Plötzlich Bierprinzessin: In High Heels über den Wasen

Bier, Schlager und Gebrannte Mandeln: Der Wasen liegt ja bekanntlich nicht jedem – Nina Krippentz jedoch liebt ihn. Wir haben die Böblingerin in Bad Cannstatt getroffen und mit ihr über das Amt als Württembergische Bierprinzessin gesprochen.

Stuttgart – Wenn an diesem Freitag wieder der Cannstatter Wasen beginnt, ruft dies bei den Stuttgartern ganz unterschiedliche Reaktionen hervor. Manche sind genervt, manche freuen sich nur heimlich (den Wasen doof zu finden, gehört in manchen Kreisen zum guten Ton) und manche schweben im siebten Zuckerwatte-Himmel. So wie Nina Krippentz. Die 25-Jährige ist die lebendige Version der Lebkuchenherzen, auf denen mit weißem Zuckerguss „Wasenliebe“ geschrieben steht. Nina studiert Wirtschaftspädagogik in Hohenheim und lebt ein ganz normales Studentenleben. Zumindest, bis es im Frühling oder im Herbst dann heißt „Hoch die Krüge!“, denn dann steht Nina im Festzelt und stößt mit ihrem Bierkrug an – jeden Abend, 17 Tage am Stück.

Württembergische Bierprinzessin

Warum sie das tut? Weil Nina seit Oktober 2018 den Titel der Württembergischen Bierprinzessin trägt. Schon ein Jahr lang hat sie beim Volksfest und beim Frühlingsfest nun schon die Maßkrüge in die Höhe gestemmt, Fotos mit begeisterten Japanern geknipst, ist von einem Bierzelt zum anderen übers Festgelände gesprintet – und das, so steht es in der Job-Beschreibung, nicht mit Boots, sondern mit High Heels an den Füßen. „Ich geh dann, wenn die letzten Alkoholleichen sich auch auf den Weg machen“, sagt die Böblingerin. Klar, der Wasen sei nicht für alle was. „Man muss es echt mögen“, meint Nina. Sie jedenfalls mag es. Nicht die Betrunkenen, aber das Bier, die Dirndl und Lederhosen und die generelle Feierstimmung.

11 Dirndl im Kleiderschrank

Nina beim Interview: die Böblingerin hat sich bei der Wahl zur Bierprinzessin gegen 427 Mitbewerberinnen durchsetzt. | Foto: Jana Stäbener

Ihre Wasenliebe hat sie nicht erst, seitdem sie Württembergische Bierprinzessin ist. „Ich glaube, wenn das alles nicht so richtig dein Ding ist, kann es voll anstrengend werden“, sagt Nina. Sie selbst geht schon immer gern ins Zelt, trinke gerne mal ein Pils und habe elf Dirndl in ihrem Kleiderschrank. Da war es auch für ihre Freunde keine große Überraschung, als sie sich im Frühjahr 2018 spontan bei der Wahl zur Bierkönigin von Stuttgarter Hofbräu aufstellen ließ. Bis in den Herbst hinein ging die Casting-Zeit. Insgesamt bewarben sich 430 junge Frauen. „Die ersten 50 Bewerberinnen wurden nur anhand ihres Aussehens ausgewählt – das fand ich selbst auch echt krass“, erzählt Nina. Bei der Wahl zur Top 12 ging es dann aber um mehr: neben Bierkenntnissen und sympathischem Auftreten war es auch wichtig, die Marke Hofbräu gut zu repräsentieren.

Ninas Wasen-Look:

Wer es schaffte, die Jury zu überzeugen und in die Top 12 zu kommen, durfte sich bei Krüger ein Dirndl aussuchen. „Mein Dirndl von damals habe ich heute an“, sagt Nina, als sie mit uns von Stadtkind Bilder macht. Ihr Dirndl trägt den Namen „Cosma“. Sie kombiniert den dunkelblauen Stoff des Modells, der eine Musterung im Paisley-Style hat, mit einer violetten Schürze. Dazu noch silberne High Heels von Dune London, eine silberne Kette mit Herz-Anhänger und eine silberne Uhr. Die Krone und die Schärpe dürfen natürlich auch nicht fehlen: Fertig ist ihr Wasen-Look!

Kein Job für Schüchterne

Gemeinsam mit zwei anderen Mädels, der zweiten Prinzessin Vanessa und der Bierkönigin Chiara, hat Nina am dritten Oktober 2018 die Wahl in Grandls Festzelt gewonnen. Warum sie „nur“ Prinzessin und nicht Königin geworden ist, weiß sie nicht. „Wir sind alle gleichgestellt, kriegen gleich viel Geld und gehen gleich oft auf Events“, erzählt Nina. Deswegen wären die Titel an sich auch nur fürs Papier. Konkurrenzkampf gebe es unter ihnen nicht.

Oft teilen sich die drei ihre Auftritte auf. Am letzten Freitag war Nina zum Beispiel alleine beim Pre-Wasen-Opening in der Kraxl Alm Rutesheim. Ob das nicht seltsam ist, immer auf neue Leute zu stoßen? „Da kennt man sowieso immer jemanden“ meint Nina. Doch sie merkt an, dass der Job sicher nichts für Schüchterne sei, weil man oft ins kalte Wasser geworfen werde. Manchmal käme man zu einer Veranstaltung, müsse auf die Bühne und habe keine Ahnung was man eigentlich machen soll. „Man muss also schon gerne im Mittelpunkt stehen“, sagt die 25-Jährige lachend.

Als Bierprinzessin sollte man schon gerne im Mittelpunkt stehen, findet Nina. | Foto: Jana Stäbener

Bis zu drei Jahre Amtszeit als Prinzessin

Noch bis 2020 ist geplant, dass Nina die Krone trägt. Aller Voraussicht nach werde jedoch verlängert, erzählt sie. Die Amtszeit der meisten Bierköniginnen und Prinzessinnen bleibt nicht bei eineinhalb Jahren, sondern wird auf drei Jahre aufgestockt. Für Nina kein Problem, sie fängt im Oktober noch ihren Master in Wirtschaftspädagogik an. „Die bayrische Bierkönigin musste sich ja für ihre ganze Zeit frei nehmen – so aufwendig ist das Amt für uns nicht“, sagt sie. Dennoch sei es als Studentin natürlich wesentlich unkomplizierter. Und sie habe so immer noch genug Zeit ihren Hobbys nachzugehen, die neben der Wasen-Feierei alle ziemlich sportlich sind: von Golf über Joggen bis Skifahren ist alles dabei.

Was eine Plastikkrone so alles bewirkt…

Eine frühere Bierkönigin hätte mal zu ihr gesagt, sie sei gespannt, ob Nina nach ihrer Amtszeit noch Lust habe, auf den Wasen zu gehen. Das kann sie aber nicht verstehen. „Wasen ist sowas wie meine zweite Heimat!“, stellt sie klar. Aber sie merke schon, dass sie das Volksfest ganz anders wahrnehme, wenn sie mit Krone und Schärpe durch die Bankreihen läuft. „Da habe ich so einen richtigen Tunnelblick.“ Normalerweise schaue sie sich immer um, ob sie jemanden kenne, wenn sie als Bierprinzessin da sei, dann wäre das keine gute Idee. „Es sprechen dich eh schon genug Leute an und wollen irgendwas von dir“, erklärt sie. „Das ist echt Hammer, was für eine Auswirkung so ein kleines Stück Stoff und eine Plastikkrone haben.“

Auch wenn Nina ihre Krone und Schärpe nur auf Zeit trägt: Das Volksfest und alles was dazugehört, kann sie sich als Teil ihrer beruflichen Zukunft vorstellen. Aber natürlich sieht sich die Wirtschaftspädagogik-Studentin auch im Lehrbereich, also mal abwarten, was die Zukunft bringt.
Eines steht jedoch fest: der Wasen 2019, der kann kommen!

Links findet ihr Ninas offiziellen Instagram-Kanal.

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