Ramadan: So fasten junge Muslimas in Stuttgart

Während des Fastenmonats Ramadan dürfen Muslime tagsüber nicht essen und  trinken. Wie hält man das durch und was macht das mit einem? Wir haben uns zum Fastenbrechen mit jungen Muslimas an der Uni Hohenheim getroffen.

Stuttgart – Die Ziffern der Uhr zeigen halb neun. Noch 21 Minuten, dann geht die Sonne unter. Das bedeutet für die Muslime: Endlich wieder essen und trinken, nachdem sie den ganzen Tag gefastet haben. Circa 25 Gläubige haben sich am Freitagabend zum Iftar, dem gemeinsamen Fastenbrechen, an der Universität Hohenheim versammelt. Eingeladen hatten die Frauen der Muslimischen Studentengemeinschaft Hohenheim. Neben Muslimen sind auch Freunde und Bekannte der Studentinnen gekommen. Hier ist jeder herzlich willkommen, egal, welcher Religion er angehört.

Kein Essen und Trinken bis zum Sonnenuntergang

Das Buffet steht schon bereit und lockt mit seinen Speisen die Gäste an. Doch es ist noch nicht dunkel. Eine der Muslimas liest eine Stelle aus dem Koran vor. Ein kurzes in sich gehen – und endlich darf gespeist werden. Traditionell isst man beim Iftar als erstes eine Dattel. Danach wird eine Suppe gereicht, die die Muslimas gekocht haben und schließlich darf man sich am Buffet bedienen. Während des Ramadans ist es Muslimen verboten vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang zu essen, zu trinken sowie zu rauchen. Dreißig Tage lang, vom 5. Mai bis zum 4. Juni, dauert der Fastenmonat.

Dem inneren Schweinehund den Kampf ansagen

Den ganzen Tag auf Essen und Trinken verzichten – das hört sich für viele nach einer großen Herausforderung an. Wie ergeht es den Studentinnen dabei?

„Der Ramadan ist einer der Lieblingsmonate des Moslems“, sagt die 21-jährige Gözde. Der Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit fällt der angehenden Wirtschaftspädagogin nicht schwer. „Es hängt natürlich vom Menschen ab, aber ich habe keine Probleme damit. Ich bin glücklich und fühle mich während des Ramadan Allah und den anderen Muslimen näher.“ Ihre Meinung teilen auch die anderen in der Runde. „Ramadan macht mir viel Spaß, ich mache es aus ganzem Herzen“, sagt die 22-jährige Nina. „Ich finde es toll, den inneren Schweinehund zu besiegen. Man ist natürlich mal einen Tag müde oder schlapp. Ich freue mich auf den Ramadan“, schließt sich ihre Glaubensschwester Bursha an. „Beim Fasten lernt man Gott zu lieben und alles zu machen, was er liebt“, sagt Sena. Die Biologiestudentin fastet wie die anderen Muslimas seit ihrer Kindheit.

Durch das Fasten lernen Muslime, Essen mehr wertzuschätzen und neu zu erleben. „Neulich habe ich frisches Brot gekauft und gegessen. Ich hatte noch nie so viel Lust auf Brot, das habe ich davor nie wertgeschätzt“, erzählt Gözde.

Fasten ist nur ein Teil des Ramadans

Dabei ist der Verzicht auf Essen und Trinken nur ein Teil des Ramadans. Muslime sind dazu aufgefordert, in der Zeit an die Armen zu denken, indem sie spenden. Ebenso sollen sie Streit vermeiden. „Im Islam darf man generell nicht lügen oder über jemanden schlecht reden. Während des Ramadans ist das aber noch wichtiger als sonst“, sagt Sena. Wer zwar auf Nahrung verzichtet, sich aber gegenüber seinen Mitmenschen schlecht verhält, der hat das Ziel im Ramadan verfehlt. Generell setzten sich viele Muslime ihre eigenen persönlichen Ziele, die sie während des Ramadan erreichen wollen. Die Mädchen haben sich unter anderem vorgenommen, in der Fastenzeit den Koran durchzulesen.

Gute Vorbereitung ist alles

Nicht alle Mitmenschen zeigen Verständnis für den Ramadan. „Die meisten akzeptieren, dass wir nichts essen. Aber dass wir auch nicht trinken dürfen, das verstehen einige nicht“, sagt Nina. „Wer das nicht gewöhnt ist, für den mag es unrealistisch wirken. Wenn man Ramadan jedoch praktiziert, dann merkt man erst, wie es wirklich ist“, meint Gözde.

Die Studentinnen wollen mit dem Vorurteil aufräumen, dass der Ramadan gesundheitsschädigend sei. „Es ist wichtig in der Zeit, in der man essen und trinken kann, viel zu trinken und sich gesund zu ernähren. Wenn man sich daran hält, dann ist es nicht schlecht für die Gesundheit. Wenn man beim Iftar nicht genügend trinkt und nur fettiges isst, dann kann es gut sein, dass man während dem Fasten umkippt“, sagt Bursha. Ebenso werden alle Muslime schrittweise an den Ramadan herangeführt. Schon als Kind lernen sie zu fasten, nicht den ganzen Tag, sondern nur für ein paar Stunden. Ab der Pubertät ist es für einen Moslem verpflichtend zu fasten.

Mittlerweile stoßen die Studentinnen überwiegend auf Toleranz. „In unserer Kindheit haben wir Unverständnis gespürt, vor allem von Lehrern. Doch seit wir älter sind, versuchen die meisten uns zu verstehen“, sagt Sena. „Im Sportunterricht hatte ich eine tolerante Lehrerin. Sie hat die Termine für den Cooper-Test (ein Ausdauertest im Sportunterricht, bei dem man zwölf Minuten laufen muss) vor und nach den Ramadan gelegt“, erzählt Gözde.

Inzwischen sind die hungrigen Mägen gefüllt, die ersten machen sich auf den Weg nach Hause. Es war ein schöner Abend und eine interessante Erfahrung sind sich alle einig, ob Moslem oder Christ. Zusammen helfen sie den Muslimas beim Aufräumen und zeigen, wie einfach und schön das Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen doch sein kann.

Titelbild: Deddy Yoga Pratama / Unsplash, Bilder Buffet: Amelie Pyta

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