Raus aus dem Kessel: Ab nach Tübingen!

Euch wird’s im Kessel zu eng? Für einen Städtetrip müsst ihr weder in den Flieger steigen, noch tief in die Tasche greifen. Auch die nähere Umgebung hat so einiges zu bieten – zum Beispiel Tübingen.

Stuttgart – Wir Stadtkinder lieben Stuttgart. Doch manchmal muss man dem Feinstaub auch mal entfliehen. Und rund um Stuttgart gibt es so einiges zu entdecken. Heute nehmen wir euch mit nach Tübingen, die Studentenstadt mit Altstadtcharme. Wir haben so einige Geheimtipps fürs Feiern, Schlemmen, Shoppen und Sightseeing für euch parat. Doch wir müssen euch vorwarnen: Auch hier entgeht ihr den steilen Stäffele nicht!

Zwischen Altstadtflair und Studentenstadt

Tübingen bildet einen Spagat zwischen Altstadtflair mit Historie und studentischem Highlife. Und genau das macht die Stadt so interessant für uns Stadtkinder auf Tour. Während in anderen Altstädten im Schwabenländle die Bürgersteige am Wochenende hochgeklappt werden oder ihr zwischen Touri-Gruppen im Rentenalter umherirren müsst, könnt ihr in Tübingen nach der Sightseeingtour schlemmen und bis spät in die Nacht feiern. Und das reißt euch noch nicht mal ein Loch in den Geldbeutel! Kein Wunder, denn auf insgesamt 90.000 Einwohner kommen mehr als 27.000 Studierende.

Egal ob Upcycling-Shop, Bar mit Zockerecke, vegane Kuchen im Café oder geschichtsträchtige Gebäude: In Tübingen findet ihr viele Möglichkeiten, um euch von eurer Hausarbeit oder der Prüfungsphase noch ein paar Tage länger abzulenken. Wir verraten euch unsere Geheimtipps!

Sightseeing like a Touri

In Tübingen gibt’s für die Sightseeing Nerds unter euch Stadtkindern vieles zu entdecken. In unserem kleinen (und unvollständigen) Guide wollen wir euch ein paar der Sehenswürdigkeiten zeigen.

Bunter Altstadtflair auf der Neckarinsel

Egal, wo ihr in Tübingen strandet: Um den Flair einzufangen, solltet ihr euch auf direktem Weg auf die Neckarinsel begeben. Vom Neckar umspült findet ihr euch in einer Säulenallee aus Platanen wieder. Kleiner Sidefact: Es ist die älteste noch bestehende Deutschlands! Hier spürt ihr nicht nur die grüne Lunge Tübingens atmen, auch das Messgerät für Instagramability schlägt hier aus. Der Hölderlinturm, in welchem der Dichter Friedrich Hölderlin im Zimmer einer Schreinerfamilie unterkam, die Burse, in welcher er als Patient behandelt wurde, das Schloss Hohentübingen und viele bunte Häuser reihen sich dort zu einer Skyline der besonderen Art aneinander: der Neckarfront.
Von dort aus geht es über die Neckarbrücke ab in die Innenstadt. But first: Eispause! Bei Sonnenschein sitzen die Tübinger am liebsten mit ihrer Waffel auf der Zwingelmauer und beobachten die Stocherkähne dabei, wie sie durch das Wasser gleiten.

Neckarinsel: Neckarbrücke, immer geöffnet >>>

Über den Dächern der Stadt auf der Stiftskirche

Durch verwinkelte Gassen oder die Haupteinkaufsstraße mit dem Namen Neckargasse gelangt ihr anschließend in die Altstadt. Hier bleiben euch Steigungen wie im Kessel nicht erspart. Mein Tipp: Verschafft euch einen Überblick, indem ihr den Turm der Stiftskirche St. Georg erklimmt – kostet für Studierende nur 0,50 Euro. Zwar ging beim Bau des Turms das Geld aus, sodass er gerade mal 56 Meter hoch wurde, doch der Ausblick lohnt sich trotzdem!
Direkt gegenüber der Stiftskirche werdet ihr ein Schild entdecken, das aus dem Rahmen fällt. Darauf steht: Hier kotzte Goethe. Eine ironische Hommage an den Dichter, der hier zu Besuch war – und Tübingen nicht nur wegen des ganzen Pferdemists nicht sonderlich ausstehen konnte.

Stiftskirche St. Georg: Am Holzmarkt, Öffnungszeiten: täglich 9 – 16 Uhr, Eintritt Turm und Chor: für Studierende 0,50 Euro >>>

Geschichten einer Stadt auf dem Marktplatz

Wenn ihr von der Stiftskirche aus den Menschenmassen folgt, führt euch euer Weg zum Marktplatz. Diesen umrahmen Häuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Wer mit Argusaugen die Fenster betrachtet, sieht, dass sich in einer Häuserfront ein Fenster farblich von den anderen unterscheidet. Man erzählt sich, dass ein Hausbesitzer einem anderen Geld schuldete und ihm deshalb ein Zimmer seines Hauses überschrieb.
Gegenüber ragt das Tübinger Rathaus in die Höhe – nicht zu vergleichen mit dem Stuttgarter Betonbunker. Doch im Gegensatz zu dem im Kessel hat das in Tübingen auch schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel: 1435 wurde es erbaut.

Rathaus und Marktplatz: Am Markt 1, immer geöffnet, Eintritt frei, mehr zum Rathaus >>>, mehr zum Marktplatz >>>

Schlaue Köpfchen im Schloss Hohentübingen

Wessen Schrittzähler jetzt noch nicht Alarm schlägt, kann das Schloss Hohentübingen erklimmen. Erinnert mehr an eine Burg, war es im Mittelalter auch mal. Heute residiert hier kein König oder Kaiser, stattdessen hat sich die Uni einquartiert. Diese prunkvolle Umgebung spornte wohl manche Wissenschaftler zu Höchstleistungen an: Hier wurde 1869 im Labor zum Beispiel das Nuklein entdeckt, das uns heute als DNA geläufig ist. Im Schloss lagert außerdem das älteste erhaltene Weinfass der Welt.

Schloss Hohentübingen: Burgsteige 11, Öffnungszeiten Museum Alte Kulturen im Schloss: Mittwoch – Sonntag 10 – 17 Uhr, Donnerstag 10 – 19 Uhr, Eintritt Museum: Erwachsene 5, Ermäßigt 3 Euro >>>

Jetzt qualmt nicht nur der Kopf, auch der Magen meldet sich zu Wort. Foodies haben in Tübingen die Qual der Wahl zwischen schwäbischer Hausmannskost und Leckereien aus der ganzen Welt.

Foodspots für leckeres Essen

Um euch den Bauch vollzuschlagen, seid ihr in Tübingen an der richtigen Adresse. Hier findet ihr ebenso gutbürgerliche schwäbische Küche als auch Bowls. Hier unsere Tipps, wenn der Magen mal wieder brummt!

Vegane Zimtschnecken im Willi

Morgenmuffel, die ohne Koffein zum Kaffeezombie mutieren, können im Willi ihre Sucht nach dem flüssigen Muntermacher befriedigen. Um sich aber den Kaffee to go mitzunehmen oder so schnell wie möglich in einem Zug runterzuziehen, ist das Willi viel zu cozy. Es lädt dazu ein, ein Weilchen zu bleiben und es sich in einem Vintage-Ohrensessel gemütlich zu machen. Um den Zuckerhaushalt zu pushen, solltet ihr unbedingt einen Blick in die Kuchentheke erhaschen. Hier findet ihr auch plant-based Cupcakes oder Zimtschnecken.

Willi: Wilhelmstraße 3/1, Öffnungszeiten: Montag – Donnerstag 7.30 – 20, Freitag 7.30 – 22, Samstag 10 – 22, Sonntag 10 – 20 Uhr >>>

Auch für den schmalen Geldbeutel und den Hunger zwischendurch ist in Tübingen was dabei: Das Pendant zur Stuttgarter Fressgasse ist die Tübinger Mühlstraße. Hier sieht man den Wald vor lauter Imbissen nicht mehr. Also Augen auf.

Libanesische Bowls bei Salam Box

Überzeugt hat uns dabei insbesondere der Imbiss Salam Box. Hier kommt leckeres libanesisches Essen auf den Teller. Aus Dips, Beilagen und Hauptspeisen könnt ihr euch eure eigene Bowl zusammenstellen – und das für gerade mal 5 Euro. Also ran an Hummus, Auberginencreme, Bulgur und Co.

Salam Box: Mühlstraße 14, Öffnungszeiten: Montag – Samstag 11 – 21, Sonntag 11 – 20 Uhr >>>

Schwäbische Hausmannskost im Neckarmüller

Wer in Tübingen strandet oder gar mit dem Fahrrad herradelt, der verbringt sein Mittagspäuschen gerne beim Neckarmüller. Kein Wunder, denn gegen gutes schwäbisches Essen kommt kein Food-Hype an. Die kupfernen Sudkessel mitten im Restaurant zeugen von der Brauereitradition, serviert wird schwäbischer Schmaus. Nicht nur für Touris eine Anlaufstelle, vor allem im Sommer lässt es sich hier unter den Kastanienbäumen aushalten. Wo ihr in Stuttgart schwäbische Küche par excellence findet, haben wir euch hier aufgelistet.

Neckarmüller: Gartenstraße 4, Öffnungszeiten: Montag – Samstag 10 – 1, Sonntag 10 – 24 Uhr >>>

Tapas aus dem Ländle

Käsespätzle, Bubenspitzle oder Mauldäschle: Manchmal fällt die Entscheidung schwer. Die Spanier haben es mit ihren Tapas da einfacher und wählen einfach alles aus, worauf sie gerade Lust haben. Gäbe es das doch hier auch… Gibt es! Im Gasthaus Bären wählt ihr eure schwäbischen Tapas aus alten Schulheften aus und teilt sie mit euren Freunden. Bis spät nachts könnt ihr euch hier außerdem Cocktails einflößen.

Gasthaus Bären: Schmiedtorstraße 3, Öffnungszeiten: Montag – Freitag 17 – 2, Samstag 12 – 2, Sonntag 12 – 23 Uhr >>>

Geheimtipps fürs ultimative Shoppingerlebnis

Nachdem euer Carb-Haushalt jetzt wieder auf Hochtouren läuft, kann es weitergehen mit der City-Tour. Und was darf beim Weekend-Trip auf keinen Fall fehlen? Natürlich die Shopping-Tour. Doch ihr seid ja nicht extra in den Zug gestiegen, um bei den großen Modeketten denselben Einheitsbrei zu kaufen, den ihr in jeder Stadt finden könntet. Wir haben euch deshalb ein paar Shops rausgesucht, die mit ihrem Konzept und Produkten auffallen.

Vintage-Schätze bei Unikat

Ihr wollt der Wegwerfgesellschaft adieu sagen oder einfach neue Highlights für euren Kleiderschrank ergattern? Bei Unikat landet ausschließlich Secondhand-Mode auf den Kleiderstangen. Wühlt euch durch Levis-Hosen oder Vintagejacken. Bei Unikat begegnet euch kein Muff, den ihr von manchen Secondhand-Läden kennt. Die Klamotten hängen zwischen schicken Backsteingemäuern und moderner Deko.

Unikat: Collegiumsgasse 14, Öffnungszeiten: Montag – Freitag 10 – 19, Samstag 10 – 18 Uhr >>>

Vinylreich Rimpo

Vinyljäger werden bei Rimpo fündig, eurem Dealer für Platten. Ob Schlager, Rock oder Pop: Unter dem Überangebot an meist schwarzen Scheiben ist für jeden etwas dabei. Und wer sich das Knistern und Rauschen nicht entgehen lassen will, der kann die Platten auch testhören. Außerdem führt euch der Weg zu Rimpo durch die Ammergasse, die Amsterdam-Vibes versprüht. Denn der Kanal  Ammer windet sich hier mitten durch die Altstadt und lässt Erinnerungen an die Grachten aufkommen. Hier haben wir euch außerdem die besten Plattenläden im Kessel aufgelistet.

Rimpo: Ammergasse 23, Öffnungszeiten: Montag – Freitag 10 – 18.15, Samstag 10 – 16 Uhr >>> 

Upgecycelte Souvenirs von Neckar-Pirat

Magnete landen bei den wenigsten am Kühlschrank, für den die Souvenirs bestimmt waren. Warum also nicht mal outside the box denken, indem man Mama und Papa besondere Souvenirs mitbringt? Wir versprechen: Die Produkte aus dem Shop Neckar-Pirat landen weder im Keller, noch in der Tonne! Bestenfalls wurden sie sogar davor gerettet, denn im Shop findet ihr beispielsweise Lampen, deren Schirme aus Ginflaschen bestehen, oder Schalen aus alten Schallplatten. Upcycling nimmt hier eine ganz neue Dimension an.

Neckar-Pirat: Kronenstraße 2, Öffnugszeiten: Mittwoch – Samstag 13 – 18 Uhr >>>

Ein Shop der besonderen Art findet ihr in der Nähe des Nonnenhauses. Dieses zeichnet sich insbesondere durch das querstehende Häuschen über der Gasse aus. Früher war der Aborterker direkt über dem Ammerkanal, denn was heute ein Wahrzeichen der Stadt ist, diente früher als Toilette.

Die besten Kartoffeln für Pommes

Direkt um die Ecke liegt der Kartoffelladen. Der Name ist Programm. Hier findet sich der richtige Erdapfel für Kartoffelsalat, Kartoffelbrei oder der schönsten verarbeiteten Form: den Pommes. Viele der Kartoffeln stammen aus der Region. Vielleicht landet eine davon ja bald auf eurem Teller.

Der Kartoffelladen: Metzgerstraße 11, Öffnungszeiten: Montag – Freitag 10 – 18, Samstag 10 – 16 Uhr >>>

Nachhaltiger Berliner Streetstyle bei 24colours

Bei 24colours findet ihr Berliner Streetstyles zu günstigen Preisen. Die Auflage der Teile ist limitiert: Was weg ist, ist weg. Das Unternehmen steht für Transparenz bei Lieferanten und Produzenten ein und will so sozialen und ökologischen Anforderungen gerecht werden. Ein Spagat also zwischen günstigen Preisen sowie humanen und nachhaltigen Bedingungen. Wo ihr in Stuttgart nachhaltig einkaufen könnt, erfahrt ihr hier.

24colours: Am Lustnauer Tor 4, Öffnungszeiten: Montag – Samstag 11 – 19 Uhr >>>

Feiern bis spät nachts

Partypeople aufgepasst: Was Tübingen von anderen kleineren Städten abhebt, ist die Möglichkeit, abends feiern gehen zu können. Also nichts wie ab auf die Tanzfläche!

Tagsüber Café, nachts Club: Das Schwarze Schaf

Die Nacht durchtanzen könnt ihr zum Beispiel im Schwarzen Schaf. Während hier mittags noch gemütlich Kaffee getrunken wird, kann man sich abends vor feiernden Studierenden kaum retten. Longdrink, Bier und Beats stehen beim Schaf nachts auf der Karte.

Schwarzes Schaf: Pfleghofstraße 10 >>>

Fette Beats in der Butterbrezel

Mitten in der Altstadt könnt ihr außerdem in der Butterbrezel feiern gehen. Die ganze Nacht über könnt ihr zu Electro, Hip-Hop, 90ern oder 2000ern im Keller des historischen Altbaus feiern.

Butterbrezel: Haaggasse 31, Öffnungszeiten: Freitag & Samstag 23 – 5 Uhr >>>

Feuriger Absacker im Last Resort

Auf dem Weg zum Nachtbus kommt ihr dann am Last Resort vorbei. Dort solltet ihr unbedingt einen hausgemachten Mexikaner trinken. Tomatensaft, Tabasco und ein Schuss Alkohol beleben ja bekanntlich die Geister.

Last Resort: Mühlstraße 20, Öffnungszeiten: Montag – Donnerstag 18 – 3, Freitag 18 – 4, Samstag 15 – 4, Sonntag 18 – 1 Uhr >>>

Nächtlichen Heißhunger bei Rock and Dog stillen

Vom Last Resort aus führt eine Treppe auf direktem Weg zu Rock and Dog. Anders als das blau-gelbe Möbelhaus aus Schweden hat dieser Hotdog-Laden ausschließlich nachts geöffnet. Rock and Dog ist der Beweis dafür, dass nicht nur Döner den Heißhunger nach dem Feiern stillt. Die Auswahl der Toppings ist groß: Käsesoße, Guacamole oder scharfe Soßen stehen zur Wahl. Doch im Feiertaumel solltet ihr die Schärfegrade nicht unterschätzen.

Rock and Dog: Mühlstraße 20, Öffnungszeiten: Montag – Donnerstag 19 – 3, Freitag und Samstag 19 – 4 Uhr >>>

Harte Fakten

Einwohnerzahl: Die Stadt am Necker nennen 90.000 Einwohner ihr zuhause. Tübingen ist eine wahre Studentenstadt: 27.000 Studierende belegen einen von über 200 Studiengängen an der dortigen Universität.

So kommt ihr hin: Von Stuttgart aus könnt ihr mit dem Auto über die B27 nach Tübingen gelangen. Vom Stuttgarter Hauptbahnhof aus fahren Regionalzüge bis nach Tübingen. Ab Leinfelden und Echterdingen verkehren zudem Busse.

Titelfoto: Unsplash/Luca Florio

Fotos: Eileen Breuer

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