Queer-Community: Sätze, die nerven und wie man es besser macht

Sätze können wehtun. Verurteilen. In Schubladen stecken. Wer sich dessen einmal bewusst ist, kämpft oft mit der Unsicherheit, aus Versehen das Falsche zu sagen. Deshalb haben wir einfach mal nachgefragt: Liebe Queer-Community – welche Sätze gehen gar nicht und was würdet ihr lieber hören?

Stuttgart – Bist du eigentlich queer? Bi? Trans? Inter? Und geht mich das jetzt überhaupt was an? Den richtigen Ton zu treffen, ist in unserer multidimensionalen Welt manchmal gar nicht so einfach. Nicht, weil fremde Lebensentwürfe generell  verwirrend wären, sondern weil uns immer bewusster wird, was Sprache anrichten kann.

Und mit dem Bewusstsein steigen bei vielen auch die Hemmungen. Denn dann kommt zu jedem Satz die Angst, nicht in die Syntax des Gegenübers zu passen. Das Falsche zu sagen. Zu weit zu gehen. Im schlechtesten Fall senkt man dann den Blick und verstummt.

Weil das aber auch nicht Sinn der Sache sein kann, haben wir einfach mal den nächsten Schritt gemacht: das Gespräch gesucht und nachgefragt.

Von unbeholfen bis übergriffig: Jethro kennt jede Art von Gespräch über seine Homosexualität

Jethro ist schmal und groß, mit dunkelblauem Hemd und tiefschwarzen Locken. Auf den ersten Blick wirkt der 22-Jährige fast unscheinbar. „Manchmal mag ich das“, sagt er grinsend und zuckt mit den Schultern.

Meistens ist Jethro, seit zwei Jahren Sprecher der Jugendgruppe Königskinder für bi, trans und queere Jugendliche, nämlich alles andere als unsichtbar. Geblümte Schuhe, knallige Jacke, bunte Armbänder: Es gibt Tage, an denen will er auffallen. Tage, an denen er das Gefühl von „Schaut mich an, ich bin etwas Besonderes“ sucht.

So laut war Jethro allerdings nicht immer. Über Jahre hinweg prägten innere und äußere Kämpfe um seine Sexualität seinen Alltag. Heute spricht er offen über diese Zeit: Auf sein Coming Out zum Beispiel sei er lange vorsichtig zugetippelt. Auf YouTube habe er sich Videos angesehen, in denen Menschen den Satz „Mama, ich bin schwul“ in die Kamera sagen – und sei erstmal zurückgeschreckt.

Auch davon, dass auf das Outing erstmal Stille folgte, erzählt Jethro. Nachdem er seiner Mutter gesagt habe, dass er schwul sei, schwieg sie das Thema tot. Erst langsam gewöhnte sie sich an den Gedanken, dass die Homosexualität mehr war als eine Phase im Leben ihres Sohnes. Seinem Vater gegenüber hat Jethro die Worte nie ausgesprochen. Er ist gläubig und sagte damals Dinge, die dem Teenager kalte Schauer über den Rücken jagten. Irgendwann dann kam unaufgefordert ein versöhnlicher Satz: „Du bist was Besonderes. Wenn du durch die Welt gehst, hab deine Antennen draußen.“

Ganz unbegründet war diese Warnung nicht. Von unbeholfen bis übergriffig hat Jethro inzwischen so ziemlich jedes Gespräch über seine Homosexualität geführt – Spaß gemacht hat ihm das nicht immer. Mit uns hat er deshalb über Klischees und Sätze gesprochen, die er und andere Homosexuelle nicht gerne hören.

Wie macht man es besser?

Heute ist Jethro zufrieden mit sich und der Art, wie er leben möchte. Dass Menschen ihn ansprechen und unpassende Dinge sagen, tut ihm nicht mehr weh. Dazu ist er zu reflektiert. Zu nachdenklich. Zu offen. „Aber man muss natürlich damit rechnen, dass nicht alle Menschen so sind wie ich.“ Dass viele der Sätze nicht so spitz gemeint sind wie sie sich anhören, ist Jethro zwar klar. Dennoch gibt es für ihn klare Punkte, wie Gespräche stattdessen ablaufen sollten:

Titelbild: Sabine Fischer

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