Rapper Sickless lässt sich nur von Schwester Irene tätowieren

Rapper Alexander „Sickless“ Föll und seine tätowierende Schwester Irene Mangieri trennen sechs Jahre. Dennoch sind sie heute ein Herz und eine Seele mit einer gemeinsamen Vorliebe für essen und den Weltraum.

Stuttgart – Auf ihre ganz eigene Weise gehören sie fest zur Subkultur der Stadt: Alexander Föll (29) wirbelt mit seiner neuen EP „Beta“ in Hip-Hop-Kreisen ordentlich Staub auf und schmeißt nebenbei das Label wirscheissengold, seine Schwester Irene Mangieri (35) sorgt seit sechs Jahren für bleibende Eindrücke im Cactus Tattoo Studio, dem ältesten Stecher der Stadt.

UFOs und Star Wars

Aufgewachsen sind die beiden in Oberkochen bei Aalen, die Eltern arbeiten – wie gefühlt jeder dort – bei Zeiss. Das erklärt auch gleich ihre gemeinsame Faszination für das Weltall: Ihr Vater, ein Prototypenmonteur, arbeitete bereits an Bauteilen für den Weltraum. „Uns alle fasziniert die Unendlichkeit“, legt Irene gleich los, als wir uns im Tiffin gleich neben ihrem stichhaltigen Arbeitgeber treffen. „Wir stehen aber auch einfach auf UFOs, auf Alien, auf Planeten und all das. Ich weiß wirklich nicht, wie oft ich ‚Star Wars‘ geschaut habe. Ich glaube, ich kann die Filme teilweise auswendig.“ Alex nickt enthusiastisch. „Weißt du noch wie wir uns früher immer die ‚Space Night‘“ auf 3sat reingezogen haben?“ Beide schwelgen kurz. Ach, Kindheitserinnerungen…

S-Bahn ist für einen Dorfjungen echt tough (Sickless)

Die Geschwister sind ein Herz und eine Seele. Das war aufgrund des Altersunterschieds natürlich nicht immer so, hat sich aber in den letzten zehn Jahren nivelliert. „Ich meine, in der Pubertät fetzt man sich auch mal wegen Camembert, Nudeln, Postern oder Gameboys!“, lacht Alex und Irene ergänzt: „Aber ich zog mit 19 aus. Und danach wurde es schnell besser.“

Symbolbild: Kleiner Bruder nervt große Schwester. (Foto: Viktor Föll)

Mittlerweile wohnt Irene in Schnait, hatte aber auch einige Jahre lang eine Wohnung an der Schwabstraße. Für den jungen Alex natürlich ein gefundenes Fressen. „Als ich die ersten Male mit dem Baden-Württemberg-Ticket nach Stuttgart gefahren bin, habe ich sie immer besucht“, erinnert er sich. „Es war schon cool, eine Schwester in Stuttgart zu haben. Allein der Weg vom Hauptbahnhof zur Schwabstraße war gefühlt eine Weltreise. S-Bahn ist für einen Dorfjungen echt tough.“

Nachtschwärmer unter sich

Alex wohnt heute im Süden und sie nahe an der alten Heimat. An ihren regelmäßigen Treffen hat sich nichts geändert. „Er steht mindestens einmal die Woche im Laden und will dann eigentlich meist was essen gehen“, sagt Irene. „Wir lieben essen! Die ganze Familie, keine Ausnahme, alle lieben es.“ – „Oh ja“, steigt Alex ein. „Wenn uns etwas bondet, dann essen! Wir suchen ständig nach neuen Restaurants und lieben Thai-Food. Der beste Thai am Marienplatz hat leider zugemacht, obwohl wir der ganzen Welt davon erzählt haben.“

Und jetzt alle: Aaaaaw, how cute! (Foto: Viktor Föll)

Sie ticken aber auch in vielen anderen Dingen ähnlich, sind beispielsweise alles andere als Frühaufsteher. Das vormittägliche Treffen im Tiffin wird da fast zur Herausforderung. „Unsere ganze Familie ist nachtaktiv. Unser Dad, meine Schwester, ich“, erzählt Alex. „Ich meine, ich bin meistens bis morgens wach und arbeite, da schlafe ich natürlich auch länger.“

Mir gefällt, dass ich das Lebenswerk meiner Schwester spazieren trage! (Sickless)

Dass beide Kinder relativ unkonventionelle Karrieren einschlagen, war für die Eltern Föll nicht immer einfach. „Klar haben sie manchmal Sorgen, weil wir selbstständig sind und all das. Aber sie sehen, dass wir glücklich sind mit dem, was wir tun. Sie unterstützen uns, wo sie nur können. Das eine oder andere Tattoo hätten sie aber dennoch nicht gebraucht“, grinst er. Die stammen bei ihm natürlich nicht von irgendwem. „Ich habe nur Tattoos von Irene“, erzählt Alex stolz. „Mir gefällt der Gedanke, dass ich das Lebenswerk meiner Schwester auf meiner Haut trage.“ Irene strahlt und meint: „Das erste Mal den eigenen Bruder zu tätowieren war aber schon heftig. Anfangs hat es mir echt leidgetan, ihm wehzutun. Mittlerweile“, grinst sie frech, „geht’s deutlich besser.“

Auf der Bühne mit Cro

Irene ist aber natürlich ebenso stolz auf ihren kleinen Bruder wie er auf sie. „Ich erinnere mich an einen ganz frühen Auftritt mit ihm und Cro in Aalen“, erzählt sie. „Das war schon surreal, den kleinen Bruder so professionell auf der Bühne zu sehen. Ich war auf jeden Fall extrem stolz und hatte den totalen Tunnelblick.“ Im Grunde ist Irene ja auch nicht ganz unschuldig an der Rap-Karriere des Bruders. „Ich habe generell sehr viel musikalisch von ihr mitgenommen, aber vor allem Rap und Hip-Hop“, so Alex. „Sie hat mir beispielsweise Creutzfeld & Jakob gezeigt und tonnenweise Kram auf VIVA2 aufgenommen.“

Heute wie damals keine Frühaufsteher: Alex und Irene. (Foto: Viktor Föll)

Für immer kleiner Bruder

Egal, wie viel Zeit auch vergangen ist: Alex wird immer Irenes kleiner Bruder bleiben. Das war damals so, als er seinen Worten zufolge von ihr als „menschliche Puppe“ benutzt wurde. Und das ist bis heute so, wenn Alex die Pflichten einer großen Schwester nicht direkt einfordert, aber in jedem Fall goutiert. „Es ist einfach wunderbar“, schwärmt er. „Sie kümmert sich um mich, bringt mir Essen vorbei, näht meine Sachen und kümmert sich um meine Pflanzen. Fast wie meine Mama.“

Ihm ist klar: Er wird auf ewig der kleine Bruder bleiben. Doch wie er das so sagt, klingt er mit dieser Rolle sehr zufrieden.

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