.“ In Zukunft möchte sie nicht nur mit anderen Stuttgarter Locals zusammenarbeiten, sondern sich auch weiterhin selbst engagieren.

„Ein Lebenstraum wäre natürlich eine Non-Profit-Organisation zu gründen.“

Bis dahin unterstützt sie jedoch andere Projekte in Indien – neben Saheli Women auch Swadhar in Pune, der Heimatstadt ihres Mannes.

Mit jedem Verkauf des NARI SHAKTI „Woman Power“-Shirts gehen 5 Euro an die Organisation, die weniger privilegierten Frauen und Kindern hilft.

Mehr aus dem Web