Raus aus dem Kessel: Ab ins Siebenmühlental!

Euch wird’s im Kessel zu eng? Für einen Ausflug raus aus dem Städtle müsst ihr weder in den Flieger steigen noch tief in die Tasche greifen. Auch die nähere Umgebung hat so einiges zu bieten – zum Beispiel das Siebenmühlental. Herbstspaziergang, schwäbische Foodspots deluxe, ex-Skibuckel und tierische Wegbegleiter warten auf euch!

Stuttgart – Uns hat der Herbstblues so richtig erwischt. Während sich die Blätter an den Bäumen vor dem Fenster verfärben, kuscheln wir uns mit einem guten Buch in der einen und der Teetasse in der anderen Hand in die Decke ein. Doch zwischen den ganzen rainy days lässt sich auch die Sonne mal blicken. Statt bei Schmuddelwetter einen weiteren Tag auf dem Sofa zu verbringen, schlüpfen wir deshalb in unseren schönsten Herbstmantel, stülpen uns für den perfekten Herbstlook noch eine Mütze über den Kopf und machen uns auf zu neuen Abenteuern. Und für einen Herbstspaziergang wenden wir dem Kessel für einen Nachmittag den Rücken zu – dieses Mal checken wir für euch nämlich das Siebenmühlental aus!

Geheimtipp für Herbstspaziergang

Wir starten am Rande des Kessels in Rohr. Das hat ganz pragmatische Gründe. Unsere Autorin kann sich nämlich von diesem Stuttgarter Stadtteil aus direkt von der Haustüre aus ins Vergnügen stürzen. Und bei der Entdeckungstour durch den Wald hat sie für euch einen Geheimtipp für einen Wanderweg ins Siebenmühlental entdeckt.

Hierfür müsst ihr euch von der S-Bahn-Station euren Weg in Richtung Wald bahnen. Dafür am besten Google Maps um Hilfe bitten. Nun solltet ihr auf die Wegweiser achten und erst Mal in Richtung Schmellbachtal spazieren. Dort geht es am Klettergarten entlang auf verworrenen Pfaden in Richtung der Mühlen, bis ihr aus dem Dickicht ausbrecht und der Blick sich in Richtung Graslandschaften öffnet. So entkommt ihr dem Feinstaubschlamassel eures liebsten Kesselstädtles ganz fix.

Feinstaubalarm adieu am Reichenbach

Von dort aus quert ihr eine Wiese und weiter geht’s entlang des Reichenbachs. Nach ihm ist das Tal eigentlich benannt – doch der Bach musste aus dem Namen weichen. Heute reden alle nur noch vom Siebenmühlental. Kurz noch durch Musberg durch: Jetzt seid ihr auf dem Reichenbachertalweg angelangt, der sich an den Mühlen vorbeischlängelt. Ländliche Idylle pur! Vor allem haben wir kein Einheitsbrummen von Autos mehr im Ohr, die fahren hier nämlich nicht. Schon nach wenigen Minuten entdeckt ihr rechter Hand die Obere Mühle, eine der Urgesteine des Siebenmühlentals. Ihre Gemäuer stehen mitunter am längsten.

Piz Mus
Kein Après-Ski mehr: Auf dem Piz Mus schossen einst Skifahrer bergab. Bild: Eileen Breuer

Après-Ski am Piz Mus?

Wer ganz genau hinschaut, der entdeckt in der grasigen Landschaft außerdem ein Highlight mit Geschichte. Nicht nur in Ischgl und Sölden konnte man sich die Skier an die Füße schnallen. Auch auf dem Piz Mus bretterten Skifahrer früher den Berg hinab. Musberg, ein echter Winterskiort? No way, denkt sich da so mancher. Aber es stimmt: Zwischen 1965 und 1995 zog der Skilift einen den Berg hinauf. Bis zu zwei Stunden musste man anstehen, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Sogar eine Skisprungschanze stand vor Ort bereit. Dann aber musste der Schlepplift schließen. Nicht nur, dass der Schnee ausblieb, auch die Sanierung wäre zu teuer gewesen. Also nichts mehr mit Schwünge ziehen und anschließenden Ballermann-Hits im Skianzug.

Foodspots im Siebenmühlental

Insgesamt werdet ihr im Ta l– surprise! – nicht nur sieben Mühlen begutachten können. Elf Stück findet ihr hier sogar. Doch 1383 sah das noch anders aus: Damals wurden erstmals sieben Mühlen im Tal erwähnt. Bis heute dreht sich das Mühlrad in manchen davon weiter.

Nach dem Walk durch den Wald knurrt der Magen und zeigt an, dass er dringend was zu futtern braucht? Kein Problem! Auch Foodspots kommen im Siebenmühlental nicht zu kurz. In insgesamt fünf Mühlen könnt ihr euch den Bauch vollschlagen. Essen gibt es in der Eselsmühle, in der Mäulesmühle, in der Burkhardstmühle, der Schlösslesmühle und der Kochenmühle.

Lunch und mehr in der Eselsmühle

Weil uns nach dem Waldspaziergang jetzt schon das Wasser im Mund zusammenläuft, mittagspausieren wir direkt in der Eselsmühle. Ob Fleischfresser oder Veggie, die Karte hat für jeden etwas zu bieten. Und das sogar noch in Bioqualität – selbst das Bier. Bei schönem Wetter lässt es sich in der Gartenwirtschaft aushalten. Bei schlechtem Wetter empfiehlt sich ein Besuch in der Mühlenstube.

Nach unserem schwäbischen Leibgericht Mauldasche mit Kartoffelsalat machen wir noch einen Abstecher in den Kaufladen. Hier könnt ihr nicht nur die eben genannten Klassiker für den eigenen Kühlschrank einpacken, sondern auch das Eselsmühlenbrot erwerben. Vor allem das Teufelchen mit Rote Bete und Walnüssen hat es uns angetan – frisch aus dem Steinofen. Und im Anschluss wagen wir noch einen Blick zum Mühlrad, das sich durch den Reichenbach unermüdlich dreht. Wenn ihr Maultaschen selbst machen wollt, dann klickt hier. Dort verraten wir euch, wie Oma Trudel ihre zubereitet.

Eselsmühle: Eselsmühle 1, Öffnungszeiten Stube: Montag – Donnerstag 11.30 – 19, Freitag & Samstag 11.30 – 22 Uhr, Gartenwirtschaft bei gutem Wetter geöffnet, Öffnungszeiten Kaufladen: Montag bis Samstag 9 – 18, Sonn- und Feiertage 12 – 18 Uhr, über die Wintermonate montags geschlossen >>>

Bio-Food in der Mäulesmühle

Im Bio Restaurant Mäulesmühle könnt ihr euch ebenfalls den Magen vollschlagen. Wie auch in der Eselsmühle kommt hier nur bio auf den Teller. Es stehen vegane Alternativen auf der Speisekarte, die Backwaren stammen aus der hauseigenen Mühlenbäckerei. Wem es besonders gut geschmeckt hat, der kann das Brot dann auch gleich für zuhause mitnehmen – Knusperkruste inklusive.

Doch nicht nur für Foodies ist hier etwas dabei. Auch eure Gehirnzellen könnt ihr bei einem Besuch in der Mäulesmühle anregen. Im Mühlenmuseum erfahrt ihr mehr über Geschichte und Technik des Mühlenhandwerks.

Mäulesmühle: Mäulesmühle 2, Öffnungszeiten Restaurant: Samstag, Montag, Dienstag 14 – 21 & Sonntag 12 – 20 Uhr, Öffnungszeiten Mühlenmuseum: Samstag – Dienstag 14 – 18 Uhr >>>

Noch mehr Kilometer und Mühlen

Nach dem Essen hilft nur eines: ein Verdauungsspaziergang. Da kommt es doch gerade recht, dass auf dem Reichenbachertalweg noch ein paar mehr Kilometer auf uns warten. Und noch mehr Mühlen bekommt ihr auch vor die Smartphonelinse. Also nichts wie ab. Von der Mäulesmühle aus geht es in Richtung Seebruckenmühle, vorbei an der Schlechtsmühle zur Schlösslesmühle zur Walzenmühle. Immer noch nicht genug? Das Siebenmühlental kann noch mehr! Kochenmühle, Obere und Untere Kleinmichelesmühle und die Burkhardtsmühle warten ebenfalls auf euren Besuch. Insgesamt seid ihr ab Musberg auf dem Weg etwa zwei Stunden unterwegs und legt 9,5 Kilometer zurück. Mehr über das Siebenmühlental hat euch die Stadt Leinfelden-Echterdingen in diesem Guide zusammengefasst.

Mit knusprigem Brot im Gepäck, frischer Luft in den Lungen und vielen Bildern für Instagram machen wir uns auf den Weg zurück in den Kessel. Wer noch nicht genug hat, der kann an der Eselsmühle in den Bus nach Waldenbuch steigen – die schokoladige Altstadt mit Daytrip-Potential. Was ihr dort erleben könnt, haben wir euch hier aufgeschrieben.

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