Rassismus im Fußball: Drei Kicker berichten

Mesut Özil ist aus der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten und hat eine Rassismus-Debatte angestoßen. Wie sieht es in Stuttgart aus? Fußballspieler mit türkischen Wurzeln berichten von ihren Erfahrungen mit Rassismus.

Stuttgart – Mesut Özils Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft hat den Fokus auf das Thema Rassismus im Sport gelenkt. Wir haben drei Spieler aus Stuttgart mit türkischen Wurzeln nach ihren Erfahrungen mit Diskriminierung gefragt.

„Die positiven Erlebnisse überwiegen“

„Dass Özil zurückgetreten ist, kann ich schon verstehen. Er wurde als Sündenbock dargestellt und das hat ihn verletzt. Allerdings fehlt es ihm an Selbstkritik“, sagt Kerem Arslan. Der 23-Jährige wurde in Stuttgart geboren, seine Eltern stammen aus der Türkei. Zwölf Jahre lang spielte er für die Stuttgarter Kickers und wechselte anschließend zum VfB. Auch in der türkischen Liga war er in der ersten und zweiten Liga aktiv. Bis vor kurzem trainierte der ehemalige Kicker den Verein Türkspor Stuttgart, der in der Bezirksliga spielt. Mittlerweile ist Kerem Inhaber eines Sportstudios in Möhringen.

Mit Rassismus wurde der Sportler vor allem im Alltag konfrontiert. „Das kommt schon mal vor, aber nicht täglich. Es überwiegen die positiven Erlebnisse“, sagt er. In Stuttgart stößt der 23-Jährige überwiegend auf Toleranz. „In meinem Sportstudio herrscht ein tolles Miteinander. Ich werde von deutschen Kunden immer herzlich begrüßt“, sagt er. Diese Akzeptanz wünscht sich der ehemalige Kicker für ganz Deutschland. „Es sollte normal sein, dass verschiedene Kulturen friedlich zusammenleben“, findet er.

„Du hast hier nichts zu melden“

Abdullah Sener kann leider von unschönen Erfahrungen berichten. Der 24-Jährige hat beim 1. FC Kaiserslautern sowie bei den Stuttgarter Kickers gespielt und steht momentan für Türkspor Stuttgart auf dem Platz. Manche Zuschauer würden ihn beschimpfen und „als Kanake bezeichnen“. Wie geht der Stuttgarter mit diesem Hass um? „Ich versuche das locker zu nehmen. Ich reagiere nicht auf die Beschimpfungen, sondern lächle einfach“, sagt er.

Besonders unangenehm ist dem Kicker die Begegnung mit einem Schiedsrichter in Erinnerung geblieben. „Einmal hat ein Schiedsrichter zu mir gesagt, du bist Türke, du hast hier nichts zu melden“, erzählt er.

Es gibt aber auch schöne Szenen, die sich auf dem Platz abspielen. So nahm ihn der Kapitän der gegnerischen Mannschaft bei einem Freundschaftsspiel vor den Zuschauern in Schutz.

„Man schaut uns anders an“

Auf dem Rasen wurde Mevlüt Köse vom TV Echterdingen mit Rassismus eher selten konfrontiert. „In meiner Jugend ab und zu, aber mittlerweile ist es weniger geworden“, sagt der 23-Jährige. Im Alltag sieht die Sache jedoch anders aus. „Man schaut uns anders an“, so der Kicker mit türkischen Wurzeln. „Aber wenn die Leute mit uns reden, verschwindet der Blick. Sie merken dann, dass wir gutes Deutsch sprechen und sind überrascht“, sagt er. Er findet es schade, dass ihn viele nach seinem Äußeren beurteilen.

Mehr aus dem Web